Nordrhein-Westfalen Der Vorsprung von nur einer einzigen Stimme reicht, gleich im ersten Anlauf

Armin Laschet von der CDU regiert als Ministerpräsident in einer schwarz-gelben Koalition zukünftig Nordrhein-Westfalen.

(Foto: dpa)
  • Armin Laschet ist in Düsseldorf zum neuen Ministerpräsidenten von NRW gewählt worden.
  • Die schwarz-gelbe Koalition mit nur einer Stimme Mehrheit bekam im ersten Wahlgang alle erforderlichen 100 Stimmen zusammen.
  • Die Mitglieder seines Kabinetts will Laschet am Donnerstag bekannt geben.
Von Jan Bielicki, Düsseldorf

Schon am Vortag war die Stimmung prima unter den Abgeordneten der neuen Mehrheit, wenn auch noch etwas nervös. Auf den Rheinwiesen vor Düsseldorfs Jugendherberge hatten die beiden Parteichefs Armin Laschet und Christian Lindner den Koalitionsvertrag unterzeichnet, auf dessen Grundlage CDU und FDP in den kommenden fünf Jahren Nordrhein-Westfalen regieren wollen. Dann gab es Kölsch und Alt, Hamburger und immer denselben Scherz: Was denn der Kollege Abgeordnete am Dienstagnachmittag um drei so vorhabe? Antwort: Man müsse gerade um diese Uhrzeit unbedingt noch den Rasen im Garten der Mutter mähen.

Dienstag um 15 Uhr sitzen dann doch alle Abgeordneten von CDU und FDP vollzählig im runden Plenarsaal des Landtags. Es stehen nur zwei Punkte auf der Tagesordnung: Wahl des Ministerpräsidenten und Vereidigung des Ministerpräsidenten. Und es gibt nur einen Kandidaten. "Zum Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen wird gewählt: Armin Laschet", lautet der Vorschlag von CDU und FDP, Drucksache 17/50. Damit es aber so kommt, müssen laut Landesverfassung im ersten Wahlgang mehr als die Hälfte aller Abgeordneten für den CDU-Chef stimmen, und zwar in geheimer Wahl. CDU und FDP kommen zusammen auf 100 der insgesamt 199 Landtagsmandate, es ist die knappest mögliche Mehrheit.

Freundlich im Ton, härter in der Sache

Armin Laschet gilt vielen in der CDU als "zu freundlich". Der Wahlsieger glaubt hingegen, dass er Nordrhein-Westfalen nur so reformieren kann - und gleichzeitig Europa und der Kanzlerin helfen. Porträt von Matthias Kolb und Benedikt Peters mehr ...

Und der Vorsprung von nur einer einzigen Stimme reicht, gleich im ersten Anlauf: Um 15.35 Uhr gibt Landtagspräsident André Kuper (CDU) das Ergebnis bekannt: Eben die nötigen 100 Abgeordneten haben Laschet gewählt, 78 Gegenstimmen hat er bekommen. Hannelore Kraft, nun seine Amtsvorgängerin, ist die erste, die dem frisch Gewählten gratuliert. Schon wenige Minuten nach seiner Wahl legt der 56-Jährige den Amtseid als bisher elfter Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslandes ab, die religiöse Formel "So wahr mir Gott helfe", schließt der Katholik aus Aachen dabei an.

In seiner kurzen Antrittsrede dankt Laschet zunächst ausführlich und "ganz persönlich" seiner Vorgängerin Kraft, dann hörbar gerührt seiner Familie - sein Vater, seine Frau und seine drei erwachsenen Kinder sitzen auf der Publikumsempore. Seine Regierung wolle "Impulsgeber und Ideenstifter" über das "Industrieland, Energieland, Einwanderungsland" NRW sein, sagt Laschet. Dann will er sich wieder auf seinen Abgeordnetenstuhl setzen - und wird erst von seinem Koalitionspartner Lindner darauf hingewiesen, dass sein Platz nun auf der Regierungsbank ist.