NSU-Mordserie BKA ließ wichtige Spur zu Tätern außer Acht

Das Bundeskriminalamt soll sich bei der Suche nach den Mördern türkischer Imbiss-Betreiber eine weitere Panne geleistet haben - weil sie die falschen Verdächtigen im Visier hatten. Neue Details zur NSU-Terrorzelle kommen aus Niedersachsen: Eine Karte von Braunschweig weist auf weitere Anschlagsziele hin.

Neue Pannen bei den Ermittlungen des Bundeskriminalamts (BKA) zur Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU): Die BKA-Ermittler verfolgten nach dem fünften Mord im Februar 2004 an einem türkischen Imbissbuden-Betreiber zwar die richtige Spur, suchten aber nach den falschen Tätern. Das belegt nach Angaben der Bild-Zeitung ein Fax des BKA aus den Akten des NSU-Untersuchungsausschusses.

"Es war eine heiße Spur bereits 2004. Das BKA hat sie kalt werden lassen", kritisierte CDU-Obmann Clemens Binninger am Donnerstag vor Beginn der Sitzung. Bei neun von zehn Morden, die die Terrorzelle NSU begangen haben soll, hatten die Täter die gleiche Waffe benutzt: eine Ceska 83 7,65 mm Browning. Grünen-Obmann Wolfgang Wieland sagte, dies sei eine ungewöhnlich lange Zeit für die leider einzige Spur, die man gehabt habe. Ermittler hätten sich vermutlich zu stark auf türkische Täter konzentriert und einen rechtsradikalen Hintergrund ausgeblendet.

Die Munition des US-Herstellers PMC und die "identische Waffe", die die Täter benutzten, führten die deutschen Ermittler demnach in die Schweiz. Sie landeten bei dem Waffenhändler Schläfli & Zbinden in Bern, von dem die tschechische Pistole ursprünglich stammt. Das BKA vermutete hinter der Mordserie Auftragsmorde und Rauschgiftgeschäfte im türkischen Drogenmilieu.

Die deutschen Ermittler fragten daher vor den Morden über Verbindungsbeamte des BKA per Fax bei den Schweizer Kollegen an, ob türkische Staatsangehörige als "Munitionserwerber" in Frage kommen. Als die Schweizer das verneinten, verfolgte das BKA die Spur nicht weiter und verlor so einen wichtigen Anknüpfungspunkt für die Suche nach dem Zwickauer Neonazi-Trio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe aus den Augen. Die Tatwaffe wurde erst nach dem Auffliegen des Terrortrios im November 2011 entdeckt.

Die Mörder feierten ausgelassen auf Campingplatz

Ein weiteres Detail zur Causa NSU liefert die in Hannover erscheinende Neue Presse. Demnach plante die rechtsextreme Zwickauer Zelle auch in Braunschweig Anschläge. Unter den Asservaten der Ermittler fand sich der Zeitung zufolge auch ein Stadtplan von Braunschweig. Auf einem Kartenausschnitt waren mit blauem Stift Punkte markiert.

Der türkische Generalkonsul Tunca Özcuhadar machte die Kreuze als Adressen von Moscheen, türkischen und iranischen Restaurants sowie Geschäften aus. Er habe nie gewusst, dass es eine solche Karte gab, sagte der Diplomat der Zeitung. Trotz der Zusicherung von Innenministern und Sicherheitsbehörden, alles für Sicherheit und Schutz zu tun, komme es nach wie vor zu Übergriffen, meist von Rechtsextremisten.

Wie das Blatt ebenfalls berichtet, hatten die drei Rechtsterroristen Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos nach dem sechsten Mord ausgelassen auf einem Campingplatz in Gifhorn als Gäste einer Hochzeit mitgefeiert. Durch das Grölen von Naziliedern fielen sie anderen Campern auf. Der Campingplatzbesitzer rief die Polizei zu Hilfe. "Die hat gesagt, ich solle mich nicht so anstellen", sagte er der Zeitung. Nicht einmal die Personalien seien überprüft worden.