Von Christiane Kohl

Unruhe nach dem starken NPD-Abschneiden bei den Kommunalwahlen in Sachsen: In Reinhardtsdorf-Schöna überflügelte die NPD mit 25 Prozent sogar CDU, SPD und Linke - zum Entsetzen des Bürgermeisters.

"Wir rackern uns hier für'n Tourismus ab", klagt die Sekretärin im Bürgermeisterbüro, "und dann wieder so ein Ergebnis!"

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Mehr als 25 Prozent der Stimmen hat der NPD-Kandidat für den Kreistag, Michael Jacobi, in der sächsischen Gemeinde Reinhardtsdorf-Schöna bei der Kommunalwahl bekommen. Von den 749 Bürgern, die zur Wahl gegangen sind, haben ihm 439 Bewohner - mehr als jeder Zweite - eine der drei Stimmen anvertraut, die sie zu vergeben hatten.

So kamen genau 25,2 Prozent zusammen. Damit war sie im Ort nach den Freien Wählern (26,8 Prozent) zweitstärkste Kraft, die CDU kam auf 21,7 Prozent, die Linke auf 15,6 und die SPD auf 3,7 Prozent. Für den parteilosen Bürgermeister Olaf Ehrlich ein niederschmetterndes Ergebnis: "Ich dachte, dass die Leute hier langsam mal aufwachen", klagt er.

"Jeder kennt ihn, viele schätzen ihn"

Schön restaurierte Fachwerkhäuser säumen die Straßen, Hotels liegen im Wald versteckt. Die Drei-Dörfer-Gemeinde, die in den Bergen oberhalb von Bad Schandau liegt, lebt vor allem vom Fremdenverkehr. Doch die Bewohner sind zugleich offenbar sehr empfänglich für fremdenfeindliche Parolen: Seit Jahren gilt Reinhardtsdorf als Hochburg der rechtsextremen NPD, die hier schon oft mehr als 20 Prozent erreichte. Die hohe Stimmenzahl könnte mit dem Kandidaten Jacobi zusammenhängen, der einen Installateurbetrieb in der Ortschaft betreibt: "Jeder kennt ihn, viele schätzen ihn", sagt ein Einheimischer, der seinen Namen nicht genannt wissen will.

Doch wie erklärt sich, dass ein gewisser "Dr. Olaf Rose" als Kandidat für den Landratsposten im Kreis Sächsische Schweiz / Osterzgebirge auf Anhieb 7,8 Prozent der Stimmen im ganzen Landkreis bekam? "Den kennt hier wirklich keiner", sagt Bürgermeister Ehrlich. Rose stammt aus dem nordrhein-westfälischen Arnsberg, er gehört zu jener Fraktion von Rechten, die mit geschichtsverfälschenden Thesen über die NS-Zeit hausieren gehen. Seit 2006 arbeitet er gleichsam als ideologische Verstärkung in der sächsischen NPD-Landtagsfraktion.

Den starken Zuspruch für Rose wertet Bürgermeister Ehrlich als Indiz dafür, dass "es hier mittlerweile leider eine solide Stammwählerschaft der NPD gibt", die mache etwa 20 bis 25 Prozent aus. Auch in anderen sächsischen Orten haben die Rechtsextremen sich als feste Größe etabliert, nach den vorläufigen Ergebnissen sitzen nun in allen Kreistagen NPD-Vertreter.

Im Landesdurchschnitt hat sich ihr Stimmenanteil mit heute 5,1 Prozent gegenüber 2004 vervierfacht. Spitzenreiter ist die Sächsische Schweiz, wo die NPD 22.181 Stimmen bekam. Das waren mehr als doppelt so viele wie bei der Wahl 2004 und 253 Stimmen mehr, als für die SPD abgegeben wurden. NPD-Kandidat Rose landete an dritter Stelle hinter CDU und der Linken - aber noch vor der SPD.

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(SZ vom 10.6.2008/plin)