Nuklearprogramm Israel soll Atomgespräche mit Iran ausspioniert haben

Mitglieder der iranischen Delegation bei Verhandlungen über das Atomprogramm im schweizerischen Lausanne

(Foto: REUTERS)
  • Die Atomverhandlungen mit Iran sollen das Ziel einer breit angelegten Spionageattacke aus Israel geworden sein, berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf US-Regierungskreise.
  • Informationen sollen an US-Parlamentarier weitergegeben worden sein. Ziel der Aktion soll gewesen sein, die Gespräche mit Iran scheitern zu lassen.
  • Die USA entdeckten die Spionage-Aktion angeblich nur, weil sie selbst israelische Behörden-Korrespondenz abfingen.
  • Ein Mitarbeiter von Israels Ministerpräsident Netanjahu dementierte die Angaben.
  • Die Beziehungen zwischen den USA und Israel sind seit Längerem belastet. Die israelische Regierung beobachtet die Atomverhandlungen mit Iran mit großem Misstrauen.

USA beschuldigen Israel der Spionage

Israel soll die Atomverhandlungen mit dem Iran heimlich abgehört haben. Die dabei gesammelten Informationen sollten bei der Kampagne des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu gegen ein Abkommen mit Teheran helfen, berichtete die US-Zeitung Wall Street Journal.

Spionage zwischen den verbündeten Staaten ist wohl keine Seltenheit. Normalerweise tolerierten das beide Seiten, schreibt das Blatt weiter. Die US-Regierung ist aber nach Angaben der Zeitung verärgert, weil vertrauliche Informationen in diesem Fall aus den laufenden Verhandlungen an US-Parlamentarier weitergebenen worden sein sollen.

"Sich gegenseitig auszuspionieren zwischen Israel und den USA ist eine Sache. Eine andere ist es, wenn Israel US-Geheimnisse ausspioniert und sie an amerikanische Parlamentarier weitergibt, um die US-Diplomatie zu untergraben", zitiert das Blatt einen Behördenvertreter.

Der Fall kommt nur wenige Wochen, nachdem republikanische US-Senatoren in einem offenen Brief an die iranische Führung versucht hatten, die Atomverhandlungen zu torpedieren.

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Israel dementiert

Ein ranghoher Mitarbeiter in Netanjahus Büro dementierte den Bericht als "absolut falsch". An Informationen sei man ausschließlich durch die Beobachtung iranischer Politiker gekommen. Europäische Delegationen seien zudem laxer mit der Weitergabe von Informationen an Israel umgegangen als die USA.

"Der Staat Israel bespitzelt weder die USA noch Israels andere Verbündete", sagte Netanjahus Mitarbeiter. "Diese falschen Beschuldigungen sollen eindeutig dazu dienen, die starken Verbindungen zwischen den USA und Israel - auch im Bereich der Sicherheit und der Geheimdienste - zu untergraben."

Auch Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman bezeichnete die Berichte als "inkorrekt". Israel betreibe keine Spionageaktivitäten gegen die USA, sagte Lieberman der Tageszeitung Jerusalem Post zufolge in einem Radioninterview.

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Wie die USA die Spionage entdeckten

Die Zeitung berichtete, Mitarbeiter im Weißen Haus hätten kurz nach dem Beginn der internationalen Gespräche mit Teheran im vergangenen Jahr bemerkt, dass Israel die Verhandlungen abhört, die hinter verschlossenen Türen stattfanden.

Herausgefunden hatten die USA das nur, weil ihre eigenen Geheimdienste israelische Korrespondenz abgefangen hatten. Sie hätten darin Informationen über die Gespräche mit Iran entdeckt, die nur durch Zugang zu vertraulichen Verhandlungen in israelische Hände gelangen konnten.

Spannungen zwischen Washington und Jerusalem

Der Fall könnte die Spannungen zwischen den engen Verbündeten weiter verschärfen. US-Präsident Obama und Israels Ministerpräsident Netanjahu sind sich in einer Reihe von Punkten uneins. Das betrifft vor allem die Atomverhandlungen mit Iran und die Zukunft des Westjordanlandes. Netanjahu will ein Abkommen über Irans Nuklearprogramm verhindern.

Auch die von Obama präferierte Zwei-Staaten-Lösung für Israel und Palästina hatte Netanjahu vor kurzem in Frage gestellt. Höhepunkt der jüngsten Spannungen war eine Rede Netanjahus vor dem US-Kongress Anfang März, die nicht mit dem Weißen Haus abgestimmt war. Eingeladen hatten ihn republikanische Abgeordnete.

Ein US-Regierungssprecher hatte Netanjahu zuvor gewarnt, bei seiner Rede vertrauliche Informationen über die Verhandlungen preiszugeben. Damals hieß es, die USA hätten Israel regelmäßig über den Stand und Ablauf der Verhandlungen informiert.