Neue Partei in Österreich Stronach will in die "Geschichte der Welt" eingehen

Mit großem Pathos stellt Milliardär Frank Stronach seine neue Partei "Team Stronach" vor und beteuert, kein Radikaler zu sein. Umfragen bescheinigen der neuen politischen Kraft gute Wahlchancen - auf Kosten der Piraten und der Rechtspopulisten von FPÖ und BZÖ.

Von Oliver Das Gupta

Seit Monaten wirbelt Frank Stronach durch die politische Landschaft Österreichs mit der Ankündigung, eine neue Partei zu gründen. Informationen über Inhalte, Ausrichtung und Personal gab er nur häppchenweise heraus. Und jeder Happen sorgte für eine neue Schlagzeile.

Will in die Weltgeschichte eingehen: Frank Stronach während der Pressekonferenz zur Gründung seiner Partei

(Foto: Reuters)

Nun hat das Warten ein Ende: Der Gründer des kanadisch-österreichischen Autozulieferers Magna stellt in Wien sein "Team Stronach" vor. Gleichzeitig werden Grundsatzprogramm und Parteistatut freigeschaltet.

Im Mittelpunkt aber steht eine Rede des Namensgebers, der sich gerne nur "Frank" nennen lässt. Der als Franz Strohsack geborene Steirer hat für die Präsentation in die noble Orangerie des Wiener Schlosses Schönbrunn geladen, wohl auch, um den historischen Anspruch zu betonen, den er seiner Polit-Mission gibt.

"Der 27. September 2012, da bin ich sicher, das ist ein sehr wichtiger Tag", sagt der 80 Jahre alte Unternehmer in freier Rede. Ein Tag, "der in die Geschichte Österreichs eingehen wird und der auch in die Geschichte der Welt eingehen wird".

Anders als noch vor wenigen Wochen ist Stronach bemüht, sein Image als Euro-Gegner abzuschwächen. Er klingt nun staatsmännischer, wettert nicht mehr lautstark gegen Euro und Euro-Rettungsschirm. Stattdessen beteuert er, für "ein starkes Europa" zu sein. "Sehr sachlich" sei er und keinesfalls radikal und "ein Mann des Volkes".

Harsch wird Stronach, als er auf die europäische Krisenmanagement der deutschen Bundeskanzlerin zu sprechen kommt. Angela Merkel sei "entweder so dumm, dass sie nicht versteht, oder sie spielt mit den Banken mit", schimpft er.

Stronach versucht in seiner Ansprache den Spagat zwischen Unternehmertum und persönlicher Demut. Gehungert habe er nach dem Zweiten Weltkrieg, sagt er, und manchmal gehe er in den Wald, setze sich auf einen Baumstumpf oder einen Stein und bete. Seine Rede spickt er wie schon seit Beginn seiner Polit-Kampagne mit den Schlagwörtern Wahrheit, Fairness und Transparenz - Schlagwörter, mit denen er bei vielen Österreichern offenbar punktet.

Eine Phantom-Partei, die in Umfragen hochschnellte

An Affären ist die Politik des kleinen mitteleuropäischen Landes durchaus nicht arm. Meist geht es um Geld und Posten, auch Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) ist derzeit in eine unappetitliche Causa verheddert (das zweite innenpolitische Thema, das neben Stronach an diesem Tag die österreichischen Schlagzeilen dominiert).

Fast alle Parteien sind in den einen oder anderen Skandal verwickelt, da schillert der unbelastete Stronach umso mehr. Hemdsärmelig und mit teilweise unbeholfener Art tritt er auf, aber das schadet seinem Image nicht. Im Gegenteil: Gepaart mit seiner Karriere-Vita strahlt Stronach für viele Landleute zwischen Bregenz und dem Neusiedler See noch etwas aus, was viele andere austriakische Politiker nicht mehr haben: Glaubwürdigkeit.

Selbst peinliche TV-Auftritte und der Vorwurf, Politiker von anderen Parteien eingekauft zu haben, wirken sich für den agilen Alten nicht negativ aus: In Umfragen schnellte seine Partei hoch, obwohl sie noch nicht einmal existierte.

Aktuelle Erhebungen attestieren dem Team Stronach ein erhebliches Potenzial: Die IMAS-Meinungsforschung schreibt von 15 bis 17 Prozent, auch andere kommen auf zweistellige Werte. Eine Market-Umfrage für den Standard ergab sogar, dass 40 Prozent der Befragten Stronachs Partei an der Regierung sehen wollen. Und das, obwohl seine Partei bis heute ein Phantom war.

"Wirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft"

Stronachs Aufstieg geht auf Kosten anderer Parteien wie der Piraten. Je mehr sich die Österreicher für den schwerreichen Polit-Neuling interessieren, desto weniger beschäftigen sie sich mit anderen Kleinparteien. 47 Prozent der Befragten hätten laut Standard in früheren Umfragen die in Deutschland so erfolgreichen Piraten gerne im Bundesparlament gesehen - nun sind es nur noch 34 Prozent.

Das zweite Reservoir, aus dem Stronach schöpft, ist das rechtspopulistische Lager aus FPÖ und BZÖ. Letzterem könnte Stronach mit seinem Aufstieg den parlamentarischen Garaus machen. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der schon offen von der Kanzlerschaft nach der Wahl 2013 träumte, muss um seine Ambitionen fürchten. Seine Partei ist in Umfragen inzwischen nah an die 20 Prozent gerückt - und das, obwohl Strache unbedingt 33 Prozent erreichen will.

Größere Teile seiner Wählerschaft scheinen zu Stronach überzulaufen. Schrille Kampagnen gegen EU und Fremdenangst verfangen offenbar weniger als turbokapitalistische Untertöne, die von Stronach kommen.

Denn der Selfmade-Milliardär propagiert in vielen Dingen eine neoliberale Agenda, wie ein vereinfachtes Steuerwesen und einen einheitlichen Steuersatz. Frank Stronach lässt auch in seiner Rede zur Parteigründung keinen Zweifel daran, was er für das Wichtigste hält: "Die Wirtschaft, die Wirtschaft, die Wirtschaft."