Der Bundesinnenminister will offenbar zahlreiche sicherheitsrelevante Gesetze rasch verschärfen - und dem Bundeskriminalamt weitreichende Befugnisse einräumen.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) plant angeblich, die Sicherheitsgesetze zu reformieren und an die Rechtsprechung anzupassen.

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Das Bundeskriminalamt (BKA) solle künftig bei Telekommunikations- und Wohnraumüberwachung, Online-Durchsuchungen von Privatcomputern sowie bei Rasterfahndungen Präventivbefugnisse erhalten, berichtete Die Welt unter Berufung auf Regierungskreise.

Für die neuen Eingriffsbefugnisse sollen Rechtsgrundlagen geschaffen werden. Das BKA hatte im Rahmen der Föderalismusreform Präventivbefugnisse für die Terrorabwehr bekommen, die jetzt gesetzlich umgesetzt werden müssen.

Laut dem Blatt will Schäuble künftig auch die Mautdaten zur Aufklärung schwerer Straftaten nutzen. Die Gespräche zwischen dem Betreiber Tollcollect und dem BKA seien schon so weit fortgeschritten, dass die Daten bald übermittelt werden könnten.

Schäuble plane zudem eine Novellierung des Bundesverfassungsschutzgesetzes, berichtete die Zeitung weiter. Das Nachrichtendienstliche Informationssystem (Nadis), das das Bundesamt für Verfassungsschutz mit den 16 Landesverfassungsschutzämtern vernetzt, solle modernisiert werden. Ziel sei ein verbesserter Datenaustausch.

Gemeinsame Anti-Terror-Datei

Am Freitag hatte Schäuble in Berlin die lange umstrittene Anti-Terror-Datei freigeschaltet, mit der Polizei und Nachrichtendienste erstmals direkt Daten von Terrorverdächtigen austauschen können.

Etwa 15.000 Datensätze sind den Angaben zufolge in der Antiterrordatei gespeichert, die Gesamtzahl der erfassten Personen liegt bei 13.000. Weitaus den größten Anteil haben Daten von Verdächtigen im Ausland. Die Zahl der in Deutschland lebenden Erfassten macht weniger als ein Viertel aus. Nur ein kleiner Teil dieser Personen wird akut als Gefährder eingestuft.

Große Risiken

Bund und Länder hatten sich nach jahrelangem Streit unter dem Eindruck der fehlgeschlagenen Kofferbomben-Anschläge im Sommer 2006 auf die Datei verständigt. Ihr Kern enthält nur die Angaben, die zur Identifizierung eines Terrorverdächtigen notwendig sind. Zugang zu einem erweiterten Datenbestand mit Informationen gibt es erst auf Anfrage. In eiligen Fällen aber soll der Zugriff gleich möglich sein.

Die frühere Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger kritisierte die Datei. "Es ist einfach ein zu durchlässiges System, es sind zu viele Daten", sagte die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende. Die notwendige Trennung zwischen den Daten der Polizei und den Daten der Geheimdienste sei nicht gegeben: "Das birgt ganz große Risiken." .

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(AFP/dpa)