Kernenergie für die ganze Welt? Das fordern ausgerechnet die Marktradikalen, die so viele Länder ins Verderben gestürzt haben.
Als Berichterstatter des Auswärtigen Ausschusses hatte ich vor 40 Jahren dem Bundestag die gemeinsame Position aller Parteien zum Atomwaffen-Sperrvertrag zu erläutern: militärische Nutzung nein, friedliche ja. Damals gab es nur einen einzigen Abgeordneten, der Zweifel an der "friedlichen Nutzung" hatte. Er hieß Karl Bechert, gehörte der SPD an und war Professor für Atomphysik an der Universität Mainz. Er war im Bundestag genauso isoliert wie in seiner Zunft. Eines seiner Argumente war, es sei gar nicht so einfach, die friedliche von der militärischen Nutzung zu trennen.
Sozialdemokrat Erhard Eppler. (© Foto: ap)
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Genau dies wird uns gegenwärtig im Fall Iran vorgeführt. Nicht einmal der tüchtige El-Baradei, Leiter der Internationalen Atomenergie-Agentur in Wien, kann uns definitiv sagen, wer recht hat: die Amerikaner, die behaupten, Iran bastle an der Bombe, oder die Iraner, die dies bestreiten?
Wie soll dies werden, wenn, wie George W. Bush dies will, der Globus mit Hunderten Atomkraftwerken bepflastert wird? Muss man in dem Fall auch hinnehmen, dass irgendwann Atombomben zum Standardarsenal von Dritte-Welt-Staaten gehören werden? Das wäre wohl kaum zu verantworten. Aber es wäre noch nicht einmal das Gefährlichste.
Auch die radikalsten Verfechter der Atomenergie räumen ein, dass Atommeiler einen funktionierenden Staat brauchen, ja voraussetzen. Und der ist im 21. Jahrhundert alles andere als selbstverständlich. Die Welt ist voll von failing states, die sich manchmal in failed states verwandeln, also voll von zerfallenden und zerfallenen Staaten.
Was wird aus den Reaktoren, wenn die Staatsmacht zerbröselt?
Die Stiftung "Entwicklung und Frieden" hat schon 2005 festgestellt, der Zerfall von Staaten sei zum schwierigsten Problem internationaler Sicherheitspolitik geworden. Was geschieht, wenn in einem Land, in dem Atomreaktoren stehen, erst einmal die Korruption solche Ausmaße annimmt, dass auch Plutonium verhökert wird?
Und was wird aus dem Reaktor, wenn das staatliche Gewaltmonopol, das in vielen Staaten ohnehin brüchig ist, zerbröselt, wenn die Gewalt sich privatisiert und kommerzialisiert, wenn also diverse Söldnerbanden das Land durchstreifen, ausplündern und jeden Widerstand niederknallen?
Der Einwand, wer ein Atomkraftwerk plant, wisse schließlich, was ein stabiler, was ein wackliger Staat und was gar keiner mehr sei, sticht nicht. Noch vor wenigen Jahren galten zum Beispiel Kenia und die Elfenbeinküste als stabile, geordnete Staaten.
In der Côte d'Ivoire kam es zum Bürgerkrieg, den nur französische Soldaten begrenzen konnten, Kenia hat einen Gewaltausbruch erlebt, den niemand für möglich gehalten hat. Ruanda galt vor dem Massenmord als verlässlicher Partner in der Entwicklungszusammenarbeit. Und so fort.
Eine marktradikale Ideologie
Ähnliches gilt für Zentralasien. Oft sind, wie im Kongo, gerade Diktaturen nur ein Vorspiel zum Gewaltchaos. Und auch Lateinamerika ist für Überraschungen gut. Wer hätte vor zehn Jahren prophezeit, dass Bolivien möglicherweise auseinanderfällt? Was die Franzosen "entité chaotique ingouvernable" (chaotische, unregierbare Einheit) nennen, ist weltweit möglich.
Es war marktradikale Ideologie, exekutiert von der Weltbank und noch mehr vom Internationalen Währungsfonds (IWF), die in den vergangenen zwanzig Jahren die ohnehin schwachbrüstigen Staaten des Südens durch ihre Anpassungsprogramme - für die Staaten waren es Hungerkuren - nicht zu schlanken, sondern zu schwindsüchtigen Gebilden gemacht hat.
Und jetzt kommen ausgerechnet dieselben Marktradikalen, die dies zu verantworten haben - es reicht der Name George W. Bush - und wollen die ganze Welt mit Atommeilern beglücken.
Christliche Theologen, vorzugsweise solche, die in der Tradition Martin Luthers stehen, haben schon lange ihre Zweifel angemeldet, ob denn die Menschen, wie sie nun einmal sind - manchmal übermüdet, zornig, eifersüchtig, depressiv, psychisch krank, betrunken, leichtsinnig oder rachsüchtig - auf Dauer in der Lage sein werden, mit einer so gefährlichen Energie so umzugehen, dass Katastrophen sich wirklich vermeiden lassen.
Atomarer Terror
Christliche Demokraten, die gerne vom christlichen Menschenbild reden, haben ihnen geantwortet, deshalb gebe es für Atommeiler doch äußerst strenge Gesetze und Regeln, die Sicherheit garantierten.
Wenn nun aber diese Gesetze und Regeln, zusammen mit den Staaten, die sie erlassen haben, sich plötzlich auflösen? Wenn dann Warlords oder einfach die Bosse krimineller Banden das Kommando im Umkreis des Meilers übernehmen?
Schon heute steht der atomare Terror weit oben auf der Agenda unserer Geheimdienste. Vorläufig sorgen sie sich um "schmutzige Bomben", aber auch um Flugzeugentführer, die auf ein Atomkraftwerk zielen. Warum sollten es, bis die geplanten neuen Reaktoren laufen, nicht auch nukleare Sprengsätze sein?
In den Unionsparteien gab es in letzter Zeit Stimmen für den Wiedereinstieg in die Atomenergie, die sogar als ideale Öko-Energie gepriesen wurde. Daraufhin habe ich angeregt, die SPD könne über Restlaufzeiten mit sich reden lassen, falls die Union dem Ausstieg endlich zustimme und dies mit der SPD im Grundgesetz festschreibe.
Erst hat die Union meine Bedingung einfach überhört, dann, urplötzlich, hat sie in einer Telefon-Schaltkonferenz, in der sonst nur Unvorhergesehenes, Taktisches entschieden wird, beschlossen, sie wolle keine neuen Atomkraftwerke haben. Aber sie wolle auch nichts ins Grundgesetz schreiben, da gehöre so etwas nicht hin. Darüber ließe sich reden, würde die Union dafür andere Verfahren vorschlagen, die den Ausstieg definitiv und unwiderruflich machen.
Ist die Entscheidung, keine neuen Meiler zu planen, ernst gemeint, könnte und müsste sie dies tun. Weigert sie sich, muss man vermuten, dass sie für den Fall einer neuen Machtkonstellation eine Hintertür für den Wiedereinstieg offen halten will. Dann schließt sie jeden Kompromiss über Restlaufzeiten aus.
Die entscheidende Frage ist, ob das größte Industrieland Europas in der Lage ist, ein unübersehbares Zeichen gegen die Renaissance einer Energie zu setzen, die heute noch weniger verantwortbar ist als vor 40 Jahren. Ist Deutschland dazu fähig, dann sind Restlaufzeiten zweitrangig. Gelingt dies nicht, dann muss der Wähler über Ausstieg oder Wiedereinstieg entscheiden.
Der Sozialdemokrat Erhard Eppler war Mitglied des Deutschen Bundestags und Minister in drei Bundeskabinetten. Die Grundwertekommission der SPD leitete er von 1973 bis 1992.
(SZ vom 21.07.2008)
Bundespräsident Gauck
So ich hab mir jetzt einmal zeitgenommen und die Energieproblematik genauer untersucht. Also unsere Photovoltaik Anlage (Monokristalline Zellen) auf unserem Dach hat die Größe von ca.20 m² und produziert im Jahr 1700KWh ist genau nach Süden ausgerichtet und Produziert somit in 20 Jahren 34000KWh keine 60000KWh. Ein AKW liefert im Jahr 1000000000KWh.
Monokristalline Zellen benötigen pro m² in der Herstellung zwischen 6000-13900MJ das sind umgerechnet 1666-3861KWh diese Zahlen können sie sich natürlich gerne von den verschiedenen Anbietern bestätigen lassen.
Also haben wir einen Ausgleich der Energiebilanz frühestens nach 20 Jahren, da eine Fläche von 20m² im Jahr gerade mal so viel Energie liefert um einen m² herzustellen.
Wenn sie meinen Ausführungen keinen Glauben schenken wollen dann informieren sie sich selbst.
Aber fragen sie bei den Unternehmen auch nach ob bei ihrer Rechnung nach der sich die Produktionsenergienach 3-4 Jahren wieder eingebracht wurde auch die Silizium Gewinnung und Aufbereitung mit eingerechnet wurde.
Dies sind keine Äußerungen der Atomlobby sondern des normalen Menschenverstandes.
Diese Betrachtung des weisen Altsozialdemokraten Erhard Eppler sollte den Atomjublern in der Union, in der INSM, in der Energiewirtschaft und in der EU-Ratsversammlung sowie in der EU-Kommission mehrfach um die Ohren geschlagen werden, bis si diese Hasardeure verinnerlicht haben.
Doch Epplers Anregung, den Verzicht auf die Atomkraft in das Grundgesetz aufzunehmen, halte ich nach wie vor als wenig zielführend. Dieser Vorschlag wird vielmehr nur von der politischen Atomlobby benutzt, von der wirklichen Problematik der Atomkraftwerke, nämlich der ungelösten Entsorgungsfrage für atomare Abfälle, abzulenken.
Umso eindringlicher das Resumee in Epplers Beitrag:
"Die entscheidende Frage ist, ob das größte Industrieland Europas in der Lage ist, ein unübersehbares Zeichen gegen die Renaissance einer Energie zu setzen, die heute noch weniger verantwortbar ist als vor 40 Jahren. Ist Deutschland dazu fähig, dann sind Restlaufzeiten zweitrangig. Gelingt dies nicht, dann muss der Wähler über Ausstieg oder Wiedereinstieg entscheiden."
Ein sehr erhellender Artikel über diese Thematik:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,567104,00.html
Ihr Problem scheint zu sein, dass Sie die Argumente einfach überlesen und sich statt dessen an ein paar Formulierungen aufhängen. Im Übrigen hängen Sie mir Sätze an die ich nicht gesagt habe. Daher noch mal:
1. Sie äußern sich in einer Weise zu Fragen der internationalen Politik und Zeitgeschichte sowie zu Zusammenhängen zur Atomkraft, die durchblicken lassen, dass sie einfach schlichtweg keine Ahnung haben. (Fassen Sie das nicht schon wieder als Beleidigung auf. Ich kann sowas auch unhöflich sagen.
2. Sie arbeiten sich an Nebenkriegsschauplätzen ab (Parteien und Personen), hier geht es um Sicherheitsfragen, die ohne Übertreibung die Menschheit auf Jahrhunderte beschäftigen könnte (so sich nicht mit der tollen Atomtechnik selbst beseitigt)
3. Sie halten sich für politisch und historisch gebildet, weil ihre Eltern das sind, und zwischen ihnen in den Ansichten Konsens besteht (eine seltsame Art des Bildungsnachweises) Demnach bin ich technisch auch super gebildet, da mein Bruder Ingenieur ist, und wir in technischen Fragen einer Meinung sind (so ein Unsinn, nicht wahr?). Eine sehr dünnes Eis auf dem sie sich da bewegen.
Dass sie Phönix schauen zeigt immerhin, dass sie lernwillig sind ;-)
sie scheinen offenbar ein Faible dafür zu haben auf Fragen zu antworten, die keiner gestellt hat. Nett dass sie ihre kleine Hasstirade auf Herrn Heil an mich gerichtet. Daher möchte ich klar stellen, weder bin ich Herr Heil noch arbeite ich für ihn. Ich wähle ihn auch nicht. Mir ist es auch völlig gleich welcher Partei Herr Eppler angehört, auch Herr Schmidt interessiert mich in diesem Zusammenhang nicht. Sie können sich abstrampeln soviel sie wollen. Mit ihren parteipolitischen ideologischen Auslassungen richten Sie bei mir nichts aus. Es interessiert mich schlichtweg nicht.
Da sie aber offensichtlich nicht in der Lage zu sein scheinen sich differenziert und sachlich zur Thematik zu äußern, befassen Sie sich am besten mit Dingen von denen Sie wirklich etwas verstehen. ...vielleicht Lobbyarbeit.. oder was Ihnen sonst noch so einfällt.
P.S. Ich bin nicht identisch mit User Proempff. Dass Sie so etwas unterstellen, sagt einiges über ihre Gedankengänge. Und zweitens, lesen sollten Sie schon, was man Ihnen sagt: Proempff hat nämlich nicht Ihnen mangelnden physikalischen Sachverstand unterstellt, sondern sich darüber erregt, dass Sie davon ausgehen, dass Terroristen diesen nicht haben können, da sie sie offenbar für Höhlenmenschen halten.
Paging