Von Christoph Hickmann, Wiesbaden

Die hessischen Spitzenkandidaten zeigen bei ihrem gemeinsamen Auftritt im Landtag mehr Gelassenheit als vor einem Jahr.

Man muss sich das vergangene Jahr in Hessen vorstellen wie einen einzigen, lang und immer länger gezogenen Wahlkampf. Es gab überraschende Wendungen, denen bald wieder neue folgten, und irgendwann im Verlauf dieses Jahres wurde so ziemlich jedes Argument schon einmal ausgetauscht zwischen den fünf Parteien im Landtag - selbst zum Thema Wirtschaftskrise.

Die Spitzenkandidaten fuer die hessische Landtagswahl bei der "Elefantenrunde" im Landtag: Jörg Uwe Hahn (FDP, v.l.), Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD), Hessens geschäftsführender Ministerpräsident Roland Koch (CDU), Tarek Al-Wazir (Grüne) und Willi van Ooyen (Linke). (© Foto: ddp)

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Insofern boten die Spitzenkandidaten dieser Parteien am Mittwoch im hessischen Landtag inhaltlich nichts Neues, als sie sich dort den Fragen der Presse stellten. Dafür gab es den einen oder anderen hübschen Wortwechsel und einen Ausblick auf jene eineinhalb Wochen, die der Wahlkampf jetzt noch dauern wird.

Schon die Atmosphäre um die eineinhalbstündige Fragerunde herum war nicht mit jener vor einem Jahr zu vergleichen. Damals hatte der Grünen-Landesvorsitzende Tarek Al-Wazir CDU-Ministerpräsident Roland Koch den Handschlag verweigert - wegen dessen Kampagne zum Thema kriminelle junge Ausländer.

Diesmal sparte Al-Wazir zwar nicht mit Spitzen gegen den neben ihm platzierten Koch, blieb aber ironisch-kultiviert und gab sich gelassen. Im Gegenzug bekam er vom FDP-Spitzenkandidaten Jörg-Uwe Hahn "ein bisschen Nachhilfe in Juristerei" empfohlen, um die Feinheiten des Frankfurter Flughafenausbaus beurteilen zu können.

SPD-Mann Thorsten Schäfer-Gümbel bemühte sich nach Kräften, Koch zu attackieren und hatte sogar eine Persiflage jenes CDU-Plakats mitgebracht, demzufolge Kochs Partei "in Zeiten wie diesen" um jeden Arbeitsplatz kämpft. Auf Schäfer-Gümbels Ausgabe hieß es: "An Zeiten wie diesen sind die CDU und Roland Koch nicht unschuldig."

Gleich danach versicherte der neben Schäfer-Gümbel sitzende Hahn, er und sein Nachbar harmonierten bei der Handhabung des Mikrophons "schon ganz gut", woraufhin Al-Wazir in Anspielung auf die von den Liberalen verweigerten Gespräche über eine Ampelkoalition ein "Endlich!" entfuhr. Koch sah sich das entspannt an, während Willi van Ooyen (Linke) einräumte, die "sozialpädagogischen Fähigkeiten" seien in seiner Partei noch nicht so weit entwickelt, wie dies angesichts rebellierender Mitglieder und einer Reihe von Austritten notwendig wäre.

Thematisch dominierte neben der Wirtschaftskrise das Thema Infrastruktur, speziell der Ausbau des Frankfurter Flughafens. Sowohl Schäfer-Gümbel als auch Al-Wazir stellten sich nochmals hinter den nie in Kraft getretenen rot-grünen Koalitionsvertrag, was Koch sehr zufrieden stimmte, schließlich geißelt er ihn seit Wochen als Werk, an dem der Flughafen sowie das Land zugrunde gegangen wären.

Zudem konnte er bei dieser Gelegenheit nochmals darauf hinweisen, dass Schäfer-Gümbel bei den Koalitionsverhandlungen nicht dabei gewesen sei - was für Koch allerdings nicht die wirtschaftspolitische Vernunft des Herausforderers belegt, sondern dessen mangelnde Wertschätzung in der SPD. Zumindest vor der Kür zum Kandidaten.

Blieb noch die Koalitionsfrage, bei der ebenfalls alle ihre Linien hielten: Schäfer-Gümbel sagte, er wolle die Linkspartei aus dem Landtag halten und die Auswahl von Partnern im Fall des Falles von "Inhalten" sowie "Stabilität" abhängig machen. Zunächst gelte es, eine schwarz-gelbe Mehrheit zu verhindern.

Al-Wazir schloss weiter nichts aus, abgesehen von einer Zusammenarbeit mit Koch; van Ooyen zeigte sich weiter offen für Rot-Grün-Rot, während Hahn zwar weder Bündnisse mit der SPD noch mit den Grünen ausschloss, jedoch seine klare Präferenz für die CDU wiederholte. Koch schließlich machte nochmals klar: Rot-Grün-Rot oder Schwarz-Gelb, darum gehe es bei dieser Wahl. Was dann doch stark an den Januar 2008 erinnerte.

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(SZ vom 08.01.2009)