Nigerianische Terrorgruppe Boko Haram erobert Militärbasis

  • Die Terrormiliz Boko Haram hat eine Militärbasis im Nordosten Nigerias in ihre Gewalt gebracht. Die Stadt, in der die Soldaten stationiert waren, brannten die Terroristen nieder.
  • Baga war die letzte Stadt unter Regierungskontrolle in der Region Borno.
  • Es soll zahlreiche Tote gegeben haben. Viele Bewohner flüchteten ins Nachbarland Tschad.
  • Dem Militär wird vorgeworfen, seinen Posten ohne Gegenwehr verlassen zu haben.

Attacke im Nordosten Nigerias

Mutmaßliche Kämpfer von Boko Haram haben eine Militärbasis in der Stadt Baga erobert. Der schon mehrmals von der islamistischen Terrorgruppe überfallene Ort sei niedergebrannt worden, die Bewohner seien per Boot ins Nachbarland Tschad geflohen, berichtete die nigerianische Zeitung Premium Times unter Berufung auf einen hochrangigen Sicherheitsbeamten. Es habe viele Todesopfer gegeben, hieß es.

Der Attacke begann laut BBC am Sonntag in den frühen Morgenstunden. Die Bewohner seien vom Gewehrfeuer geweckt worden. Einige Menschen seien auch in den Wald und in die Wüste geflüchtet. Die Soldaten hätten nach mehrstündigen Kämpfen die Flucht ergriffen. An anderer Stelle heißt es jedoch, die Soldaten seien sofort geflüchtet - ohne einen Versuch, die Angreifer abzuwehren.

Kritik am nigerianischen Militär

Für Maina Maaji Lawan ist die Lage klar. Der Senator der Region Borno, in der die Stadt Baga liegt, sagte zur BBC: "Es läuft definitiv etwas falsch, wenn das Militär jedesmal seine Posten verlässt, wenn Boko Haram angreift." Die Bevölkerung sei sehr frustriert, weil die Soldaten sich nicht gewehrt hätten.

Vor wenigen Wochen wurden 54 nigerianische Soldaten wegen Meuterei zum Tode verurteilt. Offiziere und einfache Soldaten kritisieren jedoch, dass der Kampf gegen Boko Haram ein ungleicher sei. Das nigerianische Militär sei schlecht ausgerüstet, es gebe zu wenige Waffen. Die Terrormiliz hingegen verfüge über weit bessere Mittel.

Der Militärstützpunkt in Baga

Die attackierten Soldaten gehörten laut Premium Times zu einer multinationalen Truppe, die dort speziell zur Bekämpfung von Boko Haram stationiert gewesen sei. Neben Nigeria haben der Niger, Kamerun und der Tschad Soldaten in die Einheit entsandt. Die Stadt war der letzte noch von der Zentralregierung kontrollierte Ort in der Region. Es ist bereits die fünfte Boko Haram-Attacke in Baga in den vergangenen zwei Jahren.

2013 richtete die nigerianische Armee bei einem Einsatz gegen Boko Haram dort ein Massaker unter der Zivilbevölkerung an. Schätzungen zufolge starben mehr als 200 Einwohner.

Die Terrorgruppe Boko Haram

Die Terrorgruppe Boko Haram mit Kontakten zu nordafrikanischen Al-Kaida-Ablegern führt im muslimisch geprägten Norden Nigerias seit 2009 einen Krieg für einen islamischen Staat. Boko Haram heißt so viel wie: "Westliche Bildung ist Sünde". Bei Angriffen und Anschlägen auf Schulen, Kirchen, Märkte, Polizeistationen und Lokale wurden Zehntausende Menschen getötet.

Erst wenige Tage vor dem Angriff auf den Militärstützpunkt soll die Terrormiliz 40 Jungen und junge Männer aus einem nigerianischen Dorf verschleppt haben. Einen Tag später starben 15 Menschen bei einem Anschlag in Kamerun. Auch dahinter wird Boko Haram vermutet.

Im April 2014 entführte die Terrorgruppe über 200 Schülerinnen. Unter dem Hashtag #bringbackourgirls formierten sich in sozialen Netzwerken Unterstützer und Aktivisten zur Rettung der Mädchen. Einige Schülerinnen konnten fliehen, von den anderen fehlt bislang jede Spur. Sie sollen versklavt, verkauft und zwangsverheiratet worden sein. Im Oktober 2014 hieß es, die nigerianische Regierung und Boko Haram hätten sich auf eine Freilassung der Mädchen geeinigt. Bislang ist der angebliche Deal von Boko Haram nicht bestätigt worden. Auch auf eine Freilassung der Mädchen gibt es keine Hinweise.