Nordkorea droht damit, seinen Atomreaktor erneut aufzubauen. Vermutlich ist dies aber eher Verhandlungstaktik als ein Rückfall in die alte Eiszeit.
Es ist ein keine acht Wochen her, dass Nordkorea in Yongbyon den Kühlturm seines Atomreaktors gesprengt hat. Die Botschaft lautete: Seht her, wir schwören der Bombe ab! Ziel der Inszenierung war das amerikanische Publikum.
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Nordkorea droht damit seinen umstrittenen Atomkomplex von Yongbyon (Archivfoto vom Mai 1992) erneut aufzubauen (© Foto: dpa)
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In der Bush-Regierung war es nicht unumstritten, überhaupt mit dem Stalinisten-Regime in Pjöngjang zu verhandeln und für ein Ende des Atomprogramms auch noch Zugeständnisse zu bieten. Da kam das Spektakel gerade recht, um einen der wenigen diplomatischen Erfolge Washington eindrucksvoll zu unterstreichen.
Aber nun scheint die Show schon wieder aus und vorbei zu sein. Nordkorea droht damit, den Reaktor erneut aufzubauen, weil Washington das Land nicht von der Terror-Liste gestrichen hat. Vermutlich ist dies jedoch eher Verhandlungstaktik, als ein Rückfall in die alte Eiszeit. Nordkorea streitet seit Wochen mit den USA über Modalitäten, wie die versprochene Abrüstung kontrolliert werden soll. Dass die Führung in Pjöngjang in dieser Situation zum letzten Trumpf in ihrem erpresserischen Spiel greift, zeigt, wie schwach ihre Verhandlungsposition ist.
Zwar werden Skeptiker sich in ihrer Einschätzung bestätigt sehen, mit den Nordkoreanern sei kein verlässliches Geschäft zu machen. Das sollte US-Außenministerin Condoleezza Rice aber nicht von ihrem Kurs abbringen.
Derart komplizierte diplomatische Prozesse sind mit Rückschlägen behaftet - wie selbst China beschwichtigt, die Schutzmacht Nordkoreas. Wenn es der US-Regierung primär um das Ende des Atomprogramms in Nordkorea geht, hilft jetzt nur Durchhaltevermögen. Auch wenn sich der Erfolg dieser Politik nicht mehr vor der US-Präsidentenwahl einstellen sollte.
- Atomprogramm Nordkorea erwägt Wiedereinstieg 26.08.2008
(SZ vom 27.08.2008/pir)
Bundespräsident Gauck