Obama beruft Fernseh-Arzt Gupta Der Verkünder
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TV-Doktor Sanjay Gupta hat Amerika die Krebserkrankung Ted Kennedys und den Tod Anna Nicole Smiths erklärt. Nun soll er die Gesundheitspolitik Obamas schmackhaft machen.
Die Wahl ist überraschend - wie nicht wenige Personalentscheidungen Barack Obamas. Die Profis vom Public Health Service Commissioned Corps, einer 6000 Leute umfassenden Truppe von Ärzten, Krankenpflegern und anderem medizinischem Personal, hätten am liebsten einen der ihren als Surgeon General gesehen und damit als ihren Boss.
Steiler Aufstieg: TV-Arzt Sanjay Gupta
(Foto: Foto: AP)So wäre alles beim Alten geblieben und das Amt immer weiter in Vergessenheit geraten. Obama hat sich anders entschieden. Er hat Sanjay Gupta ausgesucht, einen Mann, der als populärer Fernseharzt in Amerika bereits ein vertrautes Gesicht ist: Nun soll Doktor Gupta Oberarzt der Nation werden.
Tatsächlich hat Gupta etwas von einem Tausendsassa: Mit 39 Jahren hat sich der Neurochirurg und Sohn indischer Einwanderer bereits ein kleines medizinisches Medienimperium aufgebaut.
Regelmäßig hält er bei CNN Fernsehsprechstunde ("Hausbesuch") und stellt als Chief Medical Correspondent des Kabelsenders bereitwillig Ferndiagnosen zu allen Wehwehchen und tatsächlichen Erkrankungen von Show-Sternchen und Polit-Promis.
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So erklärte er genauso fachkundig den riskanten chirurgischen Eingriff zur Behandlung von Edward Kennedys Gehirntumor wie er die möglichen Todesursachen des blonden Starlets Nicole Smith auseinandersetzte.
Zusätzlich tritt er vor einem Millionenpublikum in den Abendnachrichten von CBS auf und schreibt Kolumnen für das Time Magazine. Er hat ein Buch über das Streben nach Unsterblichkeit verfasst und tritt als Redner auf. Pro Auftritt dürfte er bis zu 50.000 Dollar kassieren.
Die Regelung seiner Finanzen (und des Umzugs seiner Familie von Atlanta nach Washington - seine Frau ist gerade mit ihrem dritten Kind schwanger) hat ihn offenbar veranlasst, sich noch ein paar Tage Bedenkzeit auszubitten. Allerdings gibt es wohl keine ernsthaften Zweifel daran, dass er den Job haben will.
Ehrgeizig und gewiss nicht uneitel
Mindestens genauso viel wie über den ehrgeizigen und gewiss nicht uneitlen Fernsehdoktor sagt die Berufung über Obama aus, der bereits im November immerhin zwei Stunden Zeit für ein Tête-à-Tête mit Gupta freigeschaufelt hatte. Obama nimmt den lange vernachlässigten Posten ernst. Die vergangenen zwei Jahre ließ Präsident George W. Bush den Job gar unbesetzt.
Tatsächlich hat der Surgeon General kaum Einfluss auf die Gesundheitspolitik, in der Vergangenheit gaben indes starke Persönlichkeiten dem Posten ein eigenes Gewicht, fußend auf ihrer Autorität als Mediziner. Darauf setzt Obama. Er will den telegenen Doktor Gupta zweifellos als Botschafter seiner Gesundheitspolitik einsetzen.
Formal ist der Surgeon General Kommandeur des Public Health Service Commissioned Corps. Er bekleidet den Rang eines Vize-Admirals und trägt bei offiziellen Anlässen Uniform. Tatsächlich fungiert er als oberster Fitness- und Gesundheitsberater der Nation - was sich nicht zuletzt an den Warnungen vor dem Tabakkonsum ablesen lässt, die auf jeder Zigarettenschachtel gedruckt und vom Surgeon General gezeichnet sind.
Sanjay Gupta dürfte diesem Aufruf neuen Nachdruck verleihen, zumal bei seinem künftigen Chef, der wohl noch nicht ganz vom Tabak losgekommen ist.