Von Martin Kotynek, Kopenhagen

"Ohne uns könnt ihr nicht über uns entscheiden": Seit der Ankunft der Staatschefs wird der Klimagipfel zur Exklusiv-Veranstaltung. Von 22.000 NGO-Vertretern sind jetzt nur noch 90 zugelassen.

Es ist leer geworden in Halle H des Bella-Centers, wo Umweltorganisationen auf der Klimakonferenz ihre Messestände aufgebaut haben. Wo sonst Klimaschützer versuchen, Diplomaten zu mehr Mut in den Verhandlungen zu drängen, wuselt es nicht mehr.

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"Wie könnt ihr über uns ohne uns entscheiden?", steht stattdessen auf Schildern, die auf den verwaisten Ständen kleben; daneben sind die Konturen eines Gesichts zu sehen, der Mund ist mit Heftpflastern zugeklebt.

Die Klimakonferenz wird immer mehr zur geschlossenen Gesellschaft. Je mehr Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen ankommen, desto weniger Beobachter von Nichtregierungsorganisationen (NGO) dürfen das Konferenzgebäude betreten. Mehr als 22.000 NGO-Vertreter sind offiziell für die Konferenz registriert - am Donnerstag durften knapp 100 von ihnen das Gebäude betreten.

Bereits in den Tagen zuvor wurde vielen der Zutritt verwehrt, darunter auch ganzen Delegationen, wie etwa jener von Friends of the Earth oder dem deutschen Umweltverband BUND. "Die Teilnahme der Öffentlichkeit wurde auf ein Minimum reduziert", sagt Kumi Naidoo, der Direktor der Umweltorganisation Greenpeace International.

"Die UN müssen verstehen, dass die Staats- und Regierungschef niemals gekommen wären, wenn die Öffentlichkeit der Konferenz nicht so große Aufmerksamkeit schenken würde."

Naidoo ist einer von nur drei Greenpeace-Mitarbeitern, die am Donnerstag ins Bella-Center eingelassen wurden. Auch die Umweltorganisation WWF durfte nur vier Mitarbeiter schicken. Die Organisationen beobachten die Verhandlungen, um festzustellen, welches Land bei wichtigen Fragen bremst und um auf dessen Vertreter dann Druck auszuüben.

Nachdem sich die Zugangsbeschränkungen nach den Demonstrationen vor dem Tagungszentrum am Mittwoch bereits angedeutet hatten, versuchten zahlreiche NGO-Vertreter vorsorglich, in dem Gebäude zu übernachten. Sie fürchteten, am Donnerstagmorgen sonst nicht mehr eingelassen zu werden.

Etwa 40 Beobachter der Umweltorganisationen WWF und Greenpeace wollten die Nacht in ihren Büros in der Delegiertenhalle verbringen, wurden aber gegen vier Uhr nachts vom Sicherheitsdienst aufgefordert, zu gehen.

Das UN-Klimasekretariat begründet die Beschränkung mit Sicherheitsvorkehrungen, die durch die Ankunft von 119 Staats- und Regierungschefs nötig geworden seien. Die dänische Regierung richtete für alle abgewiesenen Beobachter ein Konferenzzentrum in Kopenhagen ein. Dort können NGO-Vertreter nun Teilen der Verhandlung auf Bildschirmen folgen. Was jedoch hinter den Kulissen stattfindet, erfahren sie nicht mehr.

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(SZ vom 17.12.2009/mati)