NSU-Mord in München vor Gericht Hitzige Wortgefechte

Doch die Fragen der Nebenkläger werden immer drängender. "Sie erwähnten, dass ein Dunkelhäutiger als Tatverdächtiger angesehen wurde, zwei Radfahrer lediglich als Zeugen - wie kam es zu dieser Differenzierung?", will etwa ein Anwalt wissen. Ob die Polizei nicht gewusst hätte, dass auch in Nürnberg Radfahrer am Tatort beobachtet worden waren. Wieso man nur im türkischen Milieu, nicht aber in der rechten Szene ermittelt hatte? Ob der Polizist noch nie von Mölln gehört habe?

Nun wird auch Wilfling ungeduldig. "Das war eine professionelle Hinrichtung", sagt er. Damals hätte man das nicht mit der rechten Szene in Verbindung bringen können, sondern nur mit dem organisierten Verbrechen. Und bei dem ein oder anderen Opfer habe doch eine Verbindung nach Holland geführt. "Jetzt soll man bitte mal nicht so tun, dass es keine türkische Drogenmafia gibt", sagt er schließlich. Wilfling sagt aber auch: "Herr Kılıç war ein kreuzbraver, fleißiger Mensch."

"Jetzt regen Sie sich bitte ab"

Die Wortgefechte werden immer hitziger. Ein Anwalt der Nebenklage wirft Wilfling nun "Halbwahrheiten" vor. "Es ist kein Geheimnis, dass es in Deutschland auch kranke Menschen gibt, die sich als Neonazis bezeichnen", sagt er wütend. Ein wenig bekommt man das Gefühl, mit Wilfling sitze nicht ein Zeuge, sondern ein weiterer Angeklagter in München vor Gericht. Schließlich unterbricht der Vorsitzende Richter den Prozess - "jetzt machen wir mal fünf Minuten Pause, jetzt regen Sie sich bitte ab", sagt Manfred Götzl zum Anwalt der Nebenklage.

Zufrieden scheint nach dieser Befragung nur ein Nebenklagevertreter zu sein. Und das ist ausgerechnet Bernd-Michael Manthey, der die Witwe des Opfers Habil Kılıç vertritt. "Ich bin überzeugt, dass in München alles gemacht worden ist, um diese Radfahrer zu ermitteln", sagt er in der Mittagspause. "Aus heutiger Sicht hätte man natürlich die rechte Szene stärker in die Ermittlungen einbeziehen müssen. Aber damals wusste man das eben nicht."

Die Witwe von Habil Kılıç wirkt traumatisiert, jahrelang war sie in ärztlicher Behandlung. "Ich verstehe das alles nicht. Ich kenne diese Frau nicht", sagt sie am Ende ihrer Aussage und wendet sich erneut zur Anklagebank. Doch Beate Zschäpe starrt noch immer auf ihren Laptop. So als ginge sie der Mord nichts an. Die Ermittler hatten in der Wohnung des NSU einen Zeitungsartikel über die Münchner Tat gefunden. Darauf: ein Fingerabdruck von Zschäpe.