Nordkoreas Machthaber wieder aufgetaucht Kim-Jong-Un-Fotos werfen neue Fragen auf

Der Diktator lächelt breit in die Kamera. Wochenlang war Kim Jong Un aus der Öffentlichkeit verschwunden. Mit Bildern will Nordkorea jetzt Gerüchte beseitigen. Doch sie könnten die Spekulationen noch anheizen.

Von Christoph Neidhart, Tokio

Kim Jong Un ist wieder aufgetaucht. Das berichtet die Tageszeitung Rodong Sinmun, das Sprachrohr des Regimes in Nordkorea - und zeigt Bilder, die das beweisen sollen.

Auf einen Gehstock gestützt inspizierte der 31-jährige Machthaber Nordkoreas eine neue Wohnsiedlung für Wissenschaftler in Pjöngjang. Außerdem soll er das "Institut für erneuerbare Energien" besucht haben. Auf der Frontseite seiner Dienstagsausgabe publiziert die "Arbeiterzeitung" sieben Fotos von Kim, auf denen er mit Männern aus dem innersten Kreis seiner Macht scherzt.

Auf zwei Bildern notieren sich die Generäle und Funktionäre eifrig, was er sagt. Unter den Männern, die Kim begleiten, sind auch Nordkoreas aktuelle und ehemalige Nummer zwei, Hwang Pyong So und Choe Ryong Hae, zu erkennen, die vor zehn Tagen überraschend Seoul besuchten.

Plötzlich wieder da: Kim Jong Un im Kreise seiner Gefolgsleute, wie ihn die nordkoreanische Staatszeitung zeigt.

(Foto: AFP)

Mit den Bildern will das Regime die Gerüchte zum Verstummen bringen, Kim sei entmachtet worden; oder er sei schwer krank. Die Fotos suggerieren, der junge Diktator habe tatsächlich Probleme mit seinen Fußgelenken. Manche Medien in Südkorea behaupteten, er hätte sie sich gebrochen. Ist er inzwischen operiert worden? Rodong Sinmun verrät nichts über seinen Gesundheitszustand.

Das Stöckchen, auf das sich Kim grinsend stützen muss, demonstriert gleichsam, wie er bis zur Schädigung seiner Gesundheit für sein Volk arbeite. Zumindest will die Zeitung den Nordkoreanern diesen Eindruck vermitteln.

Ist das Rätseln um Kims vierzig Tage dauernde Abwesenheit damit beendet? War alles nur ein Sturm im Wasserglas? Kim hat sich schon früher für mehrere Wochen von der Öffentlichkeit ferngehalten, ohne dass es dafür später eine Erklärung gab. Auch sein Vater nahm sich solche Auszeiten.

Was Zweifel nährt

Auf der anderen Seite gibt es keine Fernsehbilder, die Kim beim Gehen zeigen würden. Und Rodong Sinmun verrät nicht, wann Kim das Neubaugebiet besucht hat. Auf den Fotos herrscht sonniges Herbstwetter, die Sonne scheint flach. So war es in Pjöngjang in den letzten Tagen tatsächlich.

Dennoch gibt es Zweifel: Warum blieb Kim dem 69. Jahrestag der Partei der Arbeit Koreas fern, vor allem der Ehrung seines Vaters und Großvaters im Kumsusan-Mausoleum? In der koreanischen Gesellschaft hat die Respektbezeugung für die Väter und Vorväter oberste Priorität, die Ehrung des "Großen Führers" und des "Geliebten Führers" erst recht.

Wie kann Kim dort fehlen, aber wenige Tage danach durch eine Wohnsiedlung staksen, anscheinend gesund, nur etwas gehbehindert? Das widerspricht allen konfuzianischen Regeln, die in Nordkorea sonst hochgehalten werden.

Die Bildstrecke im Staatsblatt könnte die Spekulation über Kim Jong Uns Position im Regime noch anheizen, statt sie wie beabsichtigt zum Verstummen zu bringen.