Nach seiner Festnahme wegen Untreueverdachts hat der NPD-Schatzmeister Erwin Kemna die dubiosen Kontobewegungen mit Darlehen erklärt. Die Staatsanwaltschaft ist skeptisch.

Der wegen Untreueverdachts verhaftete Schatzmeister der rechtsextremistischen NPD, Erwin Kemna, hat die verdächtigen Geldflüsse auf seinen Konten mit der Vermittlung von Darlehen erklärt. Es handele sich laut Kemna teilweise um zinslose Darlehen, die der NPD von Privatpersonen über ihn gewährt worden seien, berichteten die Staatsanwaltschaft Münster und das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen.

Bild vergrößern

Wurde am Donnerstag von der Polizei durchsucht: Die Bundeszentrale der NPD in Berlin (© Foto: ddp)

Anzeige

Diese Darlehen habe er dann an die Geber zurückgezahlt. In ersten Vernehmungen sagte Kemna den Angaben zufolge, er habe darüber keine Belege mehr. Nach Abwicklung der Darlehen habe er die Quittungen vernichtet, die er teilweise erhalten habe. Zum Teil seien die Rückzahlungen in bar auf Autobahnraststätten erfolgt.

Die Staatsanwaltschaft teilte zudem mit, der 57-Jährige habe nach eigenen Angaben der NPD auch aus seinem Privatvermögen Darlehen gewährt, die im Laufe der Zeit in Raten zurückgezahlt worden seien. Die Ermittler halten diese Angaben jedoch für Schutzbehauptungen. Nach dem gegenwärtigen Ermittlungsstand seien Zuflüsse auf Konten der NPD in dieser Höhe nicht festzustellen, hieß es. Insoweit seien die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.

Bei Durchsuchungen in elf Gebäuden im persönlichen und geschäftlichen Umfeld Kemnas war am Donnerstag umfangreiches Material sichergestellt worden. Allein aus der Firma und dem Wohnhaus des Beschuldigten seien mehrere Kisten mit Quittungen und Belegen zur Auswertung mitgenommen worden, darüber hinaus auch Computer mit Buchungsunterlagen.

An einem Objekt dauerten die Durchsuchungen demnach am heutigen Freitag an. Kemna war am Donnerstag verhaftet worden. Ihm wird vorgeworfen, mindestens 627.000 Euro von Konten der NPD für sich selbst abgezweigt zu haben. Der 57-Jährige sollte am Freitag dem Haftrichter in Münster zur Verkündung des Haftbefehls vorgeführt werden.

Leser empfehlen 

(AP/ihe/bavo)