Nigeria Ein gutes Omen

Lange versagte Afrikas größte Nation beim Kampf gegen die Terrormiliz Boko Haram. Doch jetzt scheint der neue Präsident Buhari Ernst zu machen. Das Militär wird reformiert, die Kooperation mit den Nachbarländern gestärkt. Und es gibt erste Erfolge.

Von Isabel Pfaff

Nein, von einer Wende kann noch nicht die Rede sein. Immer noch sterben in Nigeria Hunderte Zivilisten durch den Terror der islamistischen Miliz Boko Haram. Auch in den Nachbarländern Kamerun, Tschad und Niger zünden die Milizionäre Bomben und brennen Dörfer nieder, allein im Juni töteten sie mehr als 800 Menschen. Zwar hebt die nigerianische Armee immer wieder Verstecke der Miliz aus, und sie hat inzwischen mehr als tausend Boko-Haram-Geiseln befreit. Aber trotzdem geht der Terror weiter.

Doch es tut sich etwas in Afrikas größter Nation, seit es dort im März zum ersten demokratischen Machtwechsel in der Geschichte des Landes kam. Seit Ende Mai ist der neue Präsident Muhammadu Buhari im Amt, ein Muslim aus dem Norden, ein 72-jähriger Ex-General und einstiger Diktator, der in den Achtzigern schon einmal für fast zwei Jahre an der Spitze Nigerias stand. Seither macht der Mann mit der zweifelhaften Vergangenheit vieles anders als sein umstrittener Vorgänger Goodluck Jonathan, und vieles davon richtig.

Es ging los mit einem neuen Militär-Hauptquartier. Durch seine erste Amtshandlung verlegte Buhari das Kommandozentrum der Anti-Boko-Haram-Operation von der zentral gelegenen Hauptstadt Abuja in den Nordosten des Landes, nach Maiduguri. Das ist mitten im Boko-Haram-Land; die Stadt gilt als Geburtsort der Gruppe. "Wenn du nicht in der Küche bist, spürst du die Hitze nicht", begründete ein Sprecher Buharis die Verlegung. Der Armeeführung war oft vorgeworfen worden, zu weit weg vom Kampfgeschehen zu sein. Jetzt sitzt sie direkt an der Front.

Der neue Präsident macht Ernst im Kampf gegen Boko Haram

Zusätzlich hat der neue Präsident vor wenigen Wochen die Armeeführung ausgetauscht. Das war zwar kein rein politischer Schachzug, da ohnehin ein Generationenwechsel bevorstand - aber dennoch ein Zeichen für den Willen Buharis, unter den Top-Militärs aufzuräumen. Nigerias Armeeführung gilt als mächtig und korrupt; aus dem Topf, der für den Kampf gegen Boko Haram vorgesehen war, soll sie enorme Summen abgezweigt haben. Geld, das an der Front fehlte, wo die Soldaten über zu wenig Munition und veraltete Waffen klagten. Buhari hat den ersten Schritt dafür getan, dass das riesige Militärbudget Nigerias künftig dort landet, wo es fehlt. Ob die Geiselbefreiungen der vergangenen Wochen mit den Neuerungen im Militär zusammenhängen, ist schwer zu sagen. Ein gutes Omen sind sie allemal.

Die wichtigsten Weichen für einen erfolgreichen Kampf gegen die Islamisten hat Buhari aber im Ausland gestellt. Anders als sein Vorgänger sucht der neue Präsident den Kontakt zu Nigerias Nachbarn. Das ist klug und notwendig, denn Boko Haram operiert längst grenzübergreifend. Die Gruppe zielt auf Regionen, die von ihren Regierungen vernachlässigt wurden - in Nigeria genauso wie in Kamerun und Niger. Dort, an der Peripherie, sind die Menschen anfällig für die Botschaften der Islamisten. In Form von Terror erhalten die Staaten nun die Rechnung für ihre Fehler.

Eine multinationale Eingreiftruppe existiert zwar im Vierländereck um den Tschad-See, doch bisher arbeiteten die Armeen miserabel zusammen. Die effizienten Tschader beklagten oft die fehlende Unterstützung durch die Nigerianer, und die Beziehungen zwischen Kamerun und Nigeria sind wegen eines alten Grenzstreits traditionell schlecht. Jetzt hat Buhari seinen Kollegen Paul Biya in Kamerun besucht und mit ihm über mehr Kooperation im Anti-Terror-Kampf gesprochen. Die Präsidenten von Tschad und Niger hatte er schon Anfang Juni aufgesucht.

Spektakuläre Erfolge kann Nigerias neuer Staatschef noch nicht verkünden. Doch er geht vernünftige erste Schritte. Sein Vorgänger Jonathan hat nicht einmal das fertiggebracht.