Nordkorea Annäherung im Korea-Konflikt

Erstmals seit knapp zwei Jahren reden Seoul und Pjöngjang wieder direkt miteinander. China begrüßt die Entspannungssignale, doch US-Präsident Trump verhöhnt Machthaber Kim.

Von Christoph Giesen, Peking

Nordkorea hat nach fast zweijähriger Unterbrechung einen Kommunikationskanal mit dem Süden geöffnet. Machthaber Kim Jong-un ordnete am Mittwochnachmittag an, die direkten Telefonverbindungen wieder freizuschalten. Insgesamt verlaufen 33 Telefon- und Faxleitungen zwischen den beiden Staaten. Sie enden im Grenzort Panmunjom, an der schwer bewachten Demarkationslinie, die etwa 60 Kilometer nördlich der südkoreanischen Hauptstadt Seoul die Halbinsel durchschneidet.

Den bisher letzten Kontakt auf einer dieser Verbindungen gab es im Februar 2016. Nachdem die südkoreanische Seite sich jedoch nach dem vorletzten Test einer Atombombe aus einem gemeinsam betriebenen Industriepark in Kaesong, wenige Kilometer nördlich von Panmunjom, zurückgezogen hatte, antwortete der Norden nicht mehr. Südkoreanische Offiziere versuchten seitdem trotzdem jeden Tag aufs Neue, eine Verbindung herzustellen. Jeweils morgens um neun Uhr, und nachmittags gegen 16 Uhr. Die Leitungen blieben stets tot. Nun wird wieder gesprochen.

Bei der ersten, etwa 20-minütigen Kontaktaufnahme am Mittwoch sei es um "technische Details" gegangen, teilte eine Sprecherin des südkoreanischen Vereinigungsministeriums mit. Nordkorea habe angekündigt, sich wieder zu melden.

Südkoreas Präsident Moon Jae-in will künftige Telefonate mit Nordkorea möglichst auch dazu nutzen, um über das umstrittene Atom- und Raketenprogramm des Nachbarn zu sprechen. Es ist jedoch sehr fraglich, ob sich Pjöngjang darauf einlassen wird.

Zunächst aber planen beide Länder, über die Teilnahme Nordkoreas an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang zu reden, die im Februar stattfinden. In seiner Neujahrsansprache am Montag hatte Diktator Kim in Aussicht gestellt, eine Delegation zu den Spielen zu entsenden. Südkorea schlug daraufhin am Dienstag für den 9. Januar ein hochrangiges Treffen an der innerkoreanischen Grenze in Panmunjom vor. Der bisher letzte offizielle Termin zwischen wichtigen Regierungsvertretern beider Staaten hatte im Dezember 2015 stattgefunden.

China, das Nordkoreas engster Verbündeter ist, begrüßte die Initiative Pjöngjangs, die Olympischen Spiele als Gelegenheit zu nutzen, um Gespräche zu führen. Peking hoffe, dass sich beide Länder dabei "auf halbem Weg entgegenkommen", sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums am Mittwoch. "Alle beteiligten Seiten" sollten die "positive Wende der Ereignisse" nutzen.

Unterdessen verschärfte US-Präsident Donald Trump seine Rhetorik gegenüber Nordkorea erheblich. Machthaber Kim habe erklärt, dass sein "Atomwaffenknopf immer auf seinem Schreibtisch" sei, schrieb Trump im Kurznachrichtendienst Twitter. "Wird jemand aus seinem verarmten und ausgehungerten Regime ihn bitte darüber informieren, dass auch ich einen Atomwaffenknopf habe", textete er. "Aber er ist viel größer & mächtiger als seiner, und mein Knopf funktioniert!" Mehrere Politiker der US-Demokraten kritisierten Trumps Tweet scharf.