Union und SPD haben sich auf ein Kombilohnmodell für junge Arbeitslose verständigt. Die übrige Neuregelung des Niedriglohnsektors birgt noch manche Klippe für die Koalition: Die CSU wetterte gegen eine Unterschriftenaktion der SPD für die Einführung von Mindestlöhnen - obwohl auch der Arbeitnehmerflügel der CDU eine ähnliche Kampagne startete.
Die Teileinigung der Koalitionsvertreter wurde am Montagabend verkündet: "Wir haben uns in drei Punkten verständigt", sagte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der SPD, Klaus Brandner, nach vierstündiger Sitzung.
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Will den Mindestlohn einführen: Franz Müntefering (© Foto: dpa)
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So seien das mit Qualifikationsangeboten verknüpfte Kombilohnmodell für junge Arbeitslose und das Konzept des sozialen Arbeitsmarktes für 100.000 schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose "abgehakt" worden. Änderungen bei der Zuverdienstmöglichkeit von ALG-II-Beziehern sollten in der separaten Arbeitsgruppe hochrangiger Vertreter von Union und SPD ausgehandelt werden. Die von der Union gewünschten Leistungseinschnitte für Langzeitarbeitslose sind Brandner zufolge vom Tisch.
Nicht verhandelt wurden laut Brandner die heiklen Themen Mindestlohn und das von Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) ins Gespräch gebrachte Verbot sittenwidriger Löhne. Münteferings Sprecher Stefan Giffeler hatte zuvor klargestellt, erst wenn man beim Thema Mindestlöhne - der "zentralen Säule" - weiter gekommen sei, könne "das Gesamtkonzept präsentiert werden".
Doch der Vize-Kanzler trifft auf kein Verständnis in der Union: Die CDU-Spitze lehnt weiterhin einen einheitlichen gesetzlichen Mindestlohn ab. Dies "würde Hunderttausende von Arbeitsplätzen kosten, aber keinen einzigen Arbeitsplatz schaffen", sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla. Die CDU-Spitze zeigte sich aber offen für die Pläne Münteferings für ein Verbot sittenwidriger Löhne.
Auch aus München kommt massiver Widerstand: CSU-Generalsekretär Markus Söder warnte die Union davor, Zugeständnisse an die SPD zu machen. Es handele sich um ein strategisches Thema für die Union, sagte Söder der Berliner Zeitung. "Es geht um die Wirtschaftskompetenz der Partei." Über Mindestlohn werde kein Arbeitsplatz geschaffen. Erfolgversprechender sei es, den Druck auf Arbeitslose weiter zu erhöhen, Arbeit aufzunehmen.
Scharf kritisierte Söder die Unterschriftenkampagne der SPD für die Einführung von Mindestlöhnen. Eine solche Aktion sei widersinnig, da sie sich an das von der SPD geführte Arbeitsministerium richte, sagte Söder: "SPD-Chef Beck muss sich entscheiden, ob er Parteivorsitzender einer Regierungspartei oder einer Oppositionspartei ist."
Ungeachtet dessen begann die SPD ihre Unterschriftenkampagne. Zu den Erstunterzeichnern gehörten neben Müntefering auch SPD-Chef Kurt Beck, DGB-Chef Michael Sommer sowie die Vorsitzenden der Einzelgewerkschaften. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte, es sei wichtig für die SPD, in der Frage existenzsichernder Löhne "Druck zu machen".
Nach einem Bericht der Berliner Zeitung, startete auch der CDU-Arbeitnehmerflügel eine Unterschriftenaktion für die Einführung von Mindestlöhnen.
(dpa/ddp)
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"...würde Hunderttausende von Arbeitsplätzen kosten" (Ronald Pofalla, MdB). Dasselbe Argument wie bei Arbeits- und Umweltschutz. Die Praxis zeigt langfristig das Gegenteil.
Niedriges Einkommen hat nicht nur fehlende Steuer- und Sozialabgaben zur Folge. Viele Kommunen unterliegen seit Jahren der Haushaltsicherung.
Wenig Geld = wenig Konsum. Ergebnis: Armut, Schwarzarbeit, Gewaltkriminalität und Insolvenzen. Das Vernichtet Arbeitsplätze. Was, wenn mal unser Exportüberschuss einbricht?
Wahrscheinlich befürchtet man beim Mindestlohn auch eine nachsichziehende Klagewelle der Ein-Euro-Jobber. Wann endlich werden die Fehler ALG2 (Hartz IV), Ich-AG und Mini-Jobber ( 400) revidiert?
Mehr als 90% aller Staaten Weltweit haben auf eine Form des Mindestlohns, sogar in 20 von 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union gibt es einen gesetzlich festgelegten Mindestlohn.
Nur Deutschland bildet hier eine traurige Ausnahme.
pro Std.
Vereinigtes Königreich 7,96 (5,52 Pfund)
Irland 8,30
Frankreich 8,27
USA 3,86 (5,15$)
Slowenien 3,02
Quellen:
http://www.ilo.org/public/english/protection/condtrav/pdf/infosheets/w-1.pdf
http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_OFFPUB/KS-NK-06-009/DE/KS-NK-06-009-DE.PDF
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/SID-3D0AB75D-F2287CB3/hbs/hs.xsl/32015_84951.html
wenn herr müntefering von sittenwidrigenlöhnen spricht muss er sich darüber im klaren sein, dass ein friseursgehalt in sachsen erst bei ca. 2,80 eur die stunde sittenwidirg ist. das ganze ist also ein pr-gag mit rotem schal!
wenn herr söder von druck auf arbeitslose spricht dann muss das ja auhz für herrn stoiber gelten, der ja demnächst arbeitslos wird. aber nein, für den sucht die ganze partei einen job, bei dem er zumindest einen mitarbeiter und ein büro behalten kann. was ist da mit der zumutbarkeit einen geringeren job anzunehmen. diese politische klasse kotzt mich an. herr söder verlangt nämlich von arbeitslosen, dass sie jobs annehmen von denen sie sich und ihre familie letztendlich nicht ernähren können. selbst mit dem mindestlohn lebt man unter der armustgrenze, wenn man z.b. als geschiedener vater unterhalt für das kind zahlen muss.