NSU-Prozess Verräterische Brezel

Im NSU-Prozess berichten Beamte, was sie auf dem Handy des Angeklagten André E. fanden. Neben einer Hakenkreuz-Brezel entdeckten sie selbstbearbeitete Videos - ein Hinweis, dass E. an der Produktion der Bekennervideos beteiligt gewesen sein könnte.

Aus dem Gericht von Tanjev Schultz

Kriminaltechniker können in einem beschlagnahmten Handy allerhand finden und manchmal noch Dinge lesbar machen, die eigentlich schon gelöscht wurden. Sie rekonstruieren Bilder, Videos, Kontaktlisten und alte SMS. Am Mittwoch berichten im NSU-Prozess mehrere Ermittlungsbeamte über Funde in den Mobiltelefonen des Ehepaars Susann und André E., die enge Freunde des mutmaßlichen NSU-Trios gewesen sein sollen. André E. ist einer der Angeklagten, seine Frau zählt zu den Beschuldigten.

Ein Beamter berichtet von einer SMS, die Susann E. ihrem Mann im Herbst 2011 geschrieben haben soll: "Ich fahr' grad Lisl und Geri wo hin". Die Ermittler gehen davon aus, dass damit Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt gemeint waren. Mehrere Zeugen hatten ausgesagt, dass sie die beiden unter den entsprechenden Pseudonymen kannten.

Die Ermittler vermuten, dass einige SMS auf den Mobiltelefonen der Familie E. nachträglich gelöscht worden sind. Es gebe auffällige Lücken.

Auf einem von André E. genutzten Handy haben die Beamten rechtsradikales Material gefunden, unter anderem: eine fotografierte Brezel in Hakenkreuz-Form, Musik mit Rechtsrock und ein Video, das in schneller Schnittfolge Reden von Adolf Hitler und Bilder der Hitlerjugend zeigt - unterlegt mit einem Pop-Song: "Born to be alive".

Grundkenntnisse in Videobearbeitung

André E. soll noch weitere Videos auf dem Telefon gehabt haben, die er zum Teil selbst erstellt und bearbeitet haben soll. Der Angeklagte müsse Grundkenntnisse in Videobearbeitung besitzen. Dies ist bedeutsam, weil es früh den Verdacht gab, André E. könnte beteiligt gewesen sein an der Produktion der NSU-Bekennervideos. Dies ließ sich bisher allerdings nicht erhärten.

Es gibt Hinweise darauf, dass Beate Zschäpe am 4. November 2011, als sie die Wohnung in Zwickau in Brand gesteckt haben soll, Kontakt mit der Familie E. aufnahm. Die Ermittler gehen davon aus, dass ihr zu Beginn ihrer Flucht geholfen wurde. Erst am 8. November stellte sich Zschäpe der Polizei, nachdem sie zuvor mit der Bahn quer durch Deutschland gefahren war.

Rätselhaft bleiben Anrufe mitten in der Nacht, die bei André E. am 5. November aus Glauchau von einem öffentlichen Telefon am Bahnhof eingingen. Zeitweise vermuteten die Ermittler, Zschäpe und ihre Freunde könnten in dem Ort bei Zwickau einen weiteren Unterschlupf gehabt haben. In Glauchau gab es deshalb umfangreiche Ermittlungen, gefunden wurde jedoch nichts.