Nordkorea Kim Jong Un lässt sich zum Marschall befördern

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un festigt seine Macht: Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA berichtet, dass der Staatschef nun auch den Posten des obersten Militärs erhält. Der bisherige Generalstabschef hatte seine Ämter verloren - offenbar tobt im inneren Führungszirkel des Landes ein Machtkampf.

Es kommt Bewegung in die Führung des kommunistischen Nordkorea: Vor vier Tagen musste Generalstabschef Ri Yong Ho von seinen Ämtern weichen, am Dienstag stieg General Hyon Yong Chol überraschend zum Vize-Marschall auf. Doch damit nicht genug; Machthaber Kim Jong Un wurde jetzt in den höchsten derzeit möglichen militärischen Rang Wonsu befördert. Nur sein Großvater Kim Il Sung bekleidete einen höheren Rang: Zu dessen 80. Geburtstag wurde ihm der Titel einen Großmarschalls - Dae wonsu - verliehen.

"Es wurde die Entscheidung getroffen, dem Oberkommandeur der Volksarmee, Kim Jong Un, den Titel eines Marschalls der Demokratischen Volksrepublik Korea zu verleihen", meldete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA. Die Entscheidung trafen demnach mehrere Führungsgremien des Staates und der regierenden Partei der Arbeit Koreas.

Kim Jong Un war im September 2010 zum General ernannt worden. Nach dem Tod seines Vaters und Vorgängers Kim Jong Il rückte er Ende Dezember 2011 an die Spitze des kommunistischen Staates auf.

In der Beförderung zum Marschall sehen Beobachter einen weiteren Schritt, Kims Position zu festigen. Der Titel sei ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Konsolidierung seiner Macht, erklärte der Nordkorea-Experte John Delury von der Universität Yonsei in Südkorea. Titel sicherten natürlich noch keine Autorität, aber das Regime schließe offenbar die Reihen um den jungen Staatschef.

Die Ernennung folgte nur vier Tage auf die Entmachtung des bisherigen Generalstabschefs Ri Yong Ho. Nordkorea-Experten gehen von einem Machtkampf in der Parteispitze aus. Nach offiziellen Angaben wurden Ri alle Ämter allerdings aufgrund einer Erkrankung entzogen.

Experten sehen mögliche Öffnung

Der eher linkstehenden, südkoreanischen Zeitung Hankyoreh zufolge werten chinesische Experten die Ablösung Ris als ein mögliches Signal dafür, dass Kim gegen Hardliner vorgeht und eine Öffnung des Landes anstrebt. Es scheine so, als ob Kim sich dazu entschlossen habe, die Wirtschaft aufzubauen und Reformen im Land durchzusetzen, sagte ein chinesicher Fachmann für koreanische Angelegenheiten, der anonym bleiben wollte, dem Blatt. Allerdings sei Ri nicht der einzige Hardliner, und es sei fraglich, ob Kim die Situation wirklich im Griff habe.

Ri war bisher einer der Mentoren von Kim Jong Un, dem etwa 29-jährigen Diktator, der nach dem Tod Kim Jong Ils unvorbereitet an die Macht kam. Beim Begräbnis wich Ri nicht von der Seite Kim Jong Uns, auch bei vielen öffentlichen Auftritten begleitete er seither den jungen Diktator. Es sind keine Indizien dafür bekannt, dass Ri dem Kim-Clan nicht loyal ergeben war.

Sicherlich sei Krankheit nicht der Grund für Ris Sturz, bei dem der Vize-Marschall auch alle seine Parteiämter verlor, hatte die südkoreanische Onlinezeitung DailyNK am Montag geschrieben. Als Beleg nannte sie zahlreiche Funktionäre, die ihre Ämter trotz schwerer Krankheit bis zum Tod behielten.