NRW-Wahl im SZ-Liveblog Rot-Grün regiert in Düsseldorf

Norbert Röttgen führt die NRW-CDU in ihre größte Niederlage und tritt als Landeschef zurück. Die SPD gewinnt die Neuwahl und kann komfortabel mit den Grünen eine Koalition bilden. FDP und Piraten schaffen den Sprung in den Landtag, die Linke fliegt raus.

Der NRW-Wahlabend in der Ticker-Nachlese. Von Michael König aus Düsseldorf, Thorsten Denkler aus Berlin, Bastian Brinkmann und Oliver Das Gupta

SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft regiert mit den Grünen künftig an Rhein und Ruhr. Die Minderheitsregierung ist Vergangenheit, den Hochrechnungen zufolge kommt Rot-Grün auf eine komfortable Mehrheit im Düsseldorfer Landtag. Die CDU dagegen fährt das schlechteste Ergebnis aller Zeiten in Nordrhein-Westfalen ein. Bundesumweltminister Norbert Röttgen zog die Konsequenzen und trat als Landeschef der CDU zurück.

[] Es reicht für Rot-Grün. Die alte und neue Ministerpräsidentin heißt Hannelore Kraft (SPD). Die Sozialdemokraten kommen dem vorläufigen amtlichen Endergebnis zufolge auf 39,1 Prozent, die Grünen stehen bei 11,3 Prozent. Das reicht für eine komfortable Mehrheit im Landtag in Düsseldorf: Die SPD hat hier künftig 99 Sitze, die Grünen 29.

[] Die CDU erlebt eine schwere Niederlage. Sie erreicht 26,3 Prozent und damit ein historisches Tief in Nordrhein-Westfalen. Landesparteichef Norbert Röttgen zieht die Konsequenzen und tritt von seinem Posten zurück. Die CDU stellt 67 Abgeordnete.

[] Die zuletzt um ihre Existenz fürchtende FDP mit Frontmann Christian Lindner feiert. Das vorläufige Ergebnis sieht sie bei 8,6 Prozent, damit bleibt sie im Landtag. Die Fraktion ist 22 Sitze stark. Der Erfolg gegen den Bundestrend dürfte die Diskussion um FDP-Chef Philipp Rösler antreiben.

[] Die Piraten ziehen auch in den Landtag in NRW ein, das ist der vierte Eintritt in ein Landesparlament in Folge. Sie erreichen einen Wert von 7,8 Prozent, 20 neue Abgeordnete ziehen ins Düsseldorfer Parlament ein.

[] Die Linke fliegt aus dem Landtag. Für sie stimmten nur 2,3 Prozent der Wähler. Die Pleite dürfte die Führungsdebatte bei den Sozialisten abermals anheizen.

[] Wer gewinnt welchen Wahlkreis? Die Übersicht über die Direktmandate finden Sie hier.

Der Wahlabend in Nordrhein-Westfalen in der Ticker-Nachlese - von Michael König (er twittert unter @michikoenig) aus Düsseldorf, Thorsten Denkler (@thodenk) aus Berlin sowie Bastian Brinkmann (@basbrinkmann) und Oliver Das Gupta (@oliverdasgupta).

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16:57 Uhr Willkommen zur Schicksalswahl

(Foto: dapd)

Herzlichen Willkommen zum SZ-Liveblog zur NRW-Wahl. Keine Wahl wie jede andere: Wenn das bevölkerungsreichste Bundesland einen neuen Landtag bestimmt, hat das Strahlkraft weit über den Westen Deutschlands hinaus.

2005 rief Bundeskanzler Gerhard Schröder nach Neuwahlen, nachdem seine SPD in Düsseldorf krachend verloren hatte. Diesmal hoffen die in Umfragen führenden Sozialdemokraten darauf, mit einem Sieg in NRW das Ende von Schwarz-Gelb im Bund einläuten zu können.

17:03 Uhr Letzte Umfragen sehen Rot-Grün vorne - und die Linke draußen

Die letzten Umfragen vor der Wahl machen SPD und Grünen Hoffnung, ihre Koalition fortführen zu können. Gemeinsam kommen sie auf bis zu 49 Prozent. Der CDU werden 29 bis 33 Prozent vorhergesagt, die FDP könnte bis zu sechs Prozent einfahren. Damit hätte der liberale Spitzenkandidat und neue Landeschef Christian Lindner eine Trendwende geschafft: Als Mitte März der Landtag aufgelöst wurde, nachdem die rot-grüne Minderheitsregierung mit ihrem Finanzplan für 2012 an der Opposition gescheitert war, wurde die FDP noch auf zwei bis drei Prozent taxiert.

Ein bitterer Abend könnte es für die Linke werden, die mit vorhergesagten vier Prozent den Wiedereinzug in den Landtag verpassen könnte. Die Piraten können sich derweil für die Party rüsten: ihnen werden bis zu neun Prozent prognostiziert.

17:04 Uhr Duell zweier unterschiedlicher Typen

(Foto: dpa)

Der Wahlkampf war geprägt vom Duell Hannelore Kraft gegen Norbert Röttgen, zweier unterschiedlicher Typen. Die SPD-Amtsinhaberin betonte ihre Rolle als treusorgende Landesmutter. Als eine Art weiblicher Johannes Rau gab sie auf den Straßen des Landes die Frau für alle Fälle. Rau hatte damals mit dem Motto "Wir in NRW" geworben, Kraft ließ "NRW im Herzen" auf ihre Plakate schreiben.

Das war als Seitenhieb auf ihren CDU-Herausforderer Norbert Röttgen gedacht, der sich zum Ärger vieler Unionisten nicht bereit erklärte, auch im Falle einer Wahlniederlage nach Düsseldorf zu kommen. Es war der erste von einigen Fehlentscheidungen des Bundesumweltministers, der im Wahlkampf oft zu hören bekam, er sei ein brillianter Analytiker, könne die Menschen jedoch nicht für sich gewinnen.

Schon 2010 hatte die CDU mit 34,6 Prozent ein schwaches Ergebnis eingefahren, war aber knapp stärkste Partei geworden. Jetzt liegt die Union in Umfragen zum Teil bei weniger als 30 Prozent und damit klar hinter der SPD. Sollten sich dieser Werte bewahrheiten, dürfte Röttgen eine Debatte darüber ins Haus stehen, ob er als NRW-Landeschef noch geeignet ist.

17:08 Uhr In der Pokalsieger-Stadt melden sich 80 Wahlhelfer spontan krank

Düsseldorf: Die Menschen in der Landeshauptstadt genießen die Sonne. Vor dem Landtag spielen Väter mit ihren Söhnen Fußball, einige Dortmund-Fans tragen die Trikots des Fußballmeisters und -pokalsiegers am Rhein spazieren. Einige schlafen wohl noch: In Dortmund meldeten sich 80 Wahlhelfer spontan krank.

In den Hinterzimmern der Politik wird die Lage weniger entspannt sein. Die Kandidaten rüsten sich für ihre Auftritte am Abend. SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wird um 18.30 Uhr zuerst zu den Genossen sprechen, ehe sie in die TV-Studios im Landtag erscheint, heißt es. Auch Norbert Röttgen wird sich zuerst den Parteifreunden stellen.

17:14 Uhr Blick in den Abgrund

Die Union blickt in Düsseldorf einen Abgrund. Das Nachbarhaus der CDU-Geschäftsstelle an der Wasserstraße wurde abgerissen, dort klafft nun eine Baugrube. Die Wahlparty ist wegen der Arbeiten etwas kleiner dimensioniert als vor zwei Jahren. Damals erklärte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers seinen Parteifreunden an dieser Stelle, weshalb er trotz eines empfindlichen Stimmverlustes nicht abtreten wollte. Erst Wochen später gab Rüttgers den Weg frei.

Norbert Röttgen wird hoffen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Für den Spitzenkandidaten ist eine kleine Bühne in einem Zelt im Garten aufgebaut worden. Noch herrscht hier Leere, von Wechselstimmung keine Spur. Noch wird das üppige Büffet zubereitet, das Service-Personal wartet auf seinen Einsatz. Die gastronomischen Voraussetzungen sind erfüllt - für eine Party, aber auch für die Frustbekämpfung im Falle einer Niederlage.

17:18 Uhr Es ist Wahl - und wenige gehen hin

(Foto: dpa)

Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen wird wohl von den Stimmberechtigten heuer ähnlich schwach beachtet wie 2010. Zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale hatten nach Angaben der Landeswahlleiterin Helga Bock nur 52,5 Prozent aller Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben - vor zwei Jahren waren es fast genauso viele. Vor zwei Jahren lag die Wahlbeteiligung am Ende bei nur 59,3 Prozent.

17:26 Uhr Vorahnung auf Berliner CDU-Wahlparty

CDU-Zentrale, Berlin: In den letzten Umfragen steht die CDU bei 30 Prozent. Gemessen am Zulauf im Konrad-Adenauer-Haus scheinen nur wenige die Hoffnung zu haben, dass die Wahl an Rhein und Ruhr besser ausgehen könnte. Ein grauhaariger Christdemokrat weiß jetzt schon, wer die Verantwortung zu tragen hat, wenn es vielleicht sogar noch schlimmer wird als gedacht: Norbert Röttgen.

17:30 Uhr SZ-Interviews mit allen Spitzenkandidaten - nur einer wollte nicht

Eine halbe Stunde noch bis zur ersten Prognose. Zeit, noch einen Blick auf die Interviews zu werfen, die SZ.de mit den SpitzenkandidatInnen der Landtagsparteien geführt hat. Hier sind die Links zu den Gesprächen mit Hannelore Kraft (SPD), Sylvia Löhrmann (Grüne), Christian Lindner (FDP) sowie Katharina Schwabedissen (Die Linke). Ein Interview mit CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen kam nicht zustande: Eine entsprechende Anfrage wurde nach vier Wochen negativ beantwortet.

17:36 Uhr Klopp, der BVB und Schwarz-Gelb

(Foto: dpa)

CDU-Zentrale, Berlin: Double-Macher Jürgen Klopp sagte gestern im ZDF-Sportstudio auf die Frage, was am Sonntag so abgehen werde: "Erstmal gehen wir wählen." Wenn sich die Umfragen als richtig erweisen, steht eines fest: Schwarz-Gelb haben die Borussen wohl nicht gewählt.

17:40 Uhr ZDF zeigt Best-of-Röttgen aus der "heute show"

CDU-Zentrale, Berlin: Das ZDF zeigt keine 20 Minuten vor der ersten Hochrechnung Best-of-Röttgen aus der heute show. Lachen will hier gerade keiner.

17:45 Uhr Stimmabgabe mit Familie

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gab ihre Stimme am Vormittag in Mülheim an der Ruhr ab - zusammen mit Ehemann und Sohn. Sie unterstrich dabei die bundespolitische Bedeutung der Wahl. "Wenn es für uns gut ausgeht, für Rot-Grün, dann wäre das ein wichtiges Signal auch in Richtung Bundestagswahl", sagt die Sozialdemokratin. Ihr CDU-Herausforderer Röttgen erschien mit seiner Frau zur Stimmabgabe in Königswinter: "Wir haben Wahlkampf gemacht", so der Umweltminister, "jetzt entscheiden die Bürgerinnen und Bürger". In 15 Minuten werden wir wissen, wie sie sich entschieden haben.

17:51 Uhr Ein Essen, das der Wunschkoalition ähnelt

CDU-Zentrale, Berlin: Schwer, das zuzugeben. Aber in der Tat ist hier der Pokalgewinn des BVB das größere Thema an den Stehtischen als die drohende Niederlage der CDU. Bei Spargelcremesuppe und Bouletten (sic!) gibt es zumindest farblich eine Annäherung an schwarz-gelb.

17:53 Uhr Warum NRW vorzeitig wählen muss

Zur Erinnerung: Der Landtag hatte sich im März nach nur zwei Jahren aufgelöst, weil die rot-grüne Minderheitsregierung ihren Haushalt für 2012 nicht durch das Parlament bringen konnte. Wegen der gut 13,2 Millionen Wahlberechtigten gilt die Wahl in NRW auch als "kleine Bundestagswahl".

17:56 Uhr Röttgen tritt um 18.10 Uhr vor die Presse

Düsseldorfer CDU-Zentrale: Aufregung bei den Fotografen: Norbert Röttgen und Karl-Josef Laumann, Fraktionschef der CDU im Landtag, sind am Fenster des zweiten Stocks der Geschäftsstelle zu sehen. Beide ordnen ihre Jacketts. Ist ein gemeinsamer Auftritt der beiden Politiker geplant? Für 18:10 Uhr ist ein Statement vor der Presse angekündigt. Wer genau sich erklärt, ist bislang unklar.

18:00 Uhr Rot-Grün triumphiert, Debakel für Röttgens CDU

Hannelore Kraft bleibt Ministerpräsidentin - und Norbert Röttgen führt die NRW-CDU in ihre größte Niederlage: Die SPD gewinnt die Neuwahl in Nordrhein-Westfalen und kann mit den Grünen eine Koalition bilden. Die Christdemokraten unterbieten ihr Ergebnis von 2010 noch einmal und erreichen nach ersten Hochrechnungen nur 25 Prozent. Die FDP und die Piraten schaffen den Sprung in den Landtag, die Linke fliegt raus.

18:01 Uhr Erste ZDF-Prognose

In der ersten Wahlprognose des ZDF erhielt die SPD 38,0 Prozent, die CDU 25,5 Prozent, die Grünen 12,0 Prozent, die FDP 8,5 Prozent, die Linken 3,0 Prozent, die Piraten 8,0 Prozent.

18:02 Uhr Erste ARD-Prognose

In der ersten Wahlprognose der ARD erhielt die SPD 39,0 Prozent, die CDU 26 Prozent, die Grünen 12 Prozent, die FDP 8,5 Prozent, die Linken 2,5 Prozent, die Piraten 7,5 Prozent.

18:05 Uhr Jubel bei der SPD, Jubel bei der FDP

(Foto: REUTERS)

Auf den Wahlpartys von SPD und FDP ein ähnliches Bild: Menschen reißen die Arme hoch, sie brüllen und umarmen sich. Die "Herzkammer" der deutschen Sozialdemokratie pumpt wieder. Die Genossen sprechen vom "Kraft"-Effekt. Und die Liberalen vom "Lindner"-Effekt. Denn die totgesagte FDP sieht an diesem Abend wieder ziemlich lebendig aus. Zumindest im Westen Deutschlands.

18:06 Uhr Hintze: Röttgen wird Konsequenzen ziehen

Bei der ARD sagt der ehemalige CDU-Generalsekretär Peter Hintze: Das sei das "bitterste Ergebnis" seiner Landespartei. Dann hebt er an, zu erklären, warum die Partei in NRW abgeschmiert ist. Moderator Frank Plasberg unterbricht ihn: "Sie kommen mit der Begründung, bevor ich die Frage gestellt habe." Hintze kündigt an, dass Spitzenkandidat Röttgen "die Konsequenzen ziehen wird".

18:08 Uhr "... als wenn ich die Gans wäre"

CDU-Zentrale, Berlin: Parlamentsgeschäftsführer Peter Altmaier steht schon bereit, ein erstes Statement zur Wahl abzugeben. Einer Kollegin sagt er: "Sie schauen mich an, wie ein Gans vor Weihnachten. Also, als wenn ich die Gans wäre."

Dann kommt die erste Prognose: Einmal "Uuuuh!" Und zweimal zaghafter Applaus als die Prognose für FDP und Linke bekanntgegeben wird.

Jetzt spricht Röttgen in Düsseldorf.

18:09 Uhr "Nicht der Tag für Schuldzuschreibungen"

CDU-Zentrale, Berlin: Wie erklärt Bundes-CDU das Drama? Die Sprachregelung: Das ist nicht der Tag für Schuldzuschreibungen, sagt Peter Altmaier, der parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Franktion im Bundestag. Allerdings geht das Gerücht, dass Röttgen gleich den Landesvorsitz hinwirft. Mal sehen.

18:13 Uhr Stimmen von Grünen, SPD und der FDP

Sylvia Löhrmann wurde mit Applaus begrüßt. "Oh, wie ist das schön, sowas hat man lange nicht gesehen", sangen die Grünen-Anhänger. Löhrmann gratulierte Hannelore Kraft und der SPD. "Wir können jetzt fünf Jahre regieren", sagt Löhrmann.

Andrea Nahles sieht in der "krachenden Niederlage" für die CDU Auswirkungen für den Bundestrend. "Das wird uns bestärken in Berlin", sagt die SPD-Generalsekretärin.

Der FDP-Bundesminister Daniel Bahr reklamiert den Erfolg der Liberalen als Sieg für die Bundes-FDP.

18:17 Uhr Röttgen wirft hin, Gröhe bekundet Respekt

(Foto: dpa)

In der CDU-Geschäftsstelle gibt es kaum eine Reaktion, als die erste Hochrechnung eingeblendet wird. Die wenigen Parteimitglieder, die in die Wasserstraße gekommen sind, halten sich an ihren Tellern fest. Manch einer orientiert sich direkt in den ersten Stock, wo ein Statement des Landesvorstands erwartet wird.

Tatsächlich tritt um 18:09 Uhr Norbert Röttgen samt der kompletten Führungsmannschaft vor die Presse. Die Augen des Spitzenkandidaten sind gerötet, die Stimme ist belegt. Es gebe nichts zu beschönigen, sagt Röttgen: "Die Niederlage ist eindeutig, umfassend und klar." Er wolle betonen, "dass dies meine Niederlage ist. Es war mein Wahlkampf, meine Themen, meine Überzeugung, für die wir gekämpft haben." Er übernehme deshalb die "uneingeschränkte Verantwortung". Das führe "zwingend dazu, dass ich die Verantwortung abgebe, in andere Hände". Er werde vorschlagen, dass auf einem Landesparteitag ein neuer Vorsitzender gewählt wird.

In Berlin sagt CDU-Generalsekretär Gröhe, dies sei "eine Niederlage von uns allen, die schmerzt, die weh tut". Für die Entscheidung von Norbert Röttgen, den Landesvorsitz abzugeben, habe er "Respekt", sagt Gröhe. Und, dass Röttgen den Wahlkampf in besonderer Weise geprägt habe. Ob er damit auch an die umstrittenen Manöver und Pannen des CDU-Spitzenkandidaten meint?

18:18 Uhr Abschied in vier Minuten

Röttgens Rede dauert nur vier Minuten. Um 18:13 Uhr verschwindet der gesamte Landesvorstand schweigend von der Bühne. Die wenigen anwesenden Parteimitglieder spenden kurzen, kräftigen Applaus. Dann ist die Ära Röttgen für die NRW-CDU beendet.

18:18 Uhr Zweite ARD-Prognose

Zweite Prognose der ARD: Die CDU sackt auf 25,8 Prozent, die SPD legt zu auf 38,8 Prozent, die Grünen erreicht 12,2 Prozent, die FDP 8,6 Prozent, die Piraten kommen auf 7,6 Prozent und die Linken verlassen den Landtag mit mauen 2,6 Prozent.

18:22 Uhr Die Mitte ist nach links gerückt

CDU-Zentrale, Berlin: Hinter dem Pult, an dem gleich CDU-Generalsekretär Gröhe das Desaster erklären wird, prangt der kurze Claim: "Die Mitte. CDU." Die Mitte ist an diesem Abend mächtig nach links gerückt.

18:32 Uhr Lindners "Signal aus Düsseldorf"

Nun will Christian Lindner sprechen, aber kommt erstmal nicht dazu: Der Applaus der versammelten Anhänger will nicht enden. Der ehemalige FDP-Chef Guido Westerwelle steht klatschend dabei. Dann sagt Lindner: "Das ist ein großes Ergebnis für die FDP in Nordrhein-Westfalen", darüber könnten sich "alle ehrlich freuen". Er spricht von einem Signal aus Düsseldorf, von "bescheidenem Auftreten" bei gleichzeitigem "Selbstbewusstsein". Und dann dieser Satz: Wenn die FDP auftrete "in der Tradition von Lambsdorff, Genscher und Baum", dann sei mit den Liberalen zu rechnen. Den angeschlagenen Bundesvorsitzende Philipp Rösler, der gerne in Talkshows frotzelt und der unbeliebteste Spitzenpolitiker der Republik ist, dürfte er damit nicht gemeint haben.

Ex-Innenminister Baum selbst trifft danach bei der FDP ein. Dass der Linksliberale vom gefühlten Parteiretter Lindner als ein Vorbild genannt wird, hätte er sich vor kurzem wohl auch nicht vorstellen können. 

18:36 Uhr Bleibt die CDU Mitte?

CDU-Zentrale, Berlin: Generalsekretär Gröhe erklärt die Niederlage: Bitter sei sie, schmerzhaft, die CDU habe ihre Themen nicht setzen können. Kommunikationsprobleme also, wie immer. Ob er den Landesvorsitz übernehmen will? Die Frage stelle sich jetzt nicht. Bleibt die CDU Partei der Mitte? Die CDU habe die Kraft dazu. Mehr ist aus ihm an diesem Abend nicht herauszubekommen. Erkennbar ist nur das Bemühen, dass nichts, aber auch gar nichts an der Kanzlerin hängen bleiben darf.

18:50 Uhr Kraft feiert mit der SPD

"Was für ein toller Abend!", ruft Hannelore Kraft ihren jubelnden Anhängern in Düsseldorf zu. Sie dankt den Wählern für das Vertrauen und verspricht "unser Bestes" zu geben. "Es ist ein so tolles Gefühl: zum ersten Mal nach zwölf Jahren wieder vorne." Die Regierungschefin sagt, es sei ein "harter Turbo-Wahlkampf" gewesen. "Wir haben das Richtige getan: Wir haben den Menschen in den Mittelpunkt gestellt." Dann zeigt sie, wie sehr der Wahlkampf auch sie ausgelaugt hat: "Ehrlich gesagt bin ich jetzt total kaputt - aber es ist ein so klasse Gefühl."

18:50 Uhr Wie groß war der Lindner-Effekt?

(Foto: dapd)

"Christian Lindner hat einen sehr frischen Wahlkampf gemacht", lobt Außenminister Guido Westerwelle. Lindners möglichen neuen Einfluss in der Partei möchte er nicht kommentieren. Das ZDF hat den Lindner-Effekt gemessen. Jeder Dritte hat die FDP in NRW hauptsächlich wegen Lindner gewählt. Zum Vergleich: In Schleswig-Holstein hatten 66 Prozent die FDP wegen Wolfgang Kubicki gewählt. Der Lindner-Effekt ist demnach nicht so groß.

18:55 Uhr Düsseldorf sagt Tschüss zur Linken

2,5 Prozent bedeutet außerparlamentarische Opposition für die Linke in NRW. Das weiß auch Katharina Schwabedissen, die Spitzenkandidatin. Die Sozialistin und ihre Parteigenossen nehmen das Ergebnis mit tröstenden Worten und vielen Umarmungen hin: "Es sieht unwahrscheinlich aus", sagt sie über eine mögliche Überraschung bei den Wahlergebnissen. "Aber die Hoffnung stirbt immer als allerletztes."

Im Fernsehen tritt Sahra Wagenknecht auf, die stellvertretende Parteivorsitzende. Sie stammt aus dem Osten, hat ihren Erstwohnsitz aber in NRW und war sogar als Spitzenkandidatin für diese Wahl im Gespräch. Wagenknecht verzichtete - und dürfte nun sehr froh sein. Die Bundestagsabgeordnete klingt gereizt und sagt Sätze wie: "Das ist nicht der Anfang vom Ende der Linken". Der Frage, ob ihr Lebensgefährte und ehemaliger Linken-Chef Oskar Lafontaine in den nächsten Tagen den Parteivorsitz erneut für sich reklamiert, weicht Wagenknecht aus.

18:56 Uhr Rösler lobt Lindner

In Berlin meldet sich Philipp Rösler zu Wort: Der FDP-Vorsitzende sieht seine Partei nach dem Wahlerfolg in Nordrhein-Westfalen wieder im Aufwind. Rösler spricht von einem "großartigen Abend" für die FDP in NRW und auch bundesweit. "Die Menschen hören uns wieder zu, sie vertrauen uns", zeigt sich Rösler überzeugt. Dann lobt er Lindner: Die Liberalen seien dem NRW-Spitzenkandidaten dankbar. Lindner habe in schwierigster Lage für die Partei Verantwortung übernommen.

Dass sein Verhältnis zu ihm nicht mehr ungetrübt ist, dazu sagt Rösler nicht. Lindner war erst Ende vergangenen Jahres überraschend als Generalsekretär der Bundes-FDP zurückgetreten. Als Grund galten zunehmende Differenzen mit Rösler. Und nun ist dieser Lindner eine Retterfigur für die taumelnde Regierungspartei geworden. Das bedeutet nichts Gutes für Rösler, zuletzt war von Putschgerüchten die Rede.

18:59 Uhr Piraten wollen im Düsseldorfer Landtag mitarbeiten

Zum vierten Mal in Folge zieht die Piratenpartei in ein Landesparlament ein. Bernd Schlömer, vor kurzem zum Parteichef der Piraten gewählt, freut sich: "Ein grandioses Ergebnis", sagt Schlömer der SZ. Er gratuliere Kraft und den Grünen und kündigte Kooperationsbereitschaft an: "Bei thematischen Überschneidungen können wir uns eine Zusammenarbeit mit Rot-Grün vorstellen. Man muss sagen, dass die Piratenpartei eine ernstzunehmende politische Kraft geworden ist", sagt Schlömer.

19:04 Uhr Gabriel nennt Kraft "denkbare Kanzlerkandidatin"

Steinbrück, Steinmeier, Gabriel  - und nun auch noch Kraft? Der Kreis der möglichen SPD-Kanzlerkandidaten weitet sich aus. Und das dank des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel. Er sieht in der heutigen Wahlsiegerin eine "denkbare Kanzlerkandidatin" der SPD, so sagt er es in der ARD. Dass Gabriel die K-Frage der SPD nicht um eine neue Antwort bereichert, weiß er selbst, und das sagt er auch: Kraft habe erklärt, in NRW zu bleiben, merkt Gabriel an. Bei einem solch überzeugenden Ergebnis im bevölkerungsreichsten Bundesland gehöre ein Ministerpräsident natürlich zum Kreis möglicher Kanzlerkandidaten. Als Erfolgsgeheimnis von Kraft bezeichnet Gabriel, dass sie eine klassische sozialdemokratische Politik verfochten habe.

19:06 Uhr Die FDP feiert ihre "Wiederauferstehung"

Das ZDF spricht schon von der "politisches Wiederauferstehung 2012" - Christian Lindner hat in NRW ein gutes Ergebnis für die FDP geholt. Auch Parteifreunde jubeln. "Die Krise der FDP ist jetzt endgültig vorbei", twittert Hans-Ulrich Rülke, der für die FDP im Landtag in Baden-Württemberg sitzt. "Ab sofort sind wir wieder ein wichtiger Faktor der Bundespolitik, an dem keiner vorbei kommt."

19:11 Uhr Piraten wollen Landtag würzen

(Foto: dpa)

Der Piraten-Spitzenkandidat Joachim Paul wird mit Kollegen eine Fraktion in Düsseldorf bilden. Im Landtag, kündigte er an, werden die Piraten konstruktiv mitmachen und bei guten Anträgen mitstimmen, wenn sie auf der Linie des Parteiprogramms lägen. "Die Wähler haben ein Schuss Chili in den Landtag gewählt", sagt Paul.

19:16 Uhr Neuste Hochrechnungen

Nach Hochrechnungen von ARD und ZDF nähert sich die SPD in NRW mit 38,3 bis 38,8 Prozent wieder der 40-Prozent-Marke (2010: 34,5 Prozent). Die CDU fällt mit 26,1 Prozent um gut 8 Punkte und liegt deutlich unter ihrem damals schon schwächsten Landesergebnis von 2010 (34,6 Prozent). Die Grünen von Vize-Regierungschefin Löhrmann schneiden mit 11,9 bis 12,1 Prozent in etwa so ab wie beim letzten Mal (12,1 Prozent).

19:24 Uhr Wie Feiersüchtige nach Jahren des Dauerentzugs

SPD-Zentrale, Berlin: Sie feiern ihren Sieg, wie Feiersüchtige nach Jahren des Dauerentzugs. Draußen gibt es Currywurst und Live-Musik. Drinnen ist kaum ein Durchkommen. In den vergangenen Jahren gab es einige Erfolge für die Sozialdemokraten. Fast alle mit einem mehr oder minder kleinen Aber versehen. Aber jetzt: ein echter Sieg. Ohne Aber.

19:31 Uhr Schwabedissen hat schon einen neuen Job

(Foto: dapd)

Unbehelligt von Kameras steht Katharina Schwabedissen im ersten Stock des Landtags. Die Spitzenkandidatin der Linken bekommt keinen Sitz in Düsseldorf - ihre Partei ist draußen. "Wir sind natürlich enttäuscht", sagt sie der SZ. "Wir machen jetzt außerhalb des Parlaments weiter." Die Gründe für das Debakel sieht sie vor allem in dem schwachen Strukturen der Partei im Westen. "Die hiesigen Landesverbände haben ein Problem mit dem Parteiaufbau, der muss jetzt vorangetrieben werden." Was das NRW-Ergebnis für die Personaldebatten in der Partei bedeute? "Wir feiern jetzt unseren Wahlkampf und können morgen über Personal sprechen", sagt sie.

Um ihre persönliche Zukunft macht sie sich keine Sorgen. "Ich bin Krankenschwester, das ist ein gefragter Beruf - ich habe schon zwei Jobangebote", sagt sie der SZ.

19:36 Uhr Laumann sieht CDU in ihren "schwersten Stunden"

Karl-Josef Laumann steht am Stand von WDR 5 und bekommt die Frage gestellt, wer jetzt die CDU führen soll: "Das werden wir in aller Ruhe beantworten", sagt er. Man werde sich in den kommenden zwei Tagen zusammensetzen und die Frage klären. "Heute ist eine der schwersten Stunden der CDU. Es kommt jetzt darauf an, die Partei zusammenzuhalten."

19:38 Uhr Sozialdemokraten posieren im Willy-Brandt-Haus

(Foto: dpa)

SPD-Zentrale, Berlin: Auf der Bühne werden Fotos gemacht. Parteimitglieder lassen sich mit SPD-Flagge hinter jenem Pult ablichten, an dem gerade Parteichef Sigmar Gabriel den ersten echten SPD-Sieg in NRW seit zwölf Jahren gefeiert hat. Als würden sie sich mit dem Foto quasi ein Stück des Rasens sichern, auf dem ihre Mannschaft gerade die Meisterschaft gewonnen hat.

19:42 Uhr "Ein Signal, dass es Rot-Grün auch im Bund schaffen kann"

Im Landtags-Foyer in Düsseldorf steht Malte Spitz, Netzpolitiker und Mitglied im Bundesvorstand der Grünen. Der Mann ist froh: Spitz spricht vom kulturellen Wandel in NRW, den Rot-Grün herbeigeführt habe. Dass man über Inhalte spreche und so Wahlen gewinne. Die Wahl zeige auch, dass "Zweierkonstellationen nach wie vor möglich sind". Das sei "ein Signal, dass es Rot-Grün auch im Bund schaffen" könne. Über seine Partei sagt er, die NRW-Grünen hätten gekämpft und seien dafür belohnt worden. Warum allein die SPD an diesem Tag absahnt und der Wert der Grünen stagniert, sagt er nicht.

19:47 Uhr Röttgen verliert wohl auch seinen eigenen Wahlkreis

(Foto: dpa)

Es kommt noch dicker für Norbert Röttgen: Der CDU-Spitzenkandidat kann wohl nicht einmal sein Direktmandat gewinnen. Nach der Auszählung von gut der Hälfte der Stimmen in seinem Wahlkreis Bonn I kommt er lediglich auf knapp 29 Prozent der Stimmen, wie die Stadt Bonn auf ihrer Internetseite mitteilte. Auf seinen Kontrahenten von der SPD, Bernhard von Grünberg, entfallen hingegen fast 46 Prozent. Von Grünberg hatte bereits bei der Landtagswahl 2010 das Direktmandat in dem Wahlkreis geholt.

20:00 Uhr Grüne: Merkel muss Röttgen als Minister feuern

Die Grünen fordern nach dem Absturz der CDU in NRW von der Kanzlerin, Konsequenzen zu ziehen - und Norbert Röttgen als Bundesumweltminister zu entlassen. Angela Merkel müsse kommende Woche die Entscheidung treffen, "Röttgen aus dem Kabinett zurückzuziehen", sagt die politische Geschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke, in der ARD. Warum die CDU-Chefin ihren Minister feuern soll, begründet die Grüne so: Röttgen sei nicht in der Position, die schwierige Suche nach einem Atommüllendlager zu koordinieren. Dabei müssten Verhandlungen mit mehreren Bundesländern geführt werden. Das könne der Minister nicht leisten.

20:17 Uhr Linke vor turbulenten Tagen

(Foto: dpa)

"Glanzlosigkeit", "Selbstblockade" und "Tiefschlaf": Mit drastischen Worten umschreibt der Vorsitzende der Links-Fraktion im thüringischen Landtag, Bodo Ramelow, die Wahlpleite seiner Partei im tiefen Westen. Im Gespräch mit der Leipziger Volkszeitung fordert Ramelow einen "Neustart". Die NRW-Linke habe ihren Gebrauchswert für die Wähler nicht verdeutlichen können und das ewige Gerede über eine Personaldebatte im Bund "hat leider auch die Ausstrahlung unserer Partei sehr glanzlos erscheinen lassen", sagt Ramelow. Zudem wurde der Protest den Piraten überlassen. Für das Landtagswahlergebnis trage sicher die Landespartei die Verantwortung. "Für die Glanzlosigkeit und die dauerhafte Selbstblockade, aber auch für den digitalen Tiefschlaf trägt aber nur unsere ganze Bundesspitze die Verantwortung."

Der Linken stehen turbulente Tage bevor: Da lässt der glücklose Parteichef Klaus Ernst offen, ob er beim anstehenden Parteitag wieder kandidieren will. Da erneuert der Reformer Dietmar Bartsch auch angesichts der Wahlklatsche seinen Machtanspruch mit den Worten: "Meine Kandidatur steht." Und da ist schließlich Ex-Parteichef Oskar Lafontaine, der wohl zurück nach Berlin drängt - was einige Genossen auf jeden Fall verhindern wollen. Wie sehr es in der Linken gärt, hat die SZ schon in der vergangenen Woche beschrieben.

20:20 Uhr Rock'n'Roll bei der SPD

Der "Club 3001" im Düsseldorfer Medienhafen ist in rotes Licht getaucht. Hier feiert die SPD, hier feiert der Wahlsieger. Ein gutes Ergebnis war von vielen Genossen erwartet worden, aber 39 Prozent - das ist eine Überraschung. Noch zwei Stunden nach der ersten Prognose sind die Gäste auf der Wahlparty elektrisiert. Die Statements von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft auf der TV-Leinwand werden bejubelt, jene von Norbert Röttgen niedergebuht.

Einige Jusos haben sich Sticker mit der Aufschrift "KRAFTfahrzeug" auf die Brust geklebt. Die Musikregie dreht den Fernsehton ab und spielt ein Lied der "Toten Hosen": "An Tagen wie diesen / Wünscht man sich Unendlichkeit / An Tagen wie diesen / Haben wir noch ewig Zeit."

20:30 Uhr Hat Röttgen nicht richtig für NRW gebrannt?

Die CSU dringt nach der NRW-Wahl darauf, dass sich die Vorsitzenden der Koalitionsparteien im Bund zusammensetzen. CDU-Chefin Angela Merkel, der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer und der Chef der FDP, Philipp Rösler, müssten jetzt das Gespräch suchen und die Lage analysieren, sagt CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt in der ARD. Hintergrund ist Seehofers Ankündigung, wegen des zähen Streits über das Betreuungsgeld nicht an Koalitionsausschüssen teilzunehmen.

Dann gibt Dobrindt dem ohnehin lädierten Norbert Röttgen noch eine kleine Watschn mit: "Richtig ist, dass man für ein Land brennen muss", wenn man Ministerpräsident werden wolle, so der Bayer. Ein Spitzenkandidat müsse sagen, dass er unabhängig vom Ergebnis zur Verfügung steht. Röttgen hatte im Wahlkampf offengelassen, ob er nach einer Wahlniederlage Oppositionspolitiker in Düsseldorf werden will.

20:43 Uhr Döring erklärt Rösler für unangefochten

Noch einmal zur FDP, eine Wortmeldung aus Berlin: Dort bemüht sich Generalsekretär Patrick Döring, Spekulationen über eine Ablösung von Parteichef Philipp Rösler zu zerstreuen. Auf die Frage, ob die Liberalen unter Röslers Führung in den Bundestagswahlkampf ziehen, antwortet er in der ARD: "Zweifellos." Die erfolgreichen Wahlkämpfer aus Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki und Christian Lindner, spielten in der Bundespartei eine wichtige Rolle. "Wir ziehen gemeinsam in die Auseinandersetzung". Fragt sich, wer sich am Ende mit wem auseinandersetzt.

21:20 Uhr Röttgen bekommt kein Direktmandat

Wer Ministerpräsident in NRW werden will, muss dem Landtag angehören. Norbert Röttgen hatte sich eine schwierige Aufgabe gestellt, als er in Bonn I direkt kandidierte. Hier galt Felix von Grünberg (SPD) als klarer Favorit. Mittlerweile sind die Stimmen in Bonn I fast komplett ausgezählt. Röttgen hat somit praktisch keine Chance mehr, sein Mandat hier zu gewinnen. Ob er noch über seinen Listenplatz Nummer Eins einen Platz in Düsseldorf bekommt, hängt an der Zahl der Direktmandate, die die CDU einfahren wird. Hier können Sie sehen, wie welcher Wahlkreis gewählt hat.

Ob Röttgen tatsächlich im Düsseldorfer Landtag als Oppositionsführer sitzen möchte, ist eine andere Frage. Die Elefantenrunde im WDR mit den Spitzenkandidaten der anderen Parteien schwänzte er schon mal und schickte Generalsekretär Oliver Wittke als Vertretung. Röttgen selbst fuhr mit Frau und Kindern heim nach Königswinter.