Neuer Verteidiger im NSU-Prozess Zschäpe zeigt sich gelöst

Juristischer Überflieger: der neue Pflichtverteidiger Zschäpes, Mathias Grasel

(Foto: dpa)
  • Beate Zschäpes neuer Verteidiger Mathias Grasel nimmt erstmals am NSU-Prozess teil. Er bekommt eine Prozesspause zur Einarbeitung, allerdings kürzer als beantragt.
  • Die Angeklagte wirkt wie ausgewechselt, lebhaft und locker. Ihre drei alten Verteidiger ignoriert sie.
Aus dem Gericht von Tanjev Schultz

Beate Zschäpe wirkt heute wie ausgewechselt. Sichtlich aufgekratzt spricht sie intensiv mit ihrem neuen, vierten Verteidiger Mathias Grasel. Er nimmt an diesem 216. Verhandlungstag erstmals am NSU-Prozess teil. Zschäpe sitzt neben ihm.

Die Sitzordnung hat sich verändert: Bisher saß die Angeklagte zwischen ihren Anwälten Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl. Nun ist sie von ihnen abgerückt. Da wo Zschäpe früher saß, nimmt jetzt die Anwältin Anja Sturm Platz. Die Veränderung ist nicht nur eine äußerliche.

Als Zschäpe am Morgen in den Gerichtssaal geführt wird, ignoriert sie ihr altes Verteidigertrio und wendet sich demonstrativ dem Neuen zu. Er stellt auch gleich seinen ersten Antrag: Grasel beantragt, die Hauptverhandlung für drei Wochen zu unterbrechen, damit er sich in die umfangreichen Ermittlungsakten einarbeiten könne. Bundesanwalt Herbert Diemer widerspricht: Zschäpe habe ja noch drei weitere Verteidiger, es sei nicht geboten, das Verfahren aufzuhalten.

Nun ziehen sich die Richter zur Beratung zurück, und in der Pause bleibt Zschäpe neben Grasel sitzen und redet sehr intensiv mit ihm. Es wirkt vertraut, sie scheint zu scherzen, lächelt, wirkt locker. Zschäpe nimmt die Haltung einer Flirtenden ein, der Anwalt wirkt zurückhaltend, aber zugewandt.

Kein Szene-Verteidiger

Zschäpe wirkt erstmals seit Wochen, in denen sie starr dasaß, ziemlich lebhaft. Es sieht so aus, als genieße sie ihren kleinen Triumph, nach langem Hin und Her nun zumindest einen weiteren, ihr genehmen Verteidiger bekommen zu haben.

Grasel ist kein Szene-Verteidiger, der etwas mit Neonazis zu tun hatte. Er ist erst Anfang 30, ein juristischer Überflieger; er wird sich seine neue Aufgabe gut überlegt haben. Ob er ihr gewachsen sein wird, müssen die kommenden Monate zeigen.

Richter Manfred Götzl lehnt zwar eine Unterbrechung für drei Wochen ab, streicht aber die Termine in der laufenden Woche. Weiter geht es im NSU-Prozess am kommenden Dienstag.