Neue Präsidentin Tsai Ing-wen Sonnenblumen und Death Metal

Tsai Ing-wen kam erst spät zur Politik. Nach ihrem Jurastudium in den USA und in England unterrichtete sie viele Jahre an der Universität in Taiwan. Später nahm sie an internationalen Wirtschaftsverhandlungen für Taiwan teil. Unter Präsident Chen Shui-bian leitete sie eine Weile das Amt für Festlandsangelegenheiten. Den Vorsitz der DFP übernahm sie 2008, nach Chens Rücktritt, als die Partei in desolatem Zustand war. Manche ihrer Anhänger nennen sie, auch wegen ihrer leisen, überlegten Art, die "Angela Merkel Taiwans".

Tsai ist nicht das erste weibliche Staatsoberhaupt Asiens - aber sie ist die erste Frau, die die Macht allein aus eigener Kraft errang, ohne mächtigen Vater oder Ehemann. Bislang hielt sie sich ziemlich bedeckt, was ihre Pläne als Präsidentin angeht. Wirtschaftspolitisch ist die DFP nicht allzu weit von der KMT entfernt. In sozialen Fragen gilt Tsai als deutlich progressiver: Sie unterstützt die gleichgeschlechtliche Ehe, ein entsprechender Gesetzentwurf dazu liegt dem Parlament vor.

Bei der Wahl am Samstag spielten Beobachtern zufolge Jungwähler eine große Rolle, die Parteien stellten in Reaktion bemerkenswert viele Kandidaten aus Bürgerbewegungen und NGOs auf. Die aus der Sonnenblumen-Bewegung hervorgegangene neugegründete New Power Party NPP schaffte es auf Anhieb ins Parlament.

Allen voran gelang der Sprung ihrem Gründer Freddy Lim: Der 39-jährige Sänger einer Death-Metal-Band ist Taiwans größter Rockstar und nahm am Samstag seinem Rivalen von der KMT das Mandat ab. Das Kunststück gelang ihm in einer traditionellen KMT-Hochburg im Zentrum Taipeis. Freddy Lim hatte im Wahlkampf angekündigt, mit seiner Partei die neue Präsidentin und ihre DFP unterstützen zu wollen.

Mit Metal zur Macht

Die Jugend in Taiwan fühlt sich als Verlierer der Politik. Deswegen mischt jetzt ein Neuling die Parteienlandschaft des Inselstaats auf: Freddy Lim, Leadsänger einer Death-Metal-Band. Von Kai Strittmatter mehr ...