Nordkorea Seoul stoppt Betrieb von Fabrikpark

Nach Pjöngjangs jüngstem Raketenstart setzt Seoul den Betrieb des gemeinsamen Industrieparks in Kaesong aus. So will Südkorea verhindern, dass Geld in das nordkoreanische Raketenprogramm fließt.

Von Christoph Neidhart, Tokio

Südkorea stoppt den Betrieb des Industrieparks Kaesong, den das Land als Gemeinschaftsprojekt mit Nordkorea betrieben hat. Diese Strafmaßnahme für Pjöngjangs Atomtest und Raketenstart beschloss die südkoreanische Regierung am Mittwoch. Seoul wolle vermeiden, dass "Geld, das dort verdient wird, in die Entwicklung von Atomwaffen und Raketen fließt", wie Südkoreas Wiedervereinigungsminister Hong Yong Pyo vor der Presse sagte. Im Industriepark unmittelbar nördlich der innerkoreanischen Grenze beschäftigen 124 südkoreanische Firmen 54 000 Nordkoreaner, denen im vergangenen Jahr etwa 100 Millionen Euro Lohn in harter Währung gezahlt wurde. Die 2004 eröffnete Anlage gilt als letzte gebliebene Errungenschaft der Tauwetter-Periode im vergangenen Jahrzehnt. Nordkorea hatte den Industriepark vor drei Jahren seinerseits für etwa vier Monate geschlossen. Als weitere Sanktion verstärkte Südkoreas Militär die Propaganda-Beschallung Nordkoreas an der Grenze, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums mitteilte. Aus mehreren Lautsprecher-Batterien sendet Südkorea seit einem weltweit kritisierten Atomtest Nordkoreas im Januar bereits laute Popmusik über die Grenze und strahlt Sendungen mit Kritik am kommunistischen Regime in Pjöngjang aus.