NSU-Prozess Falsch verdächtigt - die tückische DNA-Spur

Im NSU-Prozess geht es um vermeintlich brisantes DNA-Material. Die Gen-Spur wurde auf einer Überwachungskamera in der Wohnung von Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt gefunden - und wies auf einen mutmaßlichen Helfer des Trios hin. Die Ermittler waren elektrisiert. Doch manchmal ist das Unwahrscheinliche wahr.

Aus dem Gericht von Tanjev Schultz

In der Kriminaltechnik können DNA-Spuren tückisch sein. So hatte die Polizei jahrelang ein weibliches Phantom gesucht, das an zahlreichen Tatorten DNA hinterlassen hatte. Später stellte sich heraus, dass die Spur von einer Frau kam, die bloß die Wattestäbchen verpackt hatte, die von den Kriminaltechnikern verwendet wurden. Auch nach dem Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter im Jahr 2007 in Heilbronn hatte die Spur monatelang Verwirrung ausgelöst.

Mittlerweile wird der Mord in Heilbronn den NSU-Terroristen zugeschrieben. Am Donnerstag ist nun im NSU-Prozess ein weiterer Fall einer trügerischen DNA-Spur zur Sprache gekommen. Der Prozess konnte regulär fortgesetzt werden, nachdem ein am Dienstag von Beate Zschäpes Verteidigern gestellter Befangenheitsantrag gegen die Richter vom Oberlandesgericht München zurückgewiesen wurde.

Zschäpe hält Richter für befangen

Gerade wollte ihnen Beate Zschäpe das Vertrauen entziehen, nun stellen ihre Anwälte unter Beweis, dass sie ihre Mandantin mit allen Mitteln verteidigen - und stellen in ihrem Namen einen Befangenheitsantrag gegen das Gericht. Aus dem Gericht von Tanjev Schultz mehr ...

Nun geht es also um vermeintlich brisantes DNA-Material. Es wurde in Zwickau gefunden, in der Wohnung des Trios Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Die Spur befand sich auf einer Überwachungskamera. Offenbar wollten sich die Bewohner absichern gegen ungebetene Gäste. Es gab mehrere Kameras, sie waren in Blumenkübeln versteckt, verdeckt mit Plastikefeu. An einer Kamera fand die Polizei DNA-Material, das laut Bundeskriminalamt (BKA) mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,85 Prozent auf ein Eltern-Kind Verhältnis zu Thomas S. hinwies. Die Ermittler waren elektrisiert.

Thomas S. ist Beschuldigter im NSU-Verfahren, er hat gestanden, den Neonazis bereits vor deren Untertauchen Sprengstoff besorgt zu haben. Außerdem soll er 1998 geholfen haben, das Trio in Chemnitz unterzubringen. Er soll früher eine kurze Affäre mit Beate Zschäpe gehabt haben.

Prügelei nach dem Rummel

Beate Zschäpe gehörte schon mit 21 Jahren zur rechten Szene in Jena. Aber war sie auch gewalttätig? Im NSU-Prozess sagen zwei Frauen aus, die Zschäpe 1996 angegriffen haben soll. Weil sie zur linken Szene gehörten. Am Ende der Vernehmung ärgert Richter Götzl sich über die Polizei. Aus dem Gericht von Tanjev Schultz mehr ...

Die Nachricht über die Gen-Spur sei eine "Knaller-Information" gewesen, sagt ein BKA-Beamter vor Gericht. Denn die Überwachungskamera war erst im Jahre 2009 produziert worden und ein Jahr später in den Handel gekommen. Bislang konnte man Thomas S. einen Kontakt zum Trio nur bis zum Jahr 1998 nachweisen.

"Totaler Quatsch"

Im Juni 2013 wurde Thomas S. morgens auf dem Weg zur Arbeit von den Ermittlern abgefangen und mit dem Fund konfrontiert. Thomas S. soll perplex gewesen sein und alles abgestritten haben. Aus Sicht der Ermittler deutete die Spur darauf hin, dass die Überwachungskamera von einem der beiden Söhne von Thomas S. berührt worden sei. Es hätte einen ganz neuen Stand im NSU-Verfahren gegeben.

Thomas S. stand jetzt enorm unter Druck. Er soll in der Vernehmung gesagt haben, der Vorwurf sei "totaler Quatsch". Er wisse gar nicht, was man von ihm wolle. Seine Frau stimmte schließlich zu, freiwillig eine DNA-Probe abzugeben. Das Ergebnis: Die Spur stammte doch nicht von den Söhnen.

Manchmal ist das Unwahrscheinliche wahr. Die Ermittler haben mittlerweile die Person gefunden, von der die DNA-Spur stammt: Es soll ein wissenschaftlicher Mitarbeiter aus der Abteilung Kriminaltechnik sein, er hatte die Überwachungskamera untersucht.