NSU-Prozess Soll im NSU-Prozess ein Tonband mitlaufen?

Schon zu Beginn des Verfahrens hatte die Verteidigung Beate Zschäpes beantragt, dass alle Aussagen aufgenommen werden.

(Foto: dpa)
  • Schon zu Beginn des NSU-Verfahrens hatte die Verteidigung der Angeklagten Beate Zschäpe beantragt, das Verfahren in Wort und Bild aufzunehmen.
  • Die Richter lehnten diesen Antrag ab: Die Aufnahmen könnten die Zeugen beeinflussen oder einschüchtern.
  • Aber: Eine Expertenkommission des Bundesjustizministeriums hat sich für mehr audiovisuelle Aufnahmen im Gericht ausgesprochen.
Aus dem Gericht von Annette Ramelsberger

Der Mitschnitt des ersten Auschwitzprozesses in Frankfurt dauert 430 Stunden. Man kann die Stimme des Richters hören, der elf Stunden lang das Urteil begründet; man hört die ehemaligen KZ-Häftlinge, wie sie unter Eid über ihre Erlebnisse berichten. Ein unvergleichlicher historischer Schatz. Dennoch sollte dieser Schatz vernichtet werden. Denn die Mitschnitte wurden nur "zur Stützung des Gedächtnisses des Gerichts" angefertigt - kaum war das Urteil rechtskräftig, sollten sie gelöscht werden.

Nur weil sich KZ-Überlebende dagegen wehrten, blieb der Mitschnitt erhalten. Im ebenfalls wichtigen Treblinka-Prozess in Düsseldorf dagegen wurde der Mitschnitt vernichtet.

Vom NSU-Verfahren gibt es keine Mitschnitte

Auch 50 Jahre später ist die Justiz äußert restriktiv, wenn es darum geht, ihr Tun auf Band aufzunehmen - von Film ganz zu schweigen. Auch für den wichtigsten Prozess der Nachwendezeit, das NSU-Verfahren in München, gibt es keine Mitschnitte. Was im Gerichtssaal stattfindet, soll dort auch bleiben.

Den Antrag der Verteidigung der Angeklagten Beate Zschäpe, das Verfahren in Wort und Bild aufzunehmen, hat das Gericht schon gleich zu Anfang abgelehnt. Und die Richter nutzen auch nicht die Möglichkeit, wie zum Beispiel die Staatsschutzsenate in Düsseldorf, den Prozess zum Nachhören für sich aufzuzeichnen.

Die Münchner können sich offensichtlich ohne technische Hilfsmittel an jede Nuance der bisher 335 Verhandlungstage erinnern. Was zählt, ist das Gehör des Richters und die Mitschriften seiner Beisitzer - und die können variieren. Doch selbst die fortschrittlichen Düsseldorfer vernichten die Mitschnitte sofort nach dem Urteil - juristisch einwandfrei, Historiker jedoch seufzen. Noch nicht einmal der Honecker- Prozess in Berlin wurde aufgezeichnet.

"Ich versuche, wirklich gerecht zu sein"

Lars M. ist Richter. Welche Ausrede er nicht mehr hören kann und wie man vor Gericht Pluspunkte sammelt, erzählt er in einer neuen Folge unserer Serie "Wie ich euch sehe". Von Anna Fischhaber mehr ...

Nun kommt es in München erneut zum Streit um einen Mitschnitt. Denn die Verteidigung von Beate Zschäpe will, dass zumindest die Aussage des psychiatrischen Sachverständigen Henning Saß aufgezeichnet wird, der Zschäpe auf ihre Schuldfähigkeit hin begutachtet. Einer der wichtigsten Tage des Prozesses.