Als erster amtierender US-Präsident tritt Barack Obama in einer Late-Night-Show auf. Wenn das mal gut geht: Er will trotz des komödiantischen Formats über die Finanzkrise sprechen.
Wird es wohl lustig werden? Das fragen sich auch Fans von Jay Lenos "Tonight Show" in Internetforen. Noch nie ist ein amtierendes US-Staatsoberhaupt zu einem Late-Night-Talk gekommen - vermutlich auch, weil sich staatstragender Gestus schlecht mit dem komödiantischen Format verträgt.
Barack Obama macht wieder Wahlkampf. (© Foto: Reuters)
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Doch Barack Obama ist für Ungewöhnliches immer offen. Insofern ist dieser Auftritt genauso typisch für ihn wie die vielen Reden, die er derzeit in Turnhallen und Bürgerhäusern hält. Obama ist wieder im Wahlkampf-Modus - und im Wahlkampf kommen sie alle zu Jay Leno.
"Der Weg ins Weiße Haus führt an Burbank vorbei", behaupten die Macher der "Tonight Show" auf ihrer Website. Und richtig: Der kalifornische Drehort Burbank bei Los Angeles war Wahlkampfstation für George W. Bush, Hillary Clinton, Al Gore und John McCain. Sie alle waren da, um sich an der Seite des Stand-up-Comedian Leno von ihrer menschlichen und humorvollen Seite zu zeigen.
Doch die Sendung ist kein politisches Format. Normalerweise kommen vor allem Promis, Hollywood-Stars und Popsänger, um ihre neuesten Filme, Alben und Bücher ins Gespräch zu bringen. Obama ist auf der Gästeliste eingerahmt von Hollywood-Schauspielerin Reese Witherspoon und dem kanadischen Newcomer Seth Rogen ("Beim ersten Mal").
Das hindert die Amerikaner aber nicht daran, Late-Night-Shows für ihre politische Meinungsbildung zu nutzen. Zehn Prozent der Zuschauer und fast die Hälfte der unter 30-Jährigen geben die Talks in Umfragen als politische Informationsquelle an. Allein Leno erreicht Abend für Abend 5,5 Millionen Zuschauer.
Obamas Auftritt in der "Tonight Show" ist der Höhepunkt einer aggressiven Kampagne, die das Weiße Haus, die linke Mobilisierungsplattform MoveOn.org und "Organizing für America" derzeit fahren. "Organizing for America" ist aus Obamas Wahlkampfmaschine hervorgegangen und besitzt nun die Daten von 13 Millionen Amerikanern, die den Präsidenten im Wahlkampf unterstützt haben. Diese nutzt er nun, um für seine politischen Ziele zu werben.
Leno wiederum ist Starmoderator von NBC und wird zu den "großen Drei" des amerikanischen Late-Night-Talk gezählt. Larry King von CNN gilt als investigative Größe, David Letterman von CBS als besonders bissig - und Leno hat sich seinen Namen mit Bösartigkeit gemacht. Der Comedian schreckt vor keinem geschmacklosen Witz zurück. Nichts ist ihm heilig; er zieht von Britney Spears bis zum Papst absolut jeden durch den Kakao.
Besonders seine Lieblingsopfer Hillary Clinton und Michael Jackson können ein Lied davon singen. Barack Obama war bereits bei Jay Leno zu Gast, als er im Präsidentschaftswahlkampf noch als Underdog galt. Damals gab sich Leno zahm. Er nahm gemeinsam mit Obama die Clintons aufs Korn und plauderte locker über liegengebliebene Socken und Obamas Verwandtschaft zum Republikaner Dick Cheney.
Diesmal will der Präsident mit Jay Leno über die Wirtschaft sprechen - kein lustiges Thema in dieser Zeit. Ob das Rüberbringen von harten Fakten in einem Genre funktioniert, das in den USA observational comedy (beobachtende Comedy) genannt wird, sehen die Fernsehzuschauer heute Nacht - und Sie können es morgen früh auf sueddeutsche.de nachlesen.
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Idee von Obama sehr schlau, denn die Leute die in der Regel sowas schauen eher wohl MTV bevorzugen.
So kann er vielleicht den oder anderen von etwas überzeugen, der ihm sonst durch die Lappen geht.
@Lees: Sie schrieben:"Und er hat jetzt schon mehr sinnvolle Politik gemacht als der Rest der Welt in den letzten Jahren."
Und weshalb muß er pausenlos darüber reden? Kann er nicht darauf vertrauen, daß die Ergebnisse für sich selber sprechen? Und nur von Zeit zu Zeit (z.B. nach den "100 Tagen") eine Zusammenfassung des bis jetzt Erreichten geben? Gibt's überhaupt schon Ergebnisse seiner Politik?
@dunnhaupt: Bezüglich der Einschaltquoten haben Sie recht.Trotzdem meine Frage. Was ist der Sinn des Dauerredeflusses? Den Wahlkampf haben wir hinter uns. Den nächsten noch nicht vor uns.Und warum geht Obama nicht gleich zu Leno anstatt wie jetzt noch quer durchs Land zu reisen? Und sich bei jedem Schritt filmen zu lassen.
ist kein Politikexperte und hat zudem selbst größere Verzettelungsschwierigkeiten.
Mal davon abgesehen, dass die überweitsichtigen Besserwisser sich im Moment in höchst kompetenten "ich-sag-es-euch-Sprüchen" zu übertrumphen suchen hat Obama alles im Griff.
Und er hat jetzt schon mehr sinnvolle Politik gemacht als der Rest der Welt in den letzten Jahren.
Schröder / Gottschalk von 1999 lassen grüßen. Die Amis werden in der Zukunft schon auch noch merken, dass sie eine Pflaume gewählt haben.
Leno kann Obama 5,5 Millionen Zuschauer in allen 50 Staaten garantieren. Mit Herumreisen und Redenschwingen wie in der Wahlkampagne ist das niemals zu erreichen. Es geht Obama jetzt ausschließlich darum, gleichzeitig so viele Leute wie möglich anzusprechen.
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