Fast 70 Prozent der Altersheime erhalten beste Noten - Kritiker sehen dagegen "schwerwiegende Mängel".
Fachleute aus der Pflegebranche haben mit Unverständnis auf die erste Bilanz des Pflege-TÜVs reagiert. Dem Zwischenbericht zufolge, den der Spitzenverband der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen (GKV) am Donnerstag vorstellte, sind die Zustände in deutschen Pflegeheimen zu fast 70 Prozent gut oder sogar sehr gut. "Das ist grotesk", sagte der Pflegeexperte Claus Fussek. "Die Branche ist am Limit, und die Lage wird einfach mit einem absurden Kompensationssystem vernebelt."
Pflege in Deutschland: In einer Reihe von Heimen werden Pflegebedürftige gut oder sogar sehr gut versorgt - doch gibt es mancherorts auch deutliche Defizite. (© Foto: dpa)
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Damit spielte er auf die Berechnung der neuen Pflegenoten an: Diese setzen sich aus 82 Kriterien zusammen, für die jeweils eine Schulnote von eins bis fünf, also von "sehr gut" bis "mangelhaft" vergeben wird. Untereinander sind diese Kriterien nicht gewichtet.
So kann zum Beispiel eine gute Note für jahreszeitliche Feste eine schlechte Note im Umgang mit Medikamenten ausgleichen. Die 82 Kriterien sind in vier Untergruppen unterteilt: "Pflege und medizinische Versorgung", "Umgang mit Demenzkranken", "Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung" sowie "Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft, Hygiene".
Weitere Überprüfungen
Aus diesen Gruppen wird eine Gesamtnote für jedes Heim errechnet, die im Internet veröffentlicht wird. Durch die übersichtliche Darstellung soll Angehörigen und Pflegebedürftigen die Suche nach einem Heim erleichtert werden. Geplant ist, dass bis Ende 2010 alle 10.300 zugelassenen Häuser in Deutschland überprüft werden. Nun liegen die Ergebnisse für die ersten 1057 Heime vor.
Demnach sollen 67,7 Prozent der stationären Einrichtungen "gut" oder "sehr gut" sein. Mit "befriedigend" wurden 24,2 Prozent ausgezeichnet. Schlechte Noten wurden deutlich seltener vergeben: "Ausreichend" sind den Prüfern zufolge nur 6,9 Prozent der Heime, "mangelhaft" sogar nur 1,1 Prozent - das sind zwölf von mehr als 1000 Einrichtungen.
Betrachtet man die vier Untergruppen, zeichnet sich ebenfalls ein überaus positives Bild ab: Im Bereich "Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft, Hygiene" etwa wurden 78,4 Prozent der Einrichtungen mit "sehr gut" bewertet, "mangelhaft" nicht einmal ein Prozent. Auch bei "Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung" waren die Ergebnisse glänzend: 44,7 Prozent der Heime wurden sehr gute Leistungen attestiert, 6,4 Prozent allerdings auch mangelhafte. Am häufigsten wurden mangelhafte Ergebnisse im Bereich "Umgang mit Demenzkranken'' festgestellt (9,5 Prozent).
"Insgesamt haben wir in Deutschland eine hinreichende Qualität bei den Pflegeheimen", sagte GKV-Vorstandsmitglied Klaus-Dieter Voß. "Dass wir mit den neuen Pflegenoten bereits in den ersten Wochen die mangelhafte Qualität in zwölf Pflegeheimen aufdecken konnten, bestätigt, dass es gut und richtig war, konsequent auf Transparenz zu setzen."
Auch Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbands der Krankenkassen, lobte, die Noten würden "endlich Transparenz" schaffen. Sie zeigten aber auch, dass eine Reihe von Einrichtungen in die Verbesserung der Qualität investieren müsse.
"Schwerwiegende Mängel"
Adelheid von Stösser, Vorsitzende des Pflege-Selbsthilfeverbands, sagte hingegen: "Bei der großen Mehrheit der Heime gibt es schwerwiegende Mängel". Das sei angesichts des viel zu niedrigen Personalschlüssels kaum anders denkbar. Die Noten seien das vorhersagbare Ergebnis eines Fragenkatalogs, an dessen Ausarbeitung die Heimträger maßgeblich mitgewirkt haben, gibt sie zu bedenken.
Auch Claus Fussek erklärte: "Dass es durch dieses System nur gute Heime geben würde, war zu erwarten" - zumal es einen Boom bei Beratungsfirmen und Anwälten gebe, die die Heime exzellent auf die Prüfung vorbereiteten und bei schlechten Noten sofort einschritten.
Zudem kosten die Tests die Pflegeversicherung Millionen. Der GKV-Spitzenverband rechnet für jede vollständige Prüfung mit 4500 Euro. Bei 10.300 Heimen macht das mehr als 46 Millionen. Die ersten Zeugnisse sollen Mitte November über die Seite www.pflegenoten.de abrufbar sein.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(AP/dpa/plin/bica)
ICE-Strecke
Man muss ja immer alles schlecht reden. In Deutschland hat man ja sogar die Einführung von Sicherheitsgurten in den Autos kritisiert !
Wir haben schon immer gewusst, das die ganz große Mehrheit der Heime gute bis sehr gute Arbeit machen, und jetzt wird es deutlich.
Gewissen "Pflegeexperten" bzw. "Pflegekritikern" (die übrigens nie in einem Heim gearbeitet haben) ist es nicht recht, weil es "zu gut" ist. Sie haben keine echte Grundlage mehr zum Aufheulen.
Wenn die Heime sich mit Beratungsfirmen auf die Prüfung vorbereiten, dann verbessert es immer auch die Qualität.
In Deutschland ist es so: Nur wenn es schlecht ist ist es gut
PS: Ich betreibe drei Pflegeheime
und dazu gehört an erster Stelle die mangelnde Zahl und lohnmässige Geringschätzung der Pflegekräfte, aber auch Sparen an Material (nicht an bombastischen "ins-Auge-Fallern", die den verkauf der heimplätze fördern). Man sehe sich schlicht die Kostenrechnungen der Küche n, wieviel geld für die ernährung aufgewendet wird, oder wieviel Windeln pro Person angesetzt sind usw.
"Null Punkte für unbehandelte Druckgeschwüre könnte man etwa mit zehn Punkten für Erste-Hilfe-Kurse ausgleichen." - das ist ein Zitat aus dem Kritik-Artikel von Hadertauer. Wobei dann als "druckgeschwür" schon ein rosa Popo gelten kann, den jedermnn bei längerem Sitzen bekommt. So lässt sich Stress beim Personal aufbuen - und das scheint neben der Aussenwirkung (beruhigung der Öffentlichkeit) mit das Ziel der Aktion zu sein.
Nochmals: Personal, motiviertes Personal muss her. Bezahlbar ist es natürlich: das Spielgeld aus den Derivt-Käufen und verkäufen n den Bösen zeigt es ja. Und Lotto als auch Spielbanken werden auch abgeschröpft durch den Staat - warum nicht auch die Börse?
Scheinbar ohne, dass sich gravierend etwas ändert.
Das ist Armutszeugnis für die Heimbetreiber.
Jedoch beim Abkassieren sind sie nicht nachlässig.
Die Medizinischen Dienste der Krankenkassen sind selbstTeil des mangelhaften Plegesystems. Schon bei der Feststellung der Pflegestufen nehmen die MD-Kontrolleure zu viel Rücksicht auf die Kostensituation und lassen die prekären Zustände der Alterspatienten außer Acht.