NS-Zug in Polen Licht in den Stollen

Nazi-Funde sind heikle Relikte. Polen muss aufklären.

Von Florian Hassel

Sollte in Polen tatsächlich ein NS-Panzerzug gefunden worden sein und gar wertvoller Inhalt ans Licht kommen, muss zumindest die Geschichte der Weltkriegsstollen unter Schlesien neu geschrieben werden. Die ungeschickte Art, mit der Warschau informiert, lässt allerdings auch an eine Spätsommer-Ente denken. Drei Tage ist es her, dass der Vize-Kulturminister die Existenz des angeblichen Zuges bestätigte. Den einzigen Beweis aber, eine angebliche Georadar-Aufnahme, blieb der Minister schuldig - ein angesichts der vermeintlichen Sensation unkluges Vorgehen. Tags darauf fügte der Vizeminister gar hinzu, er wisse schon seit März von dem Zug.

Sollte zutreffen, dass die polnische Regierung seit Monaten Kenntnis von einem Objekt hat, das mutmaßlich Nazi-Raubgut aus der Kriegszeit enthalten kann, wäre es logisch, ja unverzichtbar gewesen, etwa andere Länder zu informieren und den erwartbaren Ansturm von seriösen Historikern und vor allem unseriösen Händlern oder Mysterien-Rittern besser vorzubereiten. Beides scheint Warschau unterlassen zu haben.

Diese Nachlässigkeit wäre verheerend angesichts der politischen Sprengkraft, die ein solcher Fund hätte. Die Alternative ist ebenfalls nicht erfreulich: Dass der Panzerzug nicht existiert und Polens oberster Denkmalschützer einem Schwindel aufgesessen ist. Verbreitet mithilfe der Regierung.