Nukleare Katastrophe in Japan Das Muster der Katastrophe

Die Nuklearbehörden müssen von Anfang an um den hohen Cäsium-Anteil der Kontamination gewusst haben. Warum sie mit den Evakuierungen dennoch so lange gezögert haben, dafür gibt es keine Erklärung. Doch es ist ein Muster, das sich in dieser Katastrophe ständig wiederholt.

In Iitate wird ein Mädchen auf ihre radioaktive Strahlung untersucht. Nun wurde das Dorf doch noch evakuiert. Dabei müssen die Nuklearbehörden müssen von Anfang an um den hohen Cäsium-Anteil der Kontamination dort gewusst haben.

(Foto: AP)

Schon am Morgen des 12. März ahnte die US-Armee, dass die Betreiberfirma Tepco den Meiler, dessen Kühlsysteme ausgefallen waren, nicht unter Kontrolle bringen würde. Admiral Robert Willard, der Kommandant der US-Pazifikflotte, verlangte von General Ryoichi Oriki, dem Oberkommandierenden der japanischen Armee, im Namen des Weißen Hauses konkrete Informationen. Oriki antwortete, dass die Experten die Lage studierten.

Am selben Tag bot US-Botschafter John Ross der japanischen Regierung Hilfe an, er wollte US-Strahlenexperten ins Amt des Premierministers schicken. Die Experten hätten es nicht weit gehabt, sie waren auf einem Stützpunkt in Japan stationiert. Kabinettssprecher Yukio Edano lehnte ab.

Washington stellte sofort einen Krisenstab zusammen und drängte Premier Naoto Kan, die Stabilisierung des Meilers nicht Tepco zu überlassen, wie die Tageszeitung Yomiuri am Dienstag schrieb. Schon am 12. März hätten die USA vor Wasserstoff-Explosionen gewarnt und mehrere Worst-Case-Szenarien erarbeitet. Eines ging von einer Kernschmelze im Reaktor 2 aus mit der Emission enormer Mengen von Radioaktivität. US-Vizeaußenminister Kurt Campbell drohte Japans Botschafter in Washington sogar, wenn Kan nicht energisch handle, werde Washington alle US-Bürger aus Japan evakuieren.

Kan wartete 100 Stunden, exakt bis nach der vierten Explosion in Fukushima 1, bis er Tepco seinem Kommando unterstellte.

Man hört, Präsident Nicolas Sarkozy habe seinen Blitzbesuch in Tokio vorletztes Wochenende nur gemacht, um Kan ins Gewissen zu reden. Neben der Gefahr einer Verstrahlung großer Gebiete fürchteten Washington und Paris, Fukushima bringe auch für sie schwere Nachteile - das allmähliche Ende der Atomenergie.