Seit Tagen wird Nigeria von blutigen Kämpfen erschüttert, nun meldet die Armee, sie habe die Islamistenhochburg Maiduguri unter Kontrolle - offenbar starben Hunderte.

Die nigerianische Armee hat nach eigenen Angaben nach neuen nächtlichen Kämpfen in der Stadt Maiduguri die Oberhand über die radikalislamische Sekte Boko Haram gewonnen. Die Rebellen, die zeitweise die Kontrolle über sechs Stadtteile hatten, seien geflohen, nachdem das Truppenaufgebot durch 1000 zusätzliche Soldaten verstärkt worden war, berichtete der britische Sender BBC.

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Ein Panzer auf den Straßen von Maiduguri - seit Tagen toben hier blutige Kämpfe. (© Foto: AFP)

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Schon am Mittwochabend hatte der für den Einsatz zuständige Armeekommandeur Ben Ahonotu verkündet, die Islamisten seien aus Maiduguri vertrieben worden. Die Kämpfe eskalierten daraufhin jedoch erneut, die Armee tötete in der Nacht nach Angaben der Polizei 200 islamistische Aufständische. Unter den Toten sei auch einer der Anführer der Rebellen.

Ein nigerianischer Journalist, der sich vor Ort aufhält, sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe Dutzende Leichen an einem Stützpunkt der Aufständischen gezählt: "Rund 70 Leichen lagen um die Moschee und den Stützpunkt herum", sagte Mustapha Isa, ein Reporter der nigerianischen Zeitung The Daily Trust. "Im Gebäude haben wir 20 Leichen gesehen." Fotos der Nachrichtenagenturen vor Ort zeigen viele Tote, die auf den Straßen liegen.

Die Suche nach dem Sektenführer Mohammed Yusuf dauerte unterdessen an. Nach nigerianischen Presseberichten sind bis zu 10.000 Menschen auf der Flucht vor der Gewalt. Im umkämpften Teil von Maiduguri verbarrikadierten sich Anwohner in ihren Häusern. Da auch Geschäfte geschlossen oder verlassen wurden, wird die Versorgung mit Lebensmitteln knapp.

Die Gewalt in Nigeria tobt seit Tagen: Nach offiziellen Angaben kamen allein am Sonntag und Montag rund 150 Menschen bei den Kämpfen ums Leben. Nigerianischen Medienberichten zufolge liegt die tatsächliche Zahl der Opfer jedoch noch wesentlich höher. So berichtete die Zeitung Daily Independent an diesem Mittwoch von bis zu 600 Toten.

Scharia soll durchgesetzt werden

Besonders betroffen ist Maiduguri, die Hauptstadt des Bundesstaates Borno. Dort befindet sich das Hauptquartier der islamistischen Sekte Boko Haram, die sich den afghanischen Taliban verbunden fühlt. Sie kämpft für einen islamischen Gottesstaat und will die Einführung des islamischen Rechts in allen Bundesstaaten einschließlich des überwiegend christlichen Südens durchsetzen. Bisher gilt die Scharia nur in einem Dutzend islamischer Bundesstaaten.

Nachdem am Dienstagabend das Haus von Islamistenführer Mohammed Yusuf in Maiduguri beschossen worden war, durchkämmten Sicherheitskräfte in den frühen Morgenstunden am Mittwoch das Hauptquartier der Sekte und den benachbarten Stadtteil, in dem sich die Aufständischen verschanzt hatten.

Von der Gewalt sind außer Borno und Yobe auch die Bundesstaaten Bauchi und Kano betroffen. Präsident Umaru Yar'Adua erteilte den Streitkräften am Mittwoch den Befehl, die Aufstände der Fundamentalisten "ein für allemal" niederzuschlagen.

Dabei zeigte er sich zuversichtlich, dass die am Sonntag aufgeflammten Kämpfe bald beendet seien würden. Zwar hätten die Islamisten "Waffen gesammelt und gelernt, Bomben zu bauen, um den Frieden zu zerstören". Doch nun habe die Regierung "gehandelt, um ein potenziell gefährliches Problem an der Wurzel zu packen", sagte er.

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(dpa/AFP/ihe)