NSU-Prozess Mundlos packt seine Brotzeit aus

Richter Götzl möchte nun wissen, wie Zschäpe und ihr Freund miteinander umgegangen sind?

Mundlos: "Sie sind nett miteinander umgegangen. Gleichberechtigt, wenn Sie das so hören wollen."

Götzl: "Ich will gar nichts hören."

Mundlos: "Ich wähle das Wort, weil es ja auch so war. Die haben viel unternommen. Rumgereist, waren keine Langweiler. "

Dann berichtet der Vater, dass sein Sohn Ehrfurcht vor einem älteren Neonazi hatte.

Götzl: "Was bedeutet Ehrfurcht?"

Mundlos: "Er hat großen Einfluss auf meinen Sohn ausgeübt. Fragen Sie doch die Frau Beate Zschäpe!"

Götzl: "Es wirkt ein bisschen läppisch, wenn Sie mir so kommen. Was soll das?"

Jeder weiß ja, dass Beate Zschäpe nicht spricht. Und dann beißt der Professor auch noch in seinen Apfel. Das wird als grobe Missachtung des Gerichts gesehen. Ein Zeuge, der nach stundenlanger Vernehmung einen Schluck Wasser trank, hat in einem anderen Verfahren schon mal den Zorn Götzls zu spüren bekommen. Aber einer, der in einen Apfel beißt? "Wenn Sie Hunger haben, machen wir jetzt eine Pause", verfügt Götzl konsterniert. Nach zehn Minuten fragt er dann den Zeugen: "Sind Sie frisch gestärkt?"

Mundlos: "Das war nicht gegen Ihre Autorität gerichtet, dass ich in den Apfel gebissen habe. Ich habe eine raue Kehle."

Götzl: "Ich mache das hier auch schon ziemlich lange. Aber Sie sind der erste Zeuge, der hier seine Brotzeit ausgepackt hat."

Der Professor reagiert mit Trotz

Später, nach der regulären Mittagspause, hat sich die Spannung zwischen dem Zeugen und dem Richter nicht gelöst. Vater Mundlos redet ziemlich ungeordnet, aber dafür sehr selbstbewusst und belehrend. Er trennt kaum zwischen Angelesenem und selbst Erlebtem. Das irritiert den Richter, doch auf seine Ermahnungen reagiert der Professor vor allem mit Trotz, nicht mit Einsicht. Als der Vater noch mal genauer die politischen Ideen seines Sohnes und die Rolle von Uwe Böhnhardt erklären soll, kommt es zum Eklat. Siegfried Mundlos erzählt von einem Freund seines Sohnes, der vor Böhnhardts Brutalität gewarnt habe. Er selbst habe ihn für eine tickende Zeitbombe gehalten.

Götzl: "Warum haben Sie das nicht mit Ihrem Sohn besprochen?"

Mundlos: "Sie sind ein kleiner Klugsch..." - "Was fällt Ihnen ein!", sagt Götzl und droht dem Zeugen Ordnungsmittel an. Mundlos nennt Götzl später auch noch "arrogant", und im Übrigen möchte er bitte mit "Herr Professor" angesprochen werden. Götzl bleibt jedoch bei der Anrede "Herr Doktor Mundlos". Vom Herrn Doktor möchte er nun noch etwas mehr erfahren über dessen Verhältnis zu Uwe Mundlos. Die knappe Antwort: "Ich war der Vater, und das war mein Sohn."