Die USA und Russland: Atomwaffen sind gar nicht das größte Problem. Obama braucht einen außenpolitischen Erfolg und Russland will seine Rolle als globale Macht wiedererlangen.
Wer im US-Außenministerium mit den Verhandlungen zur Abrüstung der Atomwaffen beauftragt wird, gilt als armer Hund. Das Thema wird als langweilig erachtet, als unbedeutend für die tatsächlichen außenpolitischen Probleme Amerikas.
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Der erste Besuch des amerikanischen Präsidenten Barack Obama bei seinem Kollege Dimitrij Medwedjew: Über die Abrüstungsgespräche wollen Washington und Moskau zu den tatsächlich brennenden Themen finden. (© Foto: AP)
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Abrüstungspolitik, einst Königsdisziplin unter den Fachleuten, ist zum Nischenthema verkommen. Die Experten aus dem Kalten Krieg sind längst pensioniert oder umgeschult, Karriere wird heute mit Themen wie Terror und asymmetrische Konflikte gemacht.
Mit der Abrüstungspolitik ging in den USA auch das Interesse an Russland verloren. George W. Bush, der einst Wladimir Putin in die Augen schaute und dessen Seele zu sehen glaubte, fiel anderseits durch gnadenlose Unkenntnis auf.
Russland lebt im amerikanischen Bewusstsein als Antagonist aus dem Kalten Krieg fort. Und weil es aus Sicht gerade der amerikanischen Konservativen einen klaren Sieger in diesem Kalten Krieg gibt, paarte sich Triumphalismus mit dem Mangel an Sachverstand.
Barack Obama kann dieses Defizit nicht übertünchen, auch wenn er mal wieder den Neustart der Beziehungen beschwört. Beide Seiten haben sich für diesen Neubeginn ein altes Thema ausgesucht - die strategische Abrüstung, die zwar wichtig ist, aber nicht die eigentlichen Probleme beider Nationen berührt. Über die Abrüstungsgespräche wollen Washington und Moskau zu den tatsächlich brennenden Themen finden - aber das wird nicht ausreichen.
Washington möchte sich vor allem der russischen Hilfe bei der Konfrontation mit Iran, Nordkorea und dem islamistischen Terror-Problem versichern. Außerdem braucht Obama einen schnellen außenpolitischen Erfolg. Und Russland will seine Rolle als globale Macht wiedererlangen.
Es erwartet von den USA Zurückhaltung in der als Einflusszone empfundenen Nachbarschaft (besonders in der Ukraine) und verbittet sich jede Kritik am eigenen autoritären Regierungssystem. Unter den Konditionen des Westens will Russland nicht kooperieren (deswegen die politische Rohheit im Georgien-Krieg und die Forderung nach einer neuen europäischen Sicherheitsordnung nach russischen Spielregeln).
Obama bedient diesen Machtanspruch, indem er Russland mit den strategischen Abrüstungsgesprächen adelt. Das verleiht Moskau eine Bedeutung, die sich aus dem Arsenal nicht ableiten lässt. Aber: Die Zeit der nuklearen Bedrohung ist vorbei. Einflusszonen werden ebenfalls nicht mehr zugeteilt - freie Nationen suchen sich ihre Partner selbst aus. Mit den Gesprächen werden Russlands Identitätsprobleme also nicht gelöst werden. Eine Großmachtinszenierung bringt die Welt nicht zurück in die Bipolarität.
Russlands Rolle in der Welt entscheidet sich an seinem Umgang mit Europa. Hier wird über die ökonomische Prosperität entschieden, hier formt sich das Bild von Russland als Partner oder Russland als Bedrohung. Obama kann dabei nur begrenzt helfen.
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(SZ vom 07.07.2009)
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mehr kann man nicht erwarten, die Mächte sprechen miteinander und die Rohheit die Herr Kornelius, als Russland Gegner den Russen im Georgienkonflikt vorwirft. Als eher Linker sollte er gegen den Krieg sein, und diesen hat Georgiens undemokratischer Präsident entfacht. Die Demokratie in Russland ist demokratischer als jene in Georgien, wenn auch beide von unserem Standard noch entfernt sind. Aber dies ist ein normaler Entwicklungsprozess, auch bei uns brauchte die Demokratie einige Zeit sich zu etablieren
Die USA und Russland reden wieder miteinander. Das war ja unter Bush nicht so. So hoffen wir, dass die Spannungen, die sich im Laufe der Jahre entwickelt haben, abgebaut werden und ein guter Dialog einsetzt.
Ich frage mich an dieser Stelle wieder einmal, wann die SZ im Bezug auf Russland ihr Bildzeitungsniveau beiseitelegt.
Solche Artikel sind einfach nur noch peinlich und hier leider gang und gäbe.
Das ist mir aber etwas zu optimistisch gedacht.
Die Aussage gilt erst, wenn keine Nation mehr Atomwaffen besitzt, also die nächsten hundert Jahr mal nicht!
Sicherlich ist sie nicht mehr so gegenwärtig, wie in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts, aber es ist doch nie ausgeschlossen, dass irgendein Unterbelichteter á la G.W.B. erneut hüben oder drüben, - oder in einem Atom-Zwergstaat, an die Macht kommt und meint, sich "profilieren" zu müssen. (Ehrlich gesagt, habe ich nach dem 11.9. mit dem Schlimmmsten diesbezüglich gerechnet. Was kam, war auch nicht überzeugend, aber immer noch um Klassen niedriger als von mir befürchtet.) Im Nahen Osten speziell traue ich keiner, der grundsätzlichen Konfliktseiten.
Es muss ja schon alleine als Fortschritt angesehen werden, dass die ursprüngliche Ansicht amerikanischer Betonköpfe aus dem Kalten Krieg nicht mehr zu gelten scheint (die russische Definition ist mir nicht bekannt). Damals galt: Die Vereinigten Staaten hätten einen denkbaren Atomkrieg gewonnen, wenn der letzte Amerikaner länger lebe, als der letzte Russe.
mittlerweile wesentlich schlimmere und teilweise wesentlich subtiler wirkende Waffen gibt?
Offenbar soll in der Öffentlichkeit darüber keine Diskussion vom Zaun gebrochen werden.
Und aus diesem Grund werden diejenigen, die über Atomwaffen hinausgehende Entwicklungen und ihre Wirkungsweisen beschreiben, unisono als "Verschwörungstheoretiker" lächerlich gemacht und abgetan.
Es scheint, dass es im nächsten WK, der bereits emsig vorbereitet wird, in der Hinsicht bei vielen Ahnungslosen ein böses Erwachen gibt...
Paging