Ein Kommentar von Christoph Neidhart

Das Rätselraten hat ein Ende: Kim Jong Il ernennt seinen jüngsten Sohn zum Nachfolger - und läutet damit das Ende der Diktatur ein.

Kim Jong Il soll seinen jüngsten Sohn Kim Jong Un nun offiziell zum Nachfolger ernannt haben. Damit beendet er Monate des Rätselratens. Die Frage, wer Nordkorea künftig regiert, ist damit freilich nicht beantwortet. Kim Jong Il selbst wurde von seinem Vater über Jahre hinweg an seine Aufgabe herangeführt.

Nordkorea, Kim Jong Il, dpa

Kim Jong Il: Sein jüngster Sohn soll sein Nachfolger werden. (© Foto: dpa)

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Jong Un dagegen klettert jetzt im Schnellkurs die Hierarchie der nationalen Verteidigungskommission hoch, ein 25-jähriger Jüngling ohne Erfahrung - und das in einer Gesellschaft, die das Senioritätsprinzip hochhält.

Papa Kims Böllern mit Raketen und der jüngste Atomtest sollen dem Sohn Autorität verschaffen. Das funktioniert aber selbst in Nordkorea nicht mehr.

Wird Kim Jong Un tatsächlich Staatschef, dann wird er entweder eine bloße Galionsfigur sein, derweil sein Onkel Chang Sung-Taek die Fäden in der Hand hält.

Aber Chang, der als Hardliner gilt, soll in der Elite Nordkoreas viele Feinde haben. Ihm fehlt zudem die Legitimation der Abstammung von Kim Il Sung.

Konflikte und eine Zeit der Instabilität wären unausweichlich. Oder Jong Un schafft es wider Erwarten, die Macht tatsächlich zu übernehmen. Dann muss er sich entscheiden, ob er Pjöngjangs Politik der Isolation, des Säbelrasselns und der Erpressungen weiterführen will.

Das kann Nordkorea sich eigentlich nicht mehr leisten. Die Infrastruktur zerfällt. Eine harte Linie muss zu einer Implosion des Landes führen.

Oder Kim Jong Un hat verstanden, wie groß der Reformbedarf ist und er versucht Reformen. Sie würden Nordkorea erst recht destabilisieren.

Die Ernennung Kim Jong Uns ist deshalb kein Neuanfang für die Diktatur Nordkoreas, sondern der gequälte Auftakt zu ihrem Endspiel.

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(SZ vom 03.06.2009/bica/odg)