Aus Unsicherheit haben überraschend viele Niederländer für Geert Wilders gestimmt. Dabei bietet seine Ein-Mann-Partei keine Lösungen. Wilders' Erfolg bestätigt einen EU-weiten Trend: die Zersplitterung der politischen Landschaft.
Nein, das war sicher kein "glorioser Tag für die ganzen Niederlande", wie Geert Wilders seinen Anhängern zurief. Angst und Unsicherheit der Menschen haben dem rechten Rattenfänger weit mehr Menschen als erwartet in die Arme getrieben.
Bild vergrößern
Er ist der große Gewinner der Wahl in den Niederlanden: Geert Wilders. Doch der Erfolg seiner "Partei für die Freiheit" ist auch eine Warnung für die anderen Parteien in Europa. (© afp)
Anzeige
Ob seine "Partei für die Freiheit" (PVV) nun an der Regierung beteiligt wird oder nicht, sie ist jetzt ein wesentlicher und unübersehbarer Faktor im Haager Politikgeschehen. In ihrer Freude darüber, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise das ewige Thema Integration verdrängt zu haben schien, hatte die Konkurrenz den gefährlichen Populisten eindeutig unterschätzt.
Aber was ist das für eine "Partei", die da an die Macht drängt? Sie hat ein einziges Mitglied: Geert Wilders. Er allein entscheidet alles, er hat die totale Kontrolle über Kandidaten und Programm. Es gibt keine Parteiversammlungen, keine Abstimmungen über Themen.
Es gibt auch niemanden, der Wilders' Allmacht in Frage stellen und etwa bezweifeln würde, dass eine Kopftuchsteuer ein sinnvoller Vorschlag zur Lösung der Einwanderungsproblematik darstellt. Er würde einfach rausfliegen. Demokratisch im herkömmlichen Sinne lässt sich das nicht nennen.
Doch nicht nur für die Niederländer ist dieser Wahlausgang bedauernswert. Er weist auf einen Trend hin, der sich europaweit ausbreitet: die Zersplitterung der politischen Landschaft. Fünf oder sechs fast gleichstarke Gruppen kämpfen in Den Haag um die Macht; mal ist die eine vorne, mal die andere.
Die Wähler kennen kaum noch Loyalitäten, sie flitzen ratlos von Partei zu Partei. Volksparteien? Die existieren lange nicht mehr. Für ihre Schwestern in den Nachbarstaaten ist das ein Menetekel.
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Geert Wilders RSS
- Wahl in den Niederlanden Vorhang auf für Geert Wilders 10.06.2010
- Geert Mak zur Niederlande-Wahl "Geert Wilders will gar nicht regieren" 08.06.2010
- Wahl in den Niederlanden Pragmatismus ist Trumpf 04.06.2010
- Wahl in den Niederlanden Patt in Den Haag - Wilders trumpft auf 10.06.2010
- Rechtspopulistischer Islamfeind Der Aufstieg des Geert Wilders 21.06.2011
- Wahl in den Niederlanden Rechtspopulist Wilders will regieren 10.06.2010
- Wahl in den Niederlanden: Job Cohen Der Anti-Wilders in der Krise 01.06.2010
(sueddeutsche.de/cmat/mati)
Lohnzettel auf Facebook
Parteispender 2010
Putin, der "Alpha-Rüde"
Politiker und ihre Pannen
@bad_timing
Sie schrieben:
"Ich bin, ehrlich gesagt, mit den niederländischen Verhältnissen nicht vertraut. Ich verfolge die deutschen Verhältnisse. Und hier versucht man zumindest, mit einem runden Tisch zueinander zu finden."
Ich bin Niederländer und wohne dort. Die Niederländische Landschaft steht so zu sagen voller Runde Tische. Wir versuchen immer alles zusammen zu besprechen, in der politischen Beschlussformung gibt es dazu sogar offizielle Platforme.
Fortuyn, Verdonk und Wilders waren / sind gerade populär weil sie vom 'Runden Tisch' aufgestanden sind und "Action" brüllen.
In der Regel informieren Journalisten der Sueddeutsche sich ernsthaft bevor sie schreiben, hier scheint dass leider nicht der Fall.
Die Niederländer die Wilders gewählt haben sind nämlich alles andere als 'Ratten'. Es sind ganz normale Bürger, viele aus ganz normalen Mittelklassen und da herum.
Um den Wilders-Bewegung richtig verstehen und analysieren zu können, ist einen Blickwinkel gefragt über die normale einfache Deutsche links-rechts / progressiv-konservativ Discours hinaus. Eine Engeln-Ratten Denkwelt kommt meinentwege überhaupt nicht im Frage.
Hier einige Info's aus die Niederlände:
1. Wilders hat viele ganz normale Wähler aus der mittlere Bürgerei, quasi wie Sie und Ich (quod non).
2. Wilders hat nicht nur 'rechte' Standpünkte, sondern auch soziale Standpünkte, teilweise mehr links als die der Niederländische SPD (PvdA).
3. Wilders hat das letzte Mal relevant viele Wähler bekommen die vorher SP gewählt haben. (Socialistische Partij, bisschen wie die Deutsche Linke).
4. Wilders hat Support von ein Konservativem Netzwerk mit Knotpünkte in den USA, Dänemark und Belgiën. Nur deswegen konnte er sprechen auf das Protestdemöchen nähe Ground Zero am 9.11. *
5. Wilders hat Juli 2010 angekündigt, selbst ein Internationales Netz aufbauen zu wollen, the 'Geert Wilders International Freedom Alliance'.
6. Am 2n Oktober haben in Berlin mehrere Deutsche Parlementarier auf eine Sammlung wo auch Wilders sprach, eine Rede gehalten.
Es ist vielgefragt -
zulassen dass Wilders-anhänger in alle (Deutsche) politische Parteien gefunden werden können und unter Leser alle Deutsche Zeitungen;
zulassen dass Merkel an bestimmte Pünkte ähnlich denkt wie 'wir';
zulassen das Sarrazin erstmal in der SPD bleibt und seine Äusserungen da mit Ihm debattiert werden;
- aber dringend notwendig.
Deutsche Journalisten aller Zeitungen haben die Aufgabe hier einiges auf zu klären udn zu differenzieren.
Amsterdam - ein ganz normalen Niederländischen Bürger der sich Sorgen macht.
----------------------
* Zum recherchieren nach diesem Internationalen Netz hier einige Suchbegriffe:
'Pamela Geller' - 'Robert Spencer' - 'Jeffrey Imm' - 'Charles Johnson' - 'David Horowitz' - 'Avi Davis' - 'Anders Gravers' - Paul Beliën (neue PVV-Partei Ideolog) - 'American Freedom Alliance' (AFA) - 'Jihad Watch' - Stop the Islamization of Europe' (SIOE) - 'Stop the Islamization of America' (SIOA) - 'European Defence League'.
Wenn
Ein Beispiel aus der Praxis:
Friedrich Schiller ist für die meisten Deutschen unser großer Dichter der Freiheit und ist doch einer unserer Größten, viele würden ihn als einen vorbildlichen Deutschen bezeichnen, dessen Gedichte wie die "Glocke" und Balladen und Dramen viele Mitbürger lieben.
Aus dem Mund islamischer Migranten aber hörte ich schon Folgendes:
"Der kann doch kein Vorbild für uns sein, dieser alte Bettnässer"
Das zeigte doch die Prioritäten auf. Das ändert sich auch kaum in wenigen Generationen von alleine.
selbstaendig
"Gehst zu nach Rom, dann lebe wie die Römer" - ist der ganz schlichte Hintergrund auf dem sich die Einschätzung der Mehrheit der Bürger, die sich kritisch mit Zuwanderung auseinandersetzen, bewegt.
Den Islam in seiner reinen Lehre als Verdummung zu betrachten, ist so richtig, wie es richtig ist, jede Religion bzw. deren fundamentalistische Anwendung so zu benennen.
Die reine Lehre ist eins, das gelebte Tun ein anderes und da empfiehlt es sich, einfach in die Brennpunkte zu gehen, vor Ort seine eigenen Erfahrungen zu sammeln.
Bildung? Sehr gerne, nur ist diese dann nur vermittelbar, wenn in der Landessprache Bildung - Schulunterricht auch aufgenommen werden kann. Es liegt also in erster Linie an fundierten Sprachkenntnissen um Missverständnisse aller Art von vorneherein zu vermeiden.
Nach meinem sicher nicht umfassenden Kenntnisstand zu den Niederlanden: es gab dort keinerlei Ressentiments gegen Zuwanderer, schon gar nicht muslimische. Die Mordanschläge auf van Gogh und Fortuyn allerdings haben eine ganz fürchterliche Wirkung gehabt. Sinnfrei es zu leugnen. Jeder Extremismus, egal ob er mit dem Islam oder der Rosa-BrillenOptik daherkommt ist abzulehnen, da er in der Sache nichts beiträgt, sondern dem Anderen etwas aufzwingen will. Dass Menschen das ablehnen, muss eigentlich nicht ernsthaft erklärt werden.
Ohne école maternelle wäre das Problem größer. Migranten in Frankreich sprechen die Landessprache auf jeden Fall besser als Migranten in Deutschland. Sind die Probleme in den banlieues wirklich welche, die durch die Religion kommen? Sind das nicht soziale Probleme, eher vergleichbar mit den randalierenden Jugendlichen in Griechenland.
Für mich stellt sich immer die große Frage: Ist denn das "Gastland" überhaupt bereit, zu integrieren? Laden denn deutsche Familien auch das Türkenkind zum Kindergeburtstag ein? Französische Araber sagen, dass sie keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben, sobald Arbeitgeber den Namen lesen. Integration ist keine Einbahnstraße.
Paging