Von Tomas Avenarius

Ein umstrittener Arzt aus Norwegen hilft Kranken in Gaza. In seinem Heimatland ist Mats Gilbert jedoch politisch umstritten - und nicht nur dort.

Zwei norwegische Ärzte prägen Teile des Bildes vom Krieg der israelischen Armee gegen die radikale Palästinenser-Organisation Hamas. Der Anästhesist Mats Gilbert und der Chirurg Erik Fosse arbeiten seit Neujahr im Schifa-Krankenhaus in Gaza.

Mats Gilbert; AP

Politisch umstritten: der norwegische Arzt Mats Gilbert. (© Foto: AP)

Anzeige

Sie geben den wegen der israelischen Zensur ausgesperrten Journalisten aus aller Welt telefonisch Auskunft: Gilbert und Fosse erscheinen in deutschen und internationalen Zeitungen, sprechen auf TV-Kanälen über die katastrophalen Zustände in den Kliniken, in denen seit Kriegsbeginn etwa 3500 Verletzte behandelt werden.

Politisch ist Gilbert umstritten: Er ist für äußerst radikale Ansichten bekannt. Er ist Mitglied der linksradikalen Partei Die Roten, war eine Weile Stadtrat in der nordnorwegischen Stadt Tromsö. Er hat den Terroranschlag vom 11.September 2001 in New York in einem früheren Interview mit der Zeitung Dagbladet gerechtfertigt. Er zeigt sich zwar "empört" über den Anschlag. Dieser sei aber eine legitime Antwort "der Unterdrückten" auf die Politik der USA.

Ob amerikanische oder irakische, afghanische oder palästinensische Zivilisten stürben, sei dasselbe. "Terror ist eine schlechte Waffe", so Gilbert auf die Frage, ob er Terror unterstütze. Seine Antwort sei aber "ja - in dem Kontext, den ich genannt habe".

Gilbert hat auch in der Süddeutschen Zeitung den Vorwurf erhoben, Israels Soldaten würden auf Rotkreuzhelfer schießen. Das hat sich inzwischen bestätigt. Der Arzt behauptet anderenorts auch, Israelis setzten verbotene Waffen wie Phosphorbrandbomben ein. Dies ist bisher nicht bestätigt worden.

Gilbert ist auch in Norwegen eine umstrittene Figur. Er und Fosse arbeiten seit Jahren in Kriegsgebieten wie Libanon, Irak und Gaza: Die Mediziner sind nach Angaben von Vertretern der norwegischen Botschaft in Kairo anerkannt als Spezialisten für Kriegschirurgie. Das norwegische Außenministerium hat den "humanitären Einsatz" der beiden Ärzte begrüßt und diese bei der Einreise nach Gaza über Ägypten diplomatisch unterstützt.

Ägypten lasse sonst niemanden über die Grenze, weder Ärzte noch andere Helfer oder Journalisten. Die norwegische Hilfsorganisation Norwac, in deren Namen sie in Gaza sind, bekommt nach Angaben des Außenministeriums einen Teil der umgerechnet drei Millionen Euro, die Oslo für die Linderung der Not in Gaza zur Verfügung stellt.

Leser empfehlen 

(SZ vom 10.01.2009/cag)