Kritik an Putin Verwirrung um vermeintliches Pussy-Riot-Video

Ist die putinkritische Band Pussy Riot zurück? In einem Musikvideo protestieren maskierte Frauen gegen den Präsidenten und die russische Gas- und Öl-Lobby. Doch die Aktivistinnen selbst sprechen von Nachahmern.

Von Andreas Glas

Zuletzt war es still geworden um Pussy Riot. Umso schneller verbreitete sich ein Video im Netz, das auf den ersten Blick aussieht wie eine Performance der putinkritischen Punkband. "Wie im roten Gefängnis" heißt das Lied, das unter anderem auf Youtube verbreitet wurde.

Das Video beginnt mit acht rhythmischen Schlägen auf Stahl. Eine junge Frau - neonpinkes Tanktop, neongrüne Strumpfmaske - drischt mit einem Vorschlaghammer gegen das Ventil einer Pipeline. Dann tritt Gas aus, ein harter Schlagzeug-Takt setzt ein, man sieht Bilder einer Förderanlage des Ölkonzerns Rosneft. Die Aktivistinnen üben brachiale Kritik an der Gas- und Öl-Lobby, werfen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und den staatlichen Rohstoffkonzernen vor, ihre milliardenschweren Gewinne untereinander aufzuteilen und das Volk zu bestehlen.

Allein: Das Video ist offenbar gar nicht von Pussy Riot. Das teilen die wahren Bandmitglieder in einem Statement auf ihrer Homepage mit. Von Wut auf die Nachahmer ist nicht die Rede, die Aktivistinnen geben sich ironisch: "Wir freuen uns darüber, unsere Bewegung wächst, es gibt immer mehr interessante Unterstützeraktionen. Wir begrüßen in jeglicher Hinsicht alle gegen Setschin und Putin gerichteten Aktivitäten. Und auch wenn ihre Musik weit von der Philosophie des Punk entfernt ist, schaut Euch dennoch an, wie leuchtend und keck ihre ätzenden Farben vor dem Hintergrund einer postapokalyptischen Landschaft in der russischen Steppen aussehen!"

Auf zwei Funktionäre haben es die falschen Pussy Riot im Video besonders abgesehen: Rosneft-Präsident Igor Setschin und Alexander Bastrykin, Chefermittler der russischen Generalstaatsanwaltschaft. Der Verdacht: Setschin sorge für den Geldfluss an Putin, während Bastrykin eine Aufklärung dieses Korruptionsskandals verhindere. Im Video drehen sich große Porträtfotos der beiden an den Schwungrädern eines Ölförderturms, aus Kanistern gießen die vier vermummten Musikerinnen Öl über die Gesichter der mutmaßlichen Putin-Handlanger.

Die falsche Band hatte außerdem auf einer Homepage verbreitet, dass Pussy-Riot-Mitglied Nadeschda Tolokonnikowa am Songtext mitgeschrieben habe. Die 23-Jährige war zu zwei Jahren Straflager verurteilt worden, weil sie im Februar 2012 mit zwei Bandkolleginnen in einer Moskauer Kirche gegen den jetzigen Präsidenten Putin demonstriert hatte. Während eine der drei Musikerinnen auf Bewährung frei kam, befinden sich Tolokonnikowa und die 24-jährige Marija Aljochina seit März 2012 in Haft, offiziell wegen Rowdytum aus religiösem Hass. Der Prozess hatte in Russland und weltweit Proteste ausgelöst und auch in Deutschland für Kritik am russischen Rechtsstaat gesorgt.

In einer früheren Version des Artikels stand, das Video sei von Pussy Riot auf der Webseite der Band veröffentlicht worden. Dies entsprach nicht den Tatsachen, das Video erschien auf einer Seite, die nicht offiziell von Pussy Riot betrieben wird. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.