Neue Vorwürfe im Nuklear-Streit Iran soll Zünder für Atombombe getestet haben

Geheimdiensten liegen "solide Hinweise" vor, dass Iran bereits im Jahr 2003 eine Neutronenquelle getestet haben soll - ein wichtiges Bauteil für den Zündmechanismus eines Atomsprengkopfs. Die Vorwürfe belasten die Nukleargespräche in Istanbul, die eigentlich eine Lösung des seit zehn Jahren währenden Atomstreits herbeiführen sollen. Teheran gerät zunehmend unter Druck.

Von Paul-Anton Krüger

Iran soll im Jahr 2003 eine Neutronenquelle getestet haben, ein wichtiges Bauteil für den Zündmechanismus eines Atomsprengkopfs. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" liegen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) entsprechende Erkenntnisse von Geheimdiensten vor. In Gesprächen mit Iran versuchen die fünf Vetomächte im UN-Sicherheitsrat und Deutschland an diesem Samstag in Istanbul eine diplomatische Lösung des seit zehn Jahren währenden Atomstreits einzuleiten.

Eine Delegation der IAEA hatte im Januar und Februar bei Gesprächen in Teheran Zugang zu einem Gebäudekomplex auf dem Militärstützpunkt Parchin verlangt. Bereits im November hatte die Behörde in ihrem vierteljährlichen Bericht verdächtige Experimente aufgelistet, die Iran dort vorgenommen haben soll. Die Regierung in Teheran verweigert den Inspektoren bislang den Zugang zu der Anlage. Sie verlangt, dass es zunächst eine Einigung mit der IAEA über die Modalitäten geben müsse.

Ein Mitarbeiter eines westlichen Geheimdienstes sagte, der IAEA lägen "solide Hinweise" vor, dass Iran in Parchin Versuche in einer Sprengkammer vorgenommen hat. Diesen Stahlzylinder soll Iran im Jahr 2000 mit Hilfe eines Wissenschaftlers errichtet haben, der 30 Jahre lang in einem sowjetischen Atomwaffenlabor gearbeitet hat. Die IAEA hat den Mann befragt. Laut den Informationen sollen die Physiker Madschid Schahriari und Fereydun Abbasi-Davani die Versuche geleitet haben.

Die beiden Versuchsleiter wurden Ziel von Bombenattentaten

Beide wurden gleichzeitig im November 2010 Ziel von Bombenattentaten in Teheran. Während Schahriari bei dem Anschlag umkam, überlebte Abbasi-Davani verletzt. Präsident Mahmud Ahmadinedschad ernannte ihn im Februar 2011 zum Chef der Iranischen Atomenergieorganisation. Auch technische Details der Experimente sowie die Identitäten weiterer beteiligter Wissenschaftler seien der IAEA bekannt.

Die Aufklärung "möglicher militärischer Dimensionen" des iranischen Atomprogramms wird in Istanbul jedoch nicht im Mittelpunkt stehen. "Es geht vor allem um das Hier und Jetzt, weniger darum, was in der Vergangenheit liegt", sagte ein hoher westlicher Diplomat.

US-Außenministerin Hillary Clinton verlangte nach einem Treffen mit ihren Kollegen aus den G-8-Staaten von Irans Regierung, dass "sie durch die von ihnen vorzuschlagenden Handlungen klar demonstrieren, dass sie ihr Atomwaffenprogramm tatsächlich eingestellt haben." Die westlichen Staaten wollen vor allem erreichen, dass Iran die Produktion höher angereicherten Urans einstellt und die dafür genutzte Anlage bei Fordo stilllegt, die unter einem Berg verbunkert ist.

Diplomaten erwarten keinen Durchbruch

Iran hat es bisher immer abgelehnt, seine Anreicherung zumindest vorübergehend einzustellen, wie es der UN-Sicherheitsrat fordert. Teheran gerät aber auch zunehmend unter Druck aus Russland. Irans Außenminister Ali Akbar Salehi deutete Dialogbereitschaft an. In der Washington Post schrieb er, der Austausch müsse allerdings als Prozess und nicht als Ereignis betrachtet werden. "Schwierige Themen, die jahrzehntelang nicht angegangen wurden, können nicht über Nacht gelöst werden." In den Gesprächen müssten die Sorgen aller Parteien angesprochen werden.

Diplomaten erwarten in Istanbul keinen Durchbruch. Die Hoffnung sei aber, einen "ernsthaften Gesprächsprozess in Gang zu bringen" und gleich eine zweite Verhandlungsrunde zu vereinbaren.