Die Rechtspopulisten können bei der Wahl zur stärksten Fraktion werden, die anderen Parteien sind ratlos. Bleibt nur, Wilders (mit-)regieren und sich entzaubern zu lassen.
"Heute Almere und Den Haag, und morgen die ganzen Niederlande!". Im Siegesrausch klingt der Rechtspopulist Geert Wilders ein bisschen wie Adolf Hitler, wenn er wissen lässt, dass alles nach Plan läuft. Seine Partei für die Freiheit (PVV) ist, obwohl sie nur in zwei Städten antrat, klarer Sieger der Kommunalwahlen. So grässlich sich Wilders' Triumphgeheul auch anhören mag, es ist kein Zeichen von Größenwahn: Wenn nichts dazwischenkommt, wird die PVV bei der Parlamentsneuwahl im Juni zur stärksten oder zweitstärksten Fraktion.
Gefürchtet: Geert Wilders (© Foto: dpa)
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Das ist schlimm für die Niederlande. Außer Islamhass hat Wilders diesem Land kaum etwas zu bieten. Wie alle Populisten ist er nicht an Lösungen interessiert. Er lebt nur von der Angst der Menschen - der Angst vor dem Fremden, dem Unsicheren, Unkontrollierbaren. Es muss ihm auch niemand dankbar sein für den Hinweis, dass einiges schieflief in der niederländischen Integrationspolitik, die gewaltige Probleme aus falsch verstandener Liberalität, und auch aus Faulheit, nicht zur Kenntnis nahm. Der Intellektuelle Paul Scheffer läutete diese Alarmglocke schon im Jahr 2000 und riss damit seine Sozialdemokraten wenigstens ein bisschen aus dem Schlaf.
Zurück zu Wilders: Was ist von einem Politiker zu halten, der sein Denken und Handeln letztlich aus einem einzigen Satz ableitet - "der Islam ist schuld an allem" - und den Leuten daher einzureden versucht, ihre Probleme ließen sich ganz einfach lösen, wenn nur endlich dieser Islam verboten sei und möglichst viele Muslime aus dem Land geworfen würden? Nein, Holland braucht Geert Wilders ganz und gar nicht, eher stimmt der in diesen Tagen gefallene Satz, dass dieser Mann Hollands größtes Problem sei.
Aber er ist da, er lässt sich nicht wegwünschen. Die Menschen wählen ihn, was für seine Cleverness spricht. Aber es ist auch ein Ausdruck des stark gestörten Vertrauensverhältnisses zwischen den Bürgern und den etablierten Parteien. Wie also sollen diese Parteien umgehen mit dem Anti-Politik-Politiker? Wilders verteufeln und mit allen Mitteln draußen halten oder ihn einhegen? Das ist eine altbekannte Frage, auf die es keine einfache Antwort gibt.
Die schlechteste Strategie ist es, Wilders wegen "Beleidigung" der Muslime, wie jüngst geschehen, vor Gericht zu zerren. Das liefert ihm nur eine weitere Bühne, auf der er sich als Opfer der politischen Elite darstellen kann. Eine Anti-Wilders-Koalition hingegen würde auf die Wiederholung des eben zerbrochenen und reichlich diskreditierten christ-sozialdemokratischen Bündnisses hinauslaufen. Man würde Wilders damit eine große Freude bereiten.
Bleibt also, den Mann mit den gebleichten Haaren (mit-)regieren und sich selbst entzaubern zu lassen, wie es weiland geschah bei Österreichs Freiheitlichen. Man wird dann sehen, wie weit Wilders mit der Forderung kommt, das Kopftuch aus allen öffentlichen Einrichtungen zu verbannen. Oder eine Steuer von 1000 Euro auf jedes Kopftuch zu erheben.
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(SZ vom 5.3.2010/dmo/gba)
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Wilders wäre ja nicht möglich, wenn in Holland nicht sehr vieles schief gelaufen wäre.
Man hat dort geschlafen. Vielleicht sogar mehr, als in Deutschland. Die Aggression der dortigen islamischen Einwanderer ist wirklich schlimm, mir haben das holländische Freunde bestätigt.
Der Mord an van Gogh ist nur die Spitze eines Eisberges.
Als Deutsche sollten wir nicht darüber urteilen. Im Grunde ist Wilders auch Ausdruck der Demokratie. Die Leute haben vom Islam die Schnauze gründlich voll - und dafür gibt es viele gute Gründe.
Ehrenmorde, van Gogh Mord, Karkaturenstreit, Terrorausbildung, Kofferbomber von Köln - sind das alles Dinge, die es nicht gibt?
Wer leidet eigentlich mehr unter Realitätsverlust? Leute wie Wilders oder unsere Gutmenschen, die immer noch vom friedlichen Islam quatschen ???
Auch wenn es vielleicht abgedroschen klingt, aber nach dem Lesen des Artikels und der Leserkommentare muss ich von meiner Warte aus sagen, dass die Wahrheit wie immer irgendwo in der Mitte liegt. In den Niederlanden gibt es, wie auch in den meisten anderen Ländern, ungelöste Probleme mit der Immigration aus, in diesem Falle Nord Afrika und mit Namen aus Marokko. Jahrelang hat die etablierte Politik weggeschaut und so getan, als ob es die Probleme nicht gäbe. Pim Fortuyn war der erste der sie benannt hat und wurde dafür immens populär - er hat aber seine Aufgabe nicht vollenden können. An seiner Stelle kam Geert Wilders, der jedoch viel "platter" ist und dem das Fingerspitzengefühl eines Fortuyn völlig fehlt. Was die Anhänger von Wilders allerdings nicht merken ist, dass sie fortwährend an der Nase herum geführt werden. Wilders ist jemand der an der Seitenlinie steht und ruft, aber eigentlich nicht mitspielen will.
So erklärte sein Statthalter in Almere, Raymond de Roon, obwohl größte Partei geworden, doch nicht mitregieren zu wollen. Oder nur unter der Bedingung, dass alle andere Parteien die Standpunkte der PVV übernehmen würden. Eine völlig absurde Situation. De Roon verschärfte sogar den PVV Beschluss hinsichtlich Kopftüchern in öffentlichen Gebäuden in "In der Öffentlichkeit", also ein Kopftuchverbot auf Almere's Straßen. De Roon, studierter Jurist und ehemaliger Staatsanwalt, weiß nur zu gut, dass diese Forderung rechtlich jeglicher Grundlage entbehrt, trotzdem will er den Wählern diesen Schwachsinn verkaufen. Liest man PVV's Elf-Punkte-Programm zur Bekämpfung des Islam, so müßten schon sieben Artikel des niederländischen Grundgesetzes geändert werden. Alle wissen, dass dies ein völlig unmögliches Unterfangen ist. Das könnte ein Argument sein, warum die PVV nicht mitregieren will nach dem 9.Juni, auch wenn sie vielleicht die größte Partei werden sollte. Warten wir ab, ob sie es wirklich seriös meinen, oder nur Rattenfänger sind!
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