Der NRW-Wahlkampf ist in der heißen Phase angelangt - im Internet ist er höchstens lauwarm. Die Auftritte der Parteien im Social Web wirken wie ein Alibi.
Das Urteil ist eindeutig. "Gruselig, peinlich, krampfhaft", finden es die einen, die anderen fühlen sich an einen "Affenzirkus" erinnert. Wieder andere möchten vor "Scham im Boden versinken". Die Kommentare zu dem CDU-Wahlkampflied "NRW in guten Händen" füllen bei Youtube sieben Seiten.
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Jürgen Rüttgers und Hannelore Kraft lassen auf Facebook für sich schreiben: Beim Internetwahlkampf folgen die Parteien alten Regeln. (© Foto: dpa)
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Knapp 34.000 Menschen haben sich das Video - eine Hymne auf das Bundesland Nordrhein-Westfalen und den CDU-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers - bereits angesehen. Im sozialen Netzwerk Facebook taucht der Clip auf etlichen Pinnwänden auf - und wird ähnlich schlecht bewertet: "Ich geh mal kurz brechen", ist noch einer der freundlicheren Kommentare.
Die Union ist Kummer gewöhnt, was ihren Internet-Wahlkampf angeht. Vor der Bundestagswahl 2009 wurde bei Facebook, Twitter und in Blogs kübelweise Spott über die Online-Wahlwerbung der Partei und einzelner Politiker ausgeschüttet. Der sprechende Hund des CSU-Abgeordneten Hartmut Koschyk und das "JU-Lied" der Berliner Jungen Union ("Die Junge Un-jo-hon / Ist unsere Miss-jo-hon") waren im Netz tagelang Gesprächsthema.
Kein Online-Frühling in Sicht
Diesmal ist alles anders. Vor der Landtagswahl in NRW am 9. Mai halten sich die Parteien im Netz auffällig zurück. Der geschmähte Wahlkampfsong der CDU ist eine Ausnahme. Ansonsten gilt: "Die Kampagnen sind sehr viel gebremster. Die Online-Party ist vorbei, niemand stürzt sich mehr kopfüber ins Web." Zu diesem Urteil kommt der Wissenschaftler Christoph Bieber, der zum Thema an der Uni Gießen forscht.
Sein Urteil ist nur auf den ersten Blick positiv: Bieber vermisst - wie viele andere Blogger und Experten - weiterhin das Verständnis der Wahlkämpfer dafür, wie das Internet funktioniert. In seinem Blog hat er nach der Bundestagswahl 2009 kritisiert, Deutschland befinde sich im "Offline-Herbst". Heute sagt er, ein Online-Frühling sei nicht in Sicht.
"Die Parteien spielen weiter nach alten Regeln", klagt Bieber. Das bedeute: Web-Auftritte würden ähnlich behandelt wie Plakatwände am Straßenrand. "Es gibt kaum Möglichkeiten für Feedback und Beteiligung." Dabei sei NRW ein Bundesland, in dem die Parteien im Internet punkten könnten: "Hier gibt es viele Menschen, die online aktiv sind. Und viele Jugendliche, die man ansprechen könnte."
Man muss nicht lange suchen, um Argumente für Biebers These zu finden. Ein Blick in die Facebook-Profile der Spitzenkandidaten genügt.
Dort schreibt Jürgen Rüttgers in einer Statusmeldung: "Zuhör-Tour mit Jürgen Rüttgers - 3 Tage vor der Wahl stellt sich der CDU-Landesvorsitzende Ministerpräsident Jürgen Rüttgers ihren Fragen!" Einen Tag später schreibt Rüttgers: "Zuhör-Tour mit Jürgen Rüttgers - 2 Tage vor der Wahl stellt sich der CDU-Landesvorsitzende Ministerpräsident Jürgen Rüttgers ihren Fragen!"
Dass Menschen von sich in der dritten Person sprechen, war bislang nur von Cäsar und Napoleon bekannt. Bei Facebook-Usern ist es eher unüblich. Die Leitfrage des sozialen Netzwerks lautet: "Was machst du gerade?" Und nicht: "Was macht er gerade?"
Auch die SPD lässt zweifelsfrei erkennen, dass Spitzenkandidatin Hannelore Kraft bei Facebook schreiben lässt, statt persönlich aktiv zu werden. Ihre Statusmeldungen sehen üblicherweise so aus: "Lerne Hannelore Kraft persönlich kennen! Morgen in Herne (Wanne-Eickel)." Lediglich nach dem TV-Duell wandte sich Kraft mit einer Ich-Botschaft an ihre Anhänger.
Beim Kurznachrichtendienst Twitter fällt das Ergebnis ähnlich aus: "Unterwegs mit Rüttgers im Wahlkampfbus nach Remscheid. Dort findet gleich 'ein Nachmittag mit Angelika & Jürgen Rüttgers statt'", schreibt die CDU unter den Namen "@NRWRuettgers". Das Interesse der übrigen Twitter-Gemeinde ist mäßig: 244 Menschen "folgen" dem Wahlkampf-Gezwitscher der Union. Die SPD (@nrwspd) gibt sich mehr Mühe: Twitter-Interviews mit dem hessischen SPD-Vorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel und der Kölner Landtagskandidatin Lisa Steinmann interessieren etwa 1500 Follower.
Werden die Wahlkämpfer der beiden großen Parteien auf ihr Engagement angesprochen, verweisen sie hinter vorgehaltener Hand gerne auf die zweifelhafte Wirkung, die der Wahlkampf im Internet hat. Eine aktuelle Studie der Universität Hohenheim gibt ihnen recht: Demnach informiert sich nur ein Drittel der Bevölkerung im Netz.
Die wichtigste Informationsquelle für Wähler sei in Deutschland noch immer das Fernsehen, gefolgt von der Zeitung. Das Internet rangiert auf dem dritten Platz, dicht gefolgt vom Radio. Unter den Web-Medien nehmen Portalseiten und die Internet-Angebote klassischer Medien den größten Stellenwert ein. Foren, Blogs und soziale Netzwerke wie Facebook folgen auf den hinteren Plätzen.
Der Leiter der Studie, Kommunikationswissenschaftler Thorsten Quandt, warnt allerdings davor, das Internet als Wahlkampf-Medium abzuschreiben: Die vergleichsweise hohe Zahl junger Online-User lasse darauf schließen, dass die Bedeutung des Internets in Zukunft steige.
Sein Forscherkollege Christoph Bieber von der Uni Gießen will zudem einen "blinden Fleck" der Studie erkannt haben: "Die Wirkung des Web-Wahlkampfes in die Partei hinein wird ausgeblendet", sagt er. Facebook, Twitter und Co. könnten helfen, die eigene Mannschaft bei Laune zu halten - nach dem Motto: Wer mitbekommt, dass er nicht alleine um Wähler wirbt, der wirbt umso motivierter.
Bieber fordert die Parteien deshalb auf, persönlichere Botschaften ihrer Politiker und Wahlkämpfer zuzulassen: "Bisher muss jede Botschaft durch mehrere Gremien hindurch", kritisiert der Wissenschaftler. "Es ist ja nicht so, dass die Leute nicht wüssten, wie es geht."
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(sueddeutsche.de/liv)
New Yorker Bürgermeister will Soft-Drinks verbieten
... dennoch, ohne dass wir uns als Volk zeigen, wird sich wohl nichts an diesem Lobbyistenspielchen ändern.
Wie lange wollen wir noch zuschauen?
www.zds-dzfmr.de
Das Internet ist heute für die Piratenpartei das, was in den 80ern die diversen Großdemos für die Grünen waren: das ideale Rekrutierunsumfeld.
Hätte die CDU die tolle Idee gehabt, sagen wir mal bei einer Anti-Pershing-II-Demo einen Wahlkampfstand aufzubauen, wäre "Hohn und Spott" sicher das mindeste gewesen, womit sie konfrontiert worden wären.Ganz egal, was sie auf ihre Plakate schreiben.
Allerdings ist das Internet heute viel, viel wichtiger für die politische Information als es die Demos jemals waren. Deswegen MÜSSEN die großen Parteien dort präsent sein - egal wieviel Spott es gibt.
Aber um dabei ernst genommen zu werden, reicht es nicht, ein Facebook-Profil zu haben: Sie müssen ihre Politik ändern, und nicht gleichzeitig versuchen, die Netzgemeinde anzusprechen, während sie anderswo Zensurinstrumente für's Internet einführen wollen.
Ach ja, die SPD kann sich heute - nach Politikwechseln - immerhin ohne Gefahr für Leib und Leben auf einer Anti-Atomkraft-Demo sehen lassen. Das war nicht immer so.
Wenn die CDU also irgendwann einmal im Internet "ernst genommen" werden möchte ... nun, man kann sich denken, was zu tun wäre.
Bis dahin bleibe ich lieber bei der Piratenpartei.
40% - x = Schwarz + Geld und 4,9% -y = Geld wobei x ruhig viel größer als y sein darf ;o) Arbeit muss belohnt werden.