Das Rätselraten hat ein Ende: Kim Jong Il ernennt seinen jüngsten Sohn zum Nachfolger - und läutet damit das Ende der Diktatur ein.
Kim Jong Il soll seinen jüngsten Sohn Kim Jong Un nun offiziell zum Nachfolger ernannt haben. Damit beendet er Monate des Rätselratens. Die Frage, wer Nordkorea künftig regiert, ist damit freilich nicht beantwortet. Kim Jong Il selbst wurde von seinem Vater über Jahre hinweg an seine Aufgabe herangeführt.
Kim Jong Il: Sein jüngster Sohn soll sein Nachfolger werden. (© Foto: dpa)
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Jong Un dagegen klettert jetzt im Schnellkurs die Hierarchie der nationalen Verteidigungskommission hoch, ein 25-jähriger Jüngling ohne Erfahrung - und das in einer Gesellschaft, die das Senioritätsprinzip hochhält.
Papa Kims Böllern mit Raketen und der jüngste Atomtest sollen dem Sohn Autorität verschaffen. Das funktioniert aber selbst in Nordkorea nicht mehr.
Wird Kim Jong Un tatsächlich Staatschef, dann wird er entweder eine bloße Galionsfigur sein, derweil sein Onkel Chang Sung-Taek die Fäden in der Hand hält.
Aber Chang, der als Hardliner gilt, soll in der Elite Nordkoreas viele Feinde haben. Ihm fehlt zudem die Legitimation der Abstammung von Kim Il Sung.
Konflikte und eine Zeit der Instabilität wären unausweichlich. Oder Jong Un schafft es wider Erwarten, die Macht tatsächlich zu übernehmen. Dann muss er sich entscheiden, ob er Pjöngjangs Politik der Isolation, des Säbelrasselns und der Erpressungen weiterführen will.
Das kann Nordkorea sich eigentlich nicht mehr leisten. Die Infrastruktur zerfällt. Eine harte Linie muss zu einer Implosion des Landes führen.
Oder Kim Jong Un hat verstanden, wie groß der Reformbedarf ist und er versucht Reformen. Sie würden Nordkorea erst recht destabilisieren.
Die Ernennung Kim Jong Uns ist deshalb kein Neuanfang für die Diktatur Nordkoreas, sondern der gequälte Auftakt zu ihrem Endspiel.
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(SZ vom 03.06.2009/bica/odg)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
Der Herr Kommentator weiß nichts genaues und bekommt doch Platz in der SZ seinen Kaffeesatz zu verbreiten. Ich lese nur "Kim Jong soll" "entweder oder.." Ja was ist denn nun Fakt? Fakt ist doch, daß der Sohn Kim Jong-Un lediglich langsam an Partei- und Militärfunktionen herangeführt wird. Er wird aufgebaut, so wie einst Egon Krenz als möglicher Nachfolger Honeckers. Ob Jong-Un je das höchste Amt erreicht, steht in den Sternen. Wenn plötzlich die Frage der Nachfolge stehen sollte, dann wird dies durch die 13-köpfige Militärrkommission bestimmt. Die einflußreichsten Personen dieser Kommission sind der 78-jährige General O Kuk-Ryol und der 63-jährige Direktor der Verwaltungsabteilung der Einheitspartei Chang Sung-Taek.
Das die Atom- und Raketentests dem Ansehen des Sohnes Kim Jong II dienen sollen, glaubt doch niemand. Dafür setzt niemand solche Dinge in Gang, leider aber im Kopf des Herrn Neidhart. Das Ursache dieser Aufrüstung ist die Angst vor einem Überfall der USA nach irakischem Muster. Nordkorea will ernst genommen werden und strebt direkte Verhandlungen mit den USA an, die ihre Zusagen von 2003 nie eingehalten haben, dafür aber Nordkorea zum Schurkenstaat erklärten.
Übrigens: Als Nordkorea ihren Atomtest durchführten, gab es auch ähnliche Raketentests von Staaten, die nicht den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet haben, wie Pakistan, Indien und Israel. Nur dazu gibt es keine Kommentare in der SZ.
Nordkorea ist zäh, und die Bevölkerung will alles so. Die UdSSR hätte schon zweimal die Löffel geschmissen, in Frankreich hätte es schon 10 Revolutionen gegeben. (In Deutschland hätte mindestens einer ein Köfferchen unter den Tisch gestellt.)
Ja schon. Aber keiner von denen versuchte eine Dynasty aufzubauen. Dazu kommt das alle Nachfolger Stalins in seinem Machtapparat oder in denen seiner Nachfolger aufgestiegen waren. Erst der Generationswechsel mit Gorbatchov brachte die Wende.
Chang Sung-Taek wird sich nicht einfach entmachten lassen von seinem jungen Neffen. Er wird den Mann an der kurzen Leine halten und Kim Jong Un wird es in seinem eigenen Interesse zulassen müssen, wenn sein Vater mal nicht mehr da ist.
Das kann Nordkorea sich eigentlich nicht mehr leisten. Die Infrastruktur zerfällt. Eine harte Linie muss zu einer Implosion des Landes führen.
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Klingt ja beruhigend, wenn die tatsächlich Atomwaffen haben.
Das Ende der Diktatur? Warten wir's lieber ab... Nach Stalin kamen noch ein paar Seinesgleichen...