NSU-Protokolle "Die Peggy hieß Knobloch, nicht Knoblauch"

NSU-Protokolle, Tag 314 bis 327: Ein Polizist beobachtete das NSU-Trio mutmaßlich beim Ausspähen einer Berliner Synagoge. Auf eine Frage des Vorsitzenden Richters reagiert Zschäpes Anwalt mit einer Provokation.

Von Rainer Stadler, SZ-Magazin

"Die Schwierigkeit, die Persönlichkeit von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zu beschreiben, liegt in den Extremen, dass sie einerseits äußerst brutal waren, andererseits auch liebevoll und zuvorkommend sein konnten, sowohl mir als auch den Katzen gegenüber."

So beschreibt Beate Zschäpe die Männer, mit denen sie zehn Jahre lang im Untergrund lebte. Zehn Morde und fünfzehn Banküberfälle werden dem Trio vorgeworfen, und nach langem Schweigen hat die Hauptangeklagte Zschäpe im vierten Jahr des NSU-Prozesses ausführlich Stellung genommen.

Sie beschreibt, wie sie in dieser Zeit unter ständiger Anspannung lebten, etwa wenn es an der Tür ihrer Wohnung klingelte. "Für den Extremfall, dass nämlich die Polizei vor der Tür steht, hätten die beiden sich auf der Stelle erschossen." Für Mundlos sei die Rückkehr in ein bürgerliches Leben ausgeschlossen gewesen, weil "eh alles verkackt" gewesen sei, deshalb habe der "es zum knallenden Abschluss bringen wollen".

Zschäpe berichtete, sie habe von den Gewalttaten der beiden immer erst im Nachhinein erfahren, sich aber nicht lösen können, weil sie wirtschaftlich und emotional von Böhnhardt und Mundlos abhängig gewesen sei. "Für mich waren die Tage nur mit dem Konsum von Sekt, den ich bei Aldi oder beim Penny gekauft hatte, erträglich."

Die Anwälte der Nebenklage hielten ihr vor, dass zumindest auf den Urlaubsbildern der drei von dieser Anspannung nichts zu sehen sei. Am Tag 295 der Verhandlung stellten sie stundenlang Fragen: Wie Böhnhardt und Mundlos ihre Opfer auswählten. Von wem das Trio nach dem Untertauchen in Sachsen und Thüringen unterstützt wurde. Wie Zschäpe vorgegangen sei, als sie die gemeinsame Wohnung in Zwickau am 4. November 2011 in Brand setzte. Wen sie in den Tagen danach getroffen habe oder treffen wollte. Ob sie noch Geld oder andere Gegenstände versteckt habe. Ob sie schon die Rechte für ihre Autobiografie verkauft habe.

Das SZ-Magazin hat den NSU-Prozess am Oberlandesgericht München auch in diesem Jahr verfolgt und dokumentiert, wie schon in den Jahren zuvor, die Verhandlung anhand von Originalzitaten der Richter, Staatsanwälte, Zeugen, Angeklagten, Verteidiger und Opferanwälte. Das vierte Jahr bedeutet aller Voraussicht nach das Ende der Beweisaufnahme. Das Gericht hat Hunderte Zeugen gehört, es steht noch das Gutachten über die Hauptangeklagte Beate Zschäpe aus, dann könnten die Anwälte, Verteidiger und Staatsanwälte ihre Plädoyers halten und schließlich das Gericht sein Urteil verkünden.

Die NSU-Protokolle der vergangenen Jahre

Die NSU-Protokolle des Jahres 2015

Die NSU-Protokolle des Jahres 2014

Die NSU-Protokolle des Jahres 2013

Lesen Sie das NSU-Protokoll im Wortlaut:

"Frau Zschäpe möchte selbst etwas sagen"

Das vierte Jahr des NSU-Prozesses am Oberlandesgericht München war geprägt von den Aussagen der Angeklagten. Auch Beate Zschäpe, die lange geschwiegen hatte, ergriff am 313. Prozesstag das Wort. Wie in den Vorjahren dokumentiert das SZ-Magazin das Verfahren mit den Originaläußerungen der Prozessteilnehmer. Von Annette Ramelsberger, Wiebke Ramm, Tanjev Schultz und Rainer Stadler, SZ-Magazin mehr ... SZ-Magazin