NSU-Prozess Stahl, Heer und Sturm wollen Zschäpe nicht länger verteidigen

Wolfgang Stahl (links), Wolfgang Heer (Mitte) und Anja Sturm (rechts) wollen die Angeklagte im NSU-Prozess, Beate Zschäpe, nicht länger verteidigen.

(Foto: picture alliance / Peter Kneffel)
  • Beate Zschäpes Altverteidiger, Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm, wollen die Angeklagte im NSU-Prozess nicht weiter verteidigen.
  • Ihre Begründung: Sie seien offenbar nicht mehr notwendig.
  • In der vergangenen Woche war der Prozess ausgefallen, weil zwei Verteidiger Zschäpes, Mathias Grasel und Hermann Borchert, nicht anwesend waren.
  • Der Fortgang des NSU-Prozesses ist zunächst unklar.
Aus dem Gericht von Wiebke Ramm

Beate Zschäpes Verteidiger Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm wollen nicht mehr. Am Dienstagvormittag haben sie im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München ihre Entbindung beantragt. Sie seien aus Sicht des Vorsitzenden Richters für Zschäpes Verteidigung offenbar nicht mehr notwendig, argumentierten sie. "Frau Zschäpe ist alleine durch Rechtsanwalt Grasel hinreichend verteidigt", heißt es in dem Antrag. Verteidigerin Sturm war an diesem 412. Verhandlungstag nicht im Saal. Der Antrag, den ihr Kollege Heer im Saal vorlas, stellte er nichtsdestotrotz auch in ihrem Namen.

Die drei Pflichtverteidiger reagieren mit ihrem Antrag darauf, dass das Gericht die Verhandlung in der Vorwoche kurzfristig abgesagt hatte, nur weil Zschäpes weiterer Pflichtverteidiger Mathias Grasel krank und ihr Wahlverteidiger Hermann Borchert nicht in München war. Heer und Sturm waren wie üblich aus Köln angereist und standen zur Verteidigung Zschäpes bereit. Die Verhandlung fiel dennoch aus, was aus Sicht von Stahl, Sturm und Heer nur bedeuten könne, dass es nach Ansicht der Richter allein auf Grasel und Borchert ankomme.

Heer ist seit November 2011 Zschäpes Pflichtverteidiger, er holte zunächst Stahl, dann Sturm ins Team. Erst im Sommer 2015 kam Grasel als vierter Pflichtverteidiger hinzu. Im Hintergrund wirkte schon damals Borchert als Wahl-, nicht Pflichtverteidiger. Das bedeutet, dass Borchert nicht vom Steuerzahler bezahlt wird. Grasel und Borchert haben gut zwei Jahre Prozess und alle wesentlichen Zeugenaussagen verpasst. Aber sie haben Zschäpe - so sehen es jedenfalls Grasel und Borchert. Seit 2015 spricht Zschäpe nur noch mit den beiden. Mit Heer, Stahl und Sturm verweigert sie jede Kommunikation.

Das Gericht hat wiederholt deutlich gemacht, dass Heer, Stahl und Sturm für eine ordnungsgemäße Verteidigung der mutmaßlichen NSU-Terroristin notwendig seien. Die drei hatten bereits mehrfach ihre Entbindung beantragt. Die Richter ließen sie nicht gehen und lehnten jeden Antrag ab.

Heer, Stahl und Sturm schreiben, dass nunmehr davon auszugehen sei, dass sich Grasel in den gesamten Verhandlungsstoff eingearbeitet habe. Und wenn Borchert so wichtig sei, dass seine Abwesenheit zum Verhandlungsausfall führe, dann solle doch er zum zusätzlichen Pflichtverteidiger gemacht werden, trug Heer vor.

Zschäpes Vertrauensverteidiger Grasel teilte mit, dass sich Zschäpe dem Antrag der drei Anwälte anschließe. Sie will schon seit 2015 nicht mehr von Heer, Stahl und Sturm verteidigt werden. Der Prozess wurde daraufhin zunächst für eineinhalb Stunden unterbrochen. Bundesanwalt Herbert Diemer forderte, den Antrag abzulehnen. "Eifersüchteleien unter den Verteidigern sind kein Grund für eine Entpflichtung", sagte er.

Unter den Zuhörern waren am Vormittag Freunde von Zschäpe und den weiteren Angeklagten. Darunter André K., ein früherer Vertrauter von Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, und Susann E., Zschäpes beste Freundin im Untergrund und Frau des Angeklagten André E. Neben Wohlleben auf der Anklagebank saß auch seine Frau. Es ist Wohllebens 43. Geburtstag und der siebte Geburtstag infolge, den er in Untersuchungshaft verbringt. Er wird beschuldigt, mitgeholfen zu haben, den NSU-Terroristen die Waffe besorgt zu haben, mit der Mundlos und Böhnhardt neun Männer erschossen. Wohlleben ist wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen angeklagt.

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