Um die transatlantischen Beziehungen geht es Barack Obama bei seinem Deutschlandbesuch nicht - eher um den symbolträchtigen Auftritt. Die Macht der Bilder versteht er dabei gut.
Nein, es ging nicht um uns. Wer glaubt, Barack Obama interessiere sich in diesen Wochen und Monaten für die transatlantischen Beziehungen, gar für die Meinungen und Anliegen der deutschen Regierung und Bürger, der sollte sich daran erinnern, dass sich Deutschland aus amerikanischer Sicht in den Jahren seit dem Mauerfall in die weltpolitische Irrelevanz manövriert hat.
Die Macht der Bilder: Barack Obamas Auftritt war von langer Hand inszeniert. (© Foto: Reuters)
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Das ist der Status quo, von dem Barack Obama zunächst einmal ausgehen wird, sollte er die Wahlen denn gewinnen. Was sein Besuch in Berlin vielmehr demonstriert, ist das enorm hohe Niveau, auf dem der Kandidat und seine Mannschaft Bilder und Symbole inszenieren. Und es sind Bilder und Symbole, die den Wahlkampf entscheiden werden.
Amerikanische Wahlkampfmanager lernen so etwas von erfahrenen Regisseuren. Da wird nichts dem Zufall überlassen. Jeder Kamerawinkel, jeder Bildausschnitt ist durchdacht. Dann wird die Zahl der Fernsehteams und Fotografen reduziert und zusammengepfercht, damit alle Kameras den Kandidaten oder Politiker garantiert aus demselben Winkel in den Blick bekommen. Steht der Politiker an einem Pult, vor einem Bauwerk, neben einer Person, so muss die Tribüne für die Kameras in einem exakten Winkel aufgestellt werden, die sich aus den jeweiligen Bildelementen ergibt. Niemand wird aus einer anderen Perspektive drehen oder fotografieren dürfen. Nur so kann garantiert werden, dass die Inszenierung auch in der gewünschten Weise umgesetzt wird.
Auch in Afghanistan, Irak, Jordanien und Israel war Obama ein Meister der Bilder. Der Gang zum Podium in Jerusalem, bei dem Barack Obama seinen Arm väterlich um Präsident Schimon Peres legte (am Donnerstag Titelbild der SZ), hätte aus einem anderen Blickwinkel nie die Botschaft vermitteln können, dass Obama Amerikas Rolle als Schutzmacht Israels nicht nur ernst nimmt, sondern wirklich fühlt.
Anders als in der Talkshow
Der Auftritt vor der Siegessäule war auf drei Bildebenen angelegt. Da ist zunächst einmal, ganz klar, der Kandidat. US-Politiker sind ausgebildet, ihre Gestik und Mimik den jeweiligen Situationen anzupassen. Die Gestik der Hände unterscheidet sich in einer Talkshow beispielsweise von der bei einem Auftritt vor Tausenden. Bei Talkshows ist es wichtig, dass die Kameras klare Handbewegungen zwischen Schulterpartie und Torsomitte erfassen können. Das wirkt im Fernsehen lebendig, vor großem Publikum leicht verkrampft, weswegen man die Kameras in diesem Falle etwas weiter weg positionieren und die Gestik etwas ausweiten muss.
Die Bildebene der Kulisse war nach dem Verbot eines Auftritts vor dem Brandenburger Tor allerdings nicht mehr zweit-, sondern drittrangig. Der Teleschuss zum Tor kann von der Siegessäule aus nur noch als Überleitungsmotiv verwendet werden. Das wiederum wertete von vorneherein den Gegenschuss ins Publikum auf, was alle freuen wird, die den Weg zur Siegessäule fanden.
Die absolute Kontrolle über die Bilder geht auf John F. Kennedy zurück. Der hatte die Wahl gewonnen, weil er in der legendären Fernsehdebatte von 1960 ganz einfach besser aussah als der bartstoppelige Nixon. So wurde der Posten des präsidialen Leibfotografen eingerichtet. Army-Leutnant Cecil Stoughton war der erste dieser Leibfotografen. Seither engagierten mit Ausnahme von Jimmy Carter sämtliche amerikanischen Präsidenten solche ständigen Bildbegleiter. Meist waren es Bildjournalisten, mit denen sie früh gute Beziehungen aufgebaut hatten. George W. Bush heuerte gleich ein fünfköpfiges Team an und versuchte zeitweise, reguläre Pressefotografen von seinen Terminen auszuschließen.
Reise fürs Fotoalbum
Allerdings wird die Kontrolle über die Bilder in Zeiten von Webseiten wie YouTube und Flickr immer schwieriger. Für Obama ist eine Reise mit verschärften Sicherheitsbedingungen die ideale Möglichkeit, die Macht über die Bilder wieder zurückzuerobern. Nun könnte man Susan Sontag zitieren oder Baudrillard, die sich kluge Gedanken über die Fotografie, die Simulation und die Macht der Bilder gemacht haben.
Letztlich erinnert Obamas Reise aber doch nur an die sehr harmlose Filmkomödie "Green Card - Scheinehe mit Hindernissen" von Peter Weir. Da müssen Andie McDowell als Amerikanerin und Gérard Depardieu als illegaler Einwanderer aus Frankreich für den Besuch bei den Einwanderungsbehörden eine langjährige Beziehung vortäuschen. Deswegen fotografieren sie an einem Nachmittag vor verschiedenen Kulissentapeten typische Szenen einer großen Liebe: Urlaub, Alltag, Kuscheleien.
So bastelt sich auch Obama gerade ein Fotoalbum, das nach neun Tagen so aussehen wird, als habe er jahrelang außenpolitische Erfahrung gesammelt, gekrönt von einer Rede, die Bild- und Zitatschleifen produzieren soll. Kein Wunder, dass er "nur zuhören" will. Das Kommando hat die Bildregie.
- Reaktionen auf Obama-Auftritt "Die Rede eines Weltbürgers" 25.07.2008
- Besuch in Berlin Alles auf Obama 25.07.2008
- Obamas Rede im Wortlaut "Dies ist unser Moment" 24.07.2008
- Rede vor der Siegessäule Obama hat gesprochen 24.07.2008
- Obama-Day in Deutschland Bühne Berlin 24.07.2008
(SZ vom 25.07.2008/cag)
Reiseknigge: Türkei
bis auf den "Kampf gegen den terror", sprich KRIEG. der Mann wird uns in weitere und üblere Kriege reißen. er sagt es doch ganz offen: ZUSAMMEN - aber Krieg.
Man fragt sich: sind die Leute besoffen oder hören sie nicht hin.
dass gerade soviele bundesmichel zu obamas siegessäulen-event gepilgert sind, hat zwei gründe: 1. das verlangen nach frohen botschaften und 2. für ein paar stunden sozial zu kuscheln, bevors mit der tram wieder zurück in die arbeiterschliessfächer nach marzahn und hellersdorf-hohenschönhausen ging.
was ist das typisch hier wieder das jeder meint ER wüsste wieder alles und schon Prognosen abgeben kann ob sich mit Obama eine Politikänderung ergibt oder alles beim alten bleibt !
aber erstmal meckern und verteufeln ... und er sei ja noch nicht mal offiziell Präsidentschaftskandidat ...
tja , warum regt man sich denn dann auf !? alles PR? na klar ist das PR was soll das denn sonst sein wenn man sich dem Präsidentenamt stellen will und noch nicht mal offizieller Kandidat ist !? soll er jetzt schon Versprechungen machen die noch KEIN Politiker je gehalten hat und die man ihm später sowieso wieder vorhalten wird !?
die Essenz der hier u.a.abgelieferten Kommentare ergibt nur das bei McCain alles beim alten bleibt und bei Obama es wohl scheinbar nicht viele Änderungen gibt ....da ist mir doch lieber die Wahrscheinlichkeit DAS sich wenigstens vielleicht was ändert in der USA-Politik oder ändern könnte als das es gar keine Änderung bzw Richtungswechsel gibt !
warten wir es einfach mal ab ....
als Obama?
Ich müsst ja langsam einen neuen Server anschaffen, da Euch der Webspace ausgeht.. Die Berichterstattung über einen "möglichen" Präsidenten der USA ist etwas übertrieben. Und in seiner Rede kommt er nahe an Merkel ran. Viel labern, wenig sagen. Ich wünsche Ihm, dass er gewinnt, aber was macht Ihr dann, liebe SZ? Im Sportteil über Obamas Schulsporterlebnisse- und ereignisse berichten?
Herr Kreye beschreibt sehr präzise, was da geschah - eine perfekte Inszenierung zur Manipulation des amerikanischen Wählers (und der deutschen Politiker). Vor allem hat Obama die Ratschläge seiner PR-Leute beherzigt, sich nicht festzulegen, nichts Konkretes zu sagen.
Das einzige, was konkret war, ist die Forderung nach mehr deutschen Soldaten und mehr deutschem Blut in Afghanistan. Das ist eine Forderung, über die man diskutieren kann, zumal der dubiose Mr. Karsai vornehmlich mit deutscher Hilfe inthronisiert wurde.
Aber ist es das, was sich die berauschten Zuhörer wünschten? Die werden sich wundern, wenn Barak Obama gewählt ist.
Mr. Bush ist so fürchterlich, dass jeder andere als eine Wohltat
empfunden wird. Und deshalb wünsche ich auch, dass Obama Präsident wird.
Aber: Was ist mit Obaraks Haltung zur Todesstrafe und zum Waffenbesitz, zu seinen Aussagen, dass die USA auch sich weiterhin ohne Zustimmung des Sicherheitsrates in aller Welt (aggressive) militärische Optionen vorbehalten, was ist mit seiner praktisch bedingungslosen Parteinahme gegen die Palästinenser?
Es ist offenbar so, dass in den USA gegen die herrschende Lobby kein anderer Präsident möglich ist.
Als junger Mensch war ich ein glühender Amerika-Fan. Ich werde es wohl nie
wieder sein können.
Paging