Von Franziska von Kempis, Berlin

Peter Sodann ist Kandidat der Linken für das Amt des Bundespräsidenten. Nur zu sagen hat er an diesem Abend nichts - vielleicht besser so.

Kalter Zigarettenhauch hängt noch im grau karierten Jackett, als er die Reporterin an beiden Armen packt und sie ganz nah an sich heran zieht. Dann flüstert er ihr ins Ohr: "In Gedanken habe ich die Vorhänge für das Schloss Bellevue schon bestellt."

peter sodann linkspartei ap Bild vergrößern

Tritt für die Linke an bei der Bundespräsidentenwahl im Mai: Schauspieler Peter Sodann, hier auf einem Archivbild (© Foto: AP)

Anzeige

Der Kandidat für die Bundespräsidentschaft der Linken hat wohl eben noch auf der Terrasse der Fraktionsebene im Reichstag eine Zigarette geraucht. Es ist der Neujahrsempfang der Linksfraktion. Die Partei- und Fraktionschef Oskar Lafontaine, sein Co-Fraktionschef Gregor Gysi und Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau haben schon gesprochen. Peter Sodann nicht.

Dabei hätten wohl viele hier gerne erfahren, wie er sich den 23. Mai vorstellt. Dass er wirklich Bundespräsident wird, ist nach menschlichem Ermessen völlig ausgeschlossen.

Nun ja, Peter Sodann sieht noch eine kleine Chance, wie er der Reporterin verrät: "Wenn die CDU und die SPD ein Virus erwischt ..., die FDP und die Grünen haben ja keinen Kandidaten ..." Sodann grinst, er meint das ja nur "sarkastisch", wie er vorher ausdrücklich versichert.

Ein bisschen Vorsicht kann ihm nicht schaden. Denn nicht alles, was Sodann sagt, kommt gut an. Das muss ihm im Blut liegen. Schon früh hat der Kandidat aus dem sächsischen provoziert. 1959 leitet er an der Leipziger Theater-Hochschule das Studentenkabarett "Rat der Spötter".

Die Sache mit dem Klo

Das Publikum ist begeistert - die Partei der Einheitssozialisten weniger. Das Kabarett wird als "konterrevolutionär" eingestuft und aufgelöst. Sodann wandert für neun Monate ins Gefängnis.

Als die Linke Sodann im Oktober 2008 zum Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten macht, kennen ihn die meisten nur als Tatort-Kommissar Bruno Ehrlicher. Und ehrlich ist Sodann.

Wie bei seiner offiziellen Vorstellung als Kandidat. Da erzählt er, dass er morgens auf der Toilette gerne Kreuzworträtsel löst. Allerdings mit Lösungsheftchen. Er habe morgens gerne "zwei Erfolgserlebnisse".

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Der König sagt nichts
  2. Der König sagt nichts
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Richter gegen Richter

Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...