Neue US-Wirtschaftsministerin Von Obama nachträglich belohnt

Barack Obama begrüßt Penny Pritzker im Garten des Weißen Hauses. 

(Foto: Bloomberg)

Vor dem ersten Wahlsieg Barack Obamas sammelte Penny Pritzker fleißig Geld. Dafür sollte die Wahlkämpferin und Erbin der Hotelkette Hyatt Wirtschaftsministerin werden. Doch dann wurde ihr eine Massenentlassung in einem Bostoner Hotel zum Verhängnis. Fünf Jahre später holt sie der US-Präsident nun doch ins Kabinett.

Von Nikolaus Piper, New York

Eigentlich hätte Penny Pritzker schon vor vier Jahren für ihre Verdienste um die Wahl Barack Obamas zum Präsidenten der USA mit dem Posten der Wirtschaftsministerin belohnt werden sollen. Wenige hatten 2008 das Geldsammeln für Obamas Wahlkampfkasse so effektiv betrieben wie die Finanzchefin seines Teams, die bestens vernetzte Philantropin und Erbin der Hotelkette Hyatt aus Chicago.

Aber dann gab es Probleme. Nach einem erbitterten Arbeitskampf entließ Hyatt ausgerechnet 2008 über 100 Mitarbeiter in einem Bostoner Hotel. Die Entscheidung wurde in der Öffentlichkeit sofort mit ihr selbst in Verbindung gebracht. "Ich fühle mich den Angestellten im Hotel persönlich verbunden", sagte sie damals. "Aber es sollte eine Geschichte zwischen Hyatt und den Gewerkschaften sein, nicht von mir persönlich."

Ein vergeblicher Wunsch. Also erklärte sie öffentlich, sie sei an dem Job gar nicht interessiert.

Diesmal ist die Lage anders. Im Wahlkampf für Obamas zweite Amtszeit hatte sie, jedenfalls von außen gesehen, nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Zwar feierte sie Obamas Wahlsieg in Chicago am 6. November mit dem Präsidenten und dessen Freunden, aber sie hatte nie eine offizielle Funktion übernommen. Am Donnerstag nominierte Obama Penny Pritzker, mittlerweile 54, offiziell als Wirtschaftsministerin der USA. In einer Erklärung des Weißen Hauses hieß es, Pritzker sei "eine der erfahrensten und am meisten respektierten Persönlichkeiten im Geschäftsleben", außerdem eine effiziente Managerin und eine erfolgreiche Unternehmerin. Alles werde ihr in ihrem neuen Job nützen.

Das Amt des Wirtschaftsministers ist in den USA nicht besonders einflussreich. Die Grundlinien der Wirtschaftspolitik legt der Finanzminister (Jacob Lew) fest. Handelsgespräche mit dem Ausland führt der Handelsbeauftragte des Präsidenten. Für dieses Amt schlägt Obama Michael Froman vor, seinen stellvertretenden Sicherheitsberater. Froman wird derjenige sein, mit dem die EU-Kommission das geplante Transatlantische Freihandels- und Investitionsabkommen aushandeln muss.

Der Wirtschaftsminister trägt zwar den Titel "Secretary of Commerce", was im Ausland oft zu Missverständnissen führt. Seine Aufgaben sind aber ganz nach innen gerichtet. Vor allem muss er die Beziehungen zwischen der Regierung und der Geschäftswelt pflegen. Das Ganze ist also eine Kommunikationsaufgabe. Hier könnte Penny Pritzker für den Präsidenten einiges bewirken.

Pritzker kennt Amerikas Reiche und Erfolgreiche

Obamas Verhältnis zu Amerikas Managern und Unternehmen war in seiner ersten Amtszeit notorisch schlecht. Zum Teil hatte das mit seiner Forderung nach Steuererhöhungen zu tun, zum Teil aber mit seiner wirtschaftsfeindlichen Rhetorik. Bis zum Schluss des Wahlkampfes hingen ihm das Wort von den "Fat Cats" ("Fette Katzen", Bonzen) nach, als die er Wall-Street-Banker bezeichnet hatte.

Da kann Penny Pritzker einiges ausbügeln. Sie kennt Amerikas Reiche und Erfolgreiche wie nur wenige. Sie ist nicht nur Hotelerbin - eine Bezeichnung, die sie selbst hasst; sie hat sich mit PSP Capital ein eigenes Immobilienunternehmen aufgebaut. Mit Pritzker hätte Obama auch ein weiteres Problem gelöst: Kritiker hatten ihm vorgeworfen, zu wenig Frauen in sein Kabinett aufgenommen zu haben. Die Kritik würde gegenstandslos.

Die Nominierung ist aber noch nicht die Ernennung. Pritzker und Froman müssen durch das Bestätigungsverfahren des Senats. Das könnte bei Pritzker durchaus kontrovers werden. Die Republikaner dürften sich kaum die Gelegenheit entgehen lassen, die vielen Geschäftsverbindungen der Unternehmerin auf Interessenkonflikte zu durchleuchten.