Der Geschäftsmann wollte im Irak nicht nur Geld verdienen. Er sei ein Idealist gewesen, der helfen wollte, sagt seine Familie. Der Amerikaner ist offenbar das erste Opfer der Rache für die Misshandlungen irakischer Gefangener durch US-Soldaten.

Die grausigen Bilder von der Hinrichtung des jungen Geschäftsmanns aus Pennsylvania sind der US-Öffentlichkeit bislang erspart geblieben.

Anzeige

Die US-Fernsehsender verzichteten auf die Ausstrahlung der bluttriefenden Szene, in der Nicholas Berg von seinen Geiselnehmern mit einem großen Messer enthauptet und sein Kopf anschließend in die Kamera gehalten wird. Doch auch wenn die Bilder nicht gezeigt wurden - die Nachricht von dem entsetzlichen Ende des 26-Jährigen hat die Nation erneut erschauern lassen.

Berg ist zum ersten bekannten Opfer eines Racheakts für die Misshandlung von Gefangenen durch US-Soldaten im Abu-Ghraib-Gefängnis geworden.

Am Anfang des Videos ist zu sehen, wie er in einem orangefarbenen Overall auf dem Boden hockt. Hinter ihm stehen fünf vermummte Männer - spekuliert wird, dass einer von ihnen der gesuchte jordanische Extremistenchef Abu Mussab el Sarkawi sein könnte.

Berg sagt seinen Namen, den seiner Eltern und seiner Geschwister. Seine Stimme ist ruhig - vermutlich weiß er er nicht, was auf ihn zukommt. Die Extremisten verlesen ein Statement, im dem sie behaupten, von der US-Regierung vergeblich die Freilassung von Häftlingen aus Abu Ghraib im Austausch für ihre Geisel verlangt zu haben, und in dem sie mit weiteren Morden drohen. Dann töten sie den hilflosen Amerikaner.

Bergs Vater, sein Bruder und seine Schwester brechen vor dem Haus der Familie in West Chester bei Philadelphia zusammen, als ihnen US-Reporter von dem Video erzählen.

Die Familie hatte Nicholas Berg davon abzuhalten versucht, nach Irak zu gehen. Sie fürchteten um seine Sicherheit. Und sein Vater, ein pensionierter Lehrer, ist ein Gegner dieses Krieges.

Doch Nicholas Berg hielt die US-Invasion in Irak für eine gute Sache. Und er versprach sich von dem Wiederaufbau nicht nur lukrative Aufträge für sein kleines Unternehmen, das auf den Bau und die Reparatur von Sendemasten spezialisiert ist, sondern wurde offensichtlich auch von einer guten Portion Idealismus angetrieben.

"Er glaubte an Menschen", sagt sein Vater. "Er wollte Menschen helfen". Die Sendemasten für den Rundfunk sollten sein Beitrag zu einer freien Medienlandschaft in Irak sein.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt "Er glaubte an die Menschen"
  2. "Er glaubte an die Menschen"
Leser empfehlen