NSU-Ermittlungen Welche Position hatte Zschäpe im Terror-Trio?

Obwohl es weiterhin keine Anhaltspunkte dafür gibt, dass sie unmittelbar an den Verbrechen beteiligt war, will die Anklagebehörde Zschäpe auch wegen der zehn Morde und wegen der 14 Banküberfälle der Bande anklagen. Die Ermittler des BKA beschäftigen sich in ihrem Vermerk intensiv mit der angeblichen Position von Zschäpe in der terroristischen Vereinigung.

Bei der Auswertung von Assservaten aus der Wohnung wurden zwei Zeitungsausschnitte mit ihren Fingerabdrücken gefunden. Die ausgeschnittenen Artikel bezogen sich auf einen Sprengstoffanschlag in Köln sowie auf die Ermordung eines Migranten in München und gehörten offenbar zu einer Art Archiv. Solche Artikel hatten Verwendung in einem Bekenner-Video gefunden, das Zschäpe nach dem Tod von Mundlos und Böhnhardt an 15 Adressen verschickt hatte.

In dem Antrag an den BGH weist die Bundesanwaltschaft auch darauf hin, dass die Auswertung der Asservate immer noch andauere. So seien durch die Kriminaltechnik des BKA Ende Juli Blutanhaftungen der von den Terroristen 2007 in Heilbronn ermordeten Polizistin Michele Kiesewetter an einer im Brandschutt in Zwickau gefundenen Jogginghose entdeckt worden. Zwei Taschentüchter in dieser Hose hätten durch eine molekulargenetische Untersuchung Mundlos zugeordnet werden können. Solche Erkenntnisse seien "in der Zusammenschau mit anderen Ermittlungsergebnissen" angeblich auch für die Beurteilung der Tatbeiträge Zschäpes von Bedeutung, meint die Karlsruher Behörde.

Verteidigerteam wird verstärkt

Zschäpe hat sich bislang zu all den Vorwürfen noch nicht geäußert. Sie schweigt. Ihr Verteidigerteam ist offenbar mit Blick auf den bevorstehenden Prozess, der mit ziemlicher Sicherheit in München stattfinden wird, größer geworden. Neben den beiden Anwälten Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl wird sie jetzt auch von der Berliner Anwältin Anja Sturm juristisch beraten. Die Bestellung von Sturm erfolgte augenscheinlich in Absprache mit Heer und Stahl.

Sturm hatte in München im Prozess um die so genannte "Russen-Mafia" oder auch im so genannten "Islamisten-Prozess" verteidigt. In Regensburg verteidigte sie in dem Verfahren um den "Mord ohne Leiche". Die 1970 in den USA geborene Anwältin soll, wie aus Kölner Justizkreisen zu erfahren ist, Zschäpe bereits in der Haft besucht haben.