Ein Kommentar von Stefan Kornelius

Die Bombe als Lebensversicherung: Nordkoreas Diktator Kim Jong Il ist so schwach, dass er versucht, sich mit seiner Säbelrasselei zu stabilisieren.

Nach der Atomexplosion wird viel spekuliert über Motive und Ziele des nordkoreanischen Herrschers Kim Jong Il, der gerne als durchgeknallt, bizarr oder erratisch bezeichnet wird.

Soldaten demonstrieren auf dem Kim-Il-Sung-Platz in Pjöngjang die militärische Stärke Nordkoreas. (© Foto: AFP)

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Der Umgang mit seinem Regime löst einen Grusel aus, die Verschrobenheit des Landes und seines Regenten weckt voyeuristische Gelüste. Nordkorea ist, politisch betrachtet, Terra incognita, ein unerforschtes Land.

Nirgendwo auf der Welt findet sich noch ein Staatsvolk, das so perfekt abgeschottet ist von der Moderne, nirgendwo werden Menschen so sehr unterdrückt und der Gehirnwäsche ausgesetzt.

Bei Nordkorea verhält es sich wie mit einem gerade entdeckten brasilianischen Urwaldstamm: Die Menschen betrachten das Phänomen in einer Mischung aus Neugier und Angst. Neugier, weil diese Lebensformen ja fast ausgestorben sind auf der Erde. Angst, weil das Fremde und Entrückte eben unheimlich ist in einer hochzivilisierten und vernetzten Welt.

Angst aber muss vor Nordkorea niemand wirklich haben. Ungeachtet aller berechtigten Empörung in Südkorea und Japan will das Regime seine Nuklearwaffen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gegen seine Nachbarn einsetzen. Das wäre selbstmörderisch. Nordkorea strebt auch nicht nach regionaler Vorherrschaft - das Regime ist auf sich selbst konzentriert und wird China, das seine Nachbarschaft still dominiert, nicht in die Quere kommen. Warum dann also die Bombentests?

Die Bombe als Lebensversicherung

Bei der Detonation von Montag handelt es sich nicht um Spielereien eines an mangelnder Aufmerksamkeit leidenden Diktators. Seine Logik funktioniert anders: Nordkorea ist so schwach, dass es sich mit seiner Säbelrasselei selbst stabilisiert. Kim Jong Il benutzt die Bombe als Lebensversicherung. Und da sein politisches Leben offensichtlich den Zenit überschritten hat, braucht er die Detonation umso mehr zur Sicherung seiner verbliebenen Macht und zur Steuerung des Wechsels hin zu einem Nachfolger.

Nordkorea ist eine Diktatur im Übergang. Das unterdrückerische Regime nähert sich einem kritischen Augenblick, in dem über seine Lebensfähigkeit entschieden wird. Die Welt außerhalb der hermetisch abgeriegelten Grenzen verändert sich in atemberaubendem Tempo, vor allem an der Nordgrenze, wo selbst die traditionell armen chinesischen Provinzen einen rapiden Wandel durchleben.

All diese Veränderungen sind vor dem nordkoreanischen Volk nicht geheimzuhalten. Vor allem aber kann das Land nicht mehr der dynamischen Wirtschaftsentwicklung in seiner Nachbarschaft folgen. Weil das Marktgefälle zu groß ist, wachsen die Probleme. Rohstoffe selbst aus China werden zu teuer, einen Exportmarkt gibt es praktisch nicht.

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