Die Zahl der Kriegsopfer der vergangenen 50 Jahre muss nach oben korrigiert werden. Das haben US-Wissenschaftler mit Hilfe einer neuen Methode herausgefunden.
In Kriegen der letzten 50 Jahre sind drei Mal so viele Menschen umgekommen wie bislang vermutet. Einer neuen Studie zufolge starben in 13 untersuchten Ländern, darunter Vietnam und Simbabwe, 5,4 Millionen Menschen als Folge von Kriegen.
Napalmangriff in Südvietnam: Das Bild der weinenden Phan Thi Kim Phuc ging um die Welt. Den Forschern zufolge kamen während des Vietnam-Konflikts 3,8 Millionen Menschen ums Leben. (© Foto: AP)
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Bisherige Daten und Schätzungen lagen nur bei rund einem Drittel. Wie die Autoren der neuen Untersuchung im British Medical Journal (online) ausführen, bestätigen ihre Zahlen auch nicht die vorherrschende Meinung, dass die Zahl der Kriegstoten seit Mitte des 20. Jahrhunderts sinke.
Oft basieren die Opferzahlen während Kriegen nur auf Beobachtungen von Augenzeugen sowie Presseberichten und sind häufig Manipulationen ausgesetzt.
Mit einer neu entwickelten Methode versuchten die Autoren der Studie, Ziad Obermeyer und seine Kollegen vom Institute for Health Metric and Evaluation in Seattle, den Einfluss von Kampfaktivität, Doppelzählungen und politisch motivierter Übertreibung zu minimieren.
Dazu bedienten sie sich eines Berichts der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2002 und 2003. In diesen Jahren befragte die WHO weltweit aus zufällig ausgewählten Haushalten jeweils eine Person über den Tod von Geschwistern in den letzten 50 Jahren und dessen Ursache.
Dadurch wurden auch Opfer aus Kriegen zwischen 1955 und 2002 erfasst. "Es ist das erste Mal, dass eine WHO-Befragung dieser Art verwendet wurde zur Ermittlung von Kriegstoten", sagt Michael Brzoska vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. Für besonders interessant hält er das Ergebnis, dass die Zahl der Kriegstoten in den letzten Jahrzehnten nicht rückläufig sei. Das stehe im Widerspruch zu den meisten bisherigen Untersuchungen.
(SZ vom 21.06.2008/cag)
ist völlig unklar.
Simbabwe hat im fraglichen Zeitraum keinen Krieg geführt - mal vom Befreiungskampf unter der Führung von Mugabe abgesehen. Es hat auch bürgerkriegsähnliche Unruhen gegeben, aber das Leid, das in Simbabwe grassiert ist AIDS und in den letzten Jahren Hunger.
Zumindest ist die gleichzeitige Erwähnung von Vietnam und Simbabwe in einem Satz und Zusammenhang völlig irreführend. Das sollten US-Wissenschaftler, die dem Volk angehören, das die meisten Toten des letzten halben Jahrhunderts durch Kriege zu verantworten hat, und das auch Vietnamkrieg geführt hat, immerhin zur Kenntnis nehmen.