Die Sozialdemokraten wollen die Linke am liebsten totschweigen. Wie sehr die Lafontaine-Partei die SPD beschäftigt, zeigt ein Freud'scher Versprecher von Sigmar Gabriel.
Gerade war der SPD-Vorsitzende richtig schön in Fahrt gekommen mit seiner Wahlkampfrede in Berlin, als ihm ein kleiner, wenngleich bezeichnender Versprecher unterlief. Rot-Grün habe die besten Chancen, Schwarz-Grün in Nordrhein-Westfalen in knapp drei Wochen abzulösen, sagt Sigmar Gabriel.
Gemeinsam gegen Jürgen Rüttgers: Sozialdemokraten Sigmar Gabriel und Hannelore Kraft mit Sylvia Löhrmann, der Grünen-Spitzenkandidatin für die Wahl an Rhein und Ruhr (© Foto: Reuters)
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Rot-Grün sei in Umfragen die Lieblingskoalition der Wähler, es gebe ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Union und FDP, wenn nur genügend Leute am 9. Mai zur Abstimmung gingen, könne "Rot-Rot-Grün" eine Mehrheit bekommen, sagte Gabriel.
Wie bitte? Also doch mit den Linken?
Raunen im Saal der Bundespressekonferenz in Berlin, und ein irritierter Gabriel fragte, was denn los sei. Dass er gerade jenes Bündnis proklamiert habe, vor dem Christdemokraten und Liberale tagtäglich warnen, bedeutete man ihm. "Ach, da saß mir die Angst im Nacken", entgegnet der Mann aus Goslar und macht auf seine Weise klar, was er persönlich von einer Zusammenarbeit mit der Ex-PDS an Rhein und Ruhr hält - gar nichts nämlich.
Über die Linkspartei hätten der SPD-Chef und die vier anderen Rot-Grün-Protagonisten auf dem Podium am liebsten gar kein Wort verloren.
Über andere Koalitionskonstellationen wollte ebenfalls keiner reden, und auch rot-grüne Differenzen wie etwa die Kohlepolitik wurden umschifft.
Fünf, die das schwarz-gelbe Treiben beeenden wollen
SPD-Chef Gabriel sowie seine grünen Kollegen Claudia Roth und Cem Özdemir waren mit den beiden Spitzenkandidatinnen Hannelore Kraft und Sylvia Löhrmann in den gläsernen Saal gekommen, um von dort aus dem Land mitzuteilen, dass man gemeinsam dem schwarz-gelben Treiben ein Ende bereiten werde - erst in NRW - und später auch einmal im Bund.
Deshalb durfte jeder erzählen, wie viel man gemeinsam habe, in der Bildungs-, Steuer-, Gesundheits- und Atompolitik, und wie sehr Union und FDP das Land an Rhein und Ruhr in den vergangenen Jahren heruntergewirtschaftet hätten.
Der eine oder andere der zwischenzeitlich etwas ermüdeten Zuhörer überlegte, was diese fünf am Abend des 9. Mai sagen, wenn es nicht geklappt haben sollte, weder mit Rot-Grün noch mit Schwarz-Gelb, wenn also die SPD in eine große Koalition zieht, die Grünen vielleicht doch über ein Bündnis mit den Christdemokraten nachdenken müssen oder beide gemeinsam über eine Ampel mit der FDP nachdenken.
Über die Ampel wurde, wie gesagt, nicht weiter geredet, allein die für temperamentvolle Gestik und Mimik bekannte Claudia Roth ließ sich bei diesem Stichwort mit dem schmerzerfüllten Ausruf "Ohhhhh" auf das Pult sinken, so als sei sie von Leibschmerzen befallen.
Witzeln über Schröders Sprüche
Viel lieber witzelte das Quintett miteinander, auch über die Zeiten, in denen der damalige Kanzler Gerhard Schröder das Verhältnis der damaligen Koalitionäre als das von Chef und Untergebenem ("Koch und Kellner") beschrieb.
"Wir wollen doch kein Restaurant aufmachen", meinte Gabriel.
Und die Grünen machten auf die ihnen inzwischen eigene selbstbewusste Art deutlich, dass das Projekt Düsseldorf für sie kein Projekt Deutschland ist. "Es gibt kein Revival", sagte Roth. Ihr Kollege Özdemir ergänzte, ob und welche Koalitionen man anderswo eingehe, hänge von den jeweiligen Sozialdemokraten vor Ort ab.
Und wie Löhrmann forderten sie auch SPD-Wähler unverhohlen auf, mit der Zweitstimme Grün zu wählen. Erstmals nämlich wird in Nordrhein-Westfalen diesmal mit Erst- und Zweitstimme gewählt. Wer seine Erststimme für den Direktkandidaten von der SPD abgegeben hat, könnte dann mit der Zweitstimme die Liste der Grünen befördern.
Gabriel und Kraft widersprachen nicht. Der SPD-Vorsitzende machte aber klar, dass er sich sehr wohl ein neues gemeinsames Projekt vorstellen könnte. Er erklärte die Grünen kurzerhand zu einer neuen, besseren FDP. Er, Gabriel, wolle "sozial-liberale Politik" in Deutschland, die mit der Westerwelle-FDP aber nicht zu machen sei. "Die Grünen sind für mich die neue, liberale Partei", sagte er.
Für die Grünen aber, die an die letzte rot-grüne Landesregierung in NRW - damals noch unter Wolfgang Clement - eher mit gemischten Gefühlen zurückdenken, ist der Auftritt nur eine weitere Schmeichel-Kampagne. Denn als Koalitionspartner kommen sie einstweilen sowohl für Union als auch für die SPD infrage; selbst der Unions-Mann Jürgen Rüttgers begegnet ihnen derzeit vergleichsweise freundlich.
Rot-Grün trifft schon am Samstag wieder zusammen; Gabriel und Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin reihen sich zusammen in eine Anti-Atom-Menschenkette ein. Danach allerdings, so heißt es in der Grünen-Spitze, sei es mit den gemeinsamen Auftritten erst mal gut.
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(SZ vom 20. 04. 2010/odg)
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Die Unterschiede zwischen rechts- und linksextremen Denken sind gar nicht so groß wie das Beispiel des PDS-Politikers Gregor Janik zeigt: Er gehörte zum Führungszirkel der NPD, unterstützte die inzwischen verbotene Neon.azi-Truppe "Skinheads Sächsische Schweiz" - dann wechselte Gregor Janik zur damaligen PDS.
als Symptom eines klassischen Neurotizismus der SPD -Riege...???einfach ausgedrückt...ja,schon...aber.....und der Nachteil jeder Neurose - der Betroffene erkennt sie selbst nicht.....wie sagte der alte Freud dazu...es ist ein sinnwidriges Verhalten......
Man macht schon wieder in der SPD den Fehler, die Linken ausschließen zu wollen.(Ypsilanti lässt grüßen) Alles riecht also nach einer großen Koalition. Die Parteien sollten , bevor "Bündnisse " verbreitet werden, erst einmal das Wahlergebnis abwarten, das währe richtiger.
Der Wählerwille kann dann immer noch dem Machterhalt untergeordnet werden.
Sie sagen "Ich möchte ebenso wenig alles auf wenige Formeln und Phrasen herunterdreschen, die immer nur auf Verrat, Lüge und Untergang fixiert sind und denke, ein Land wird ruiniert, wenn Menschen in eine Art von Fundamentalkritik und politischer Depression verfallen."
Wie wahr! Aber, unterschätzen Sie nicht die Attraktivität dieser Haltung, denn
1. ist sie bequem und man ist "moralisch" immer auf der richtigen Seite.
2. ist sie gemütlich und sie ist nicht, ähnlich wie Bildungserwerb und Urteilsfähigkeit, mit Arbeit und Aufwand verbunden.
3. sie befreit von jedweder Eigenverantwortung geschweige Verantwortung als Bürger.
Ich stimme Ihnen ja weitgehend zu, aber eines moechte ich doch noch dazu sagen:
wir sind nicht unbeteiligte Zuschauer, die irgendwelche Kandidaten bewerten, nicht (nur) der unterlegene Kandidat verliert, sondern im Zweifelsfall WIR.
Von der Seite aus denke ich, man sollte ihr nicht eine Niederlage wuenschen, denn die Alternative kaeme uns wahrscheinlich teurer!
Paging